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Werder (Havel) Nach dramatischem Aufruf: Feuerwehr Phöben bekommt neue Leute
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Nach dramatischem Aufruf: Feuerwehr Phöben bekommt neue Leute
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11:05 26.11.2019
Ramon Beciri (r.) weist die beiden neuen Kameraden Enrico Mach (l.) und Ronny Bluck (M.) ein. Quelle: Annika Jensen
Werder

Es ist eine Entlastung für die Feuerwehrleute in Phöben. Lange, viel zu lange, mussten sie Einsätze mit zu wenigen Leuten fahren. Und auch jetzt noch könnten sie mehr Frauen und Männer gebrauchen, die sich ihnen anschließen. Aber immerhin: In den vergangenen Wochen haben sie drei neue Mitstreiter gewinnen können. Das heißt, der Phöbener Trupp ist nun zu elft.

Dramatischer Aufruf sollte Phöbener wachrütteln

In einem dramatischer Aufruf auf Facebook Anfang September, über den die MAZ berichtete, erklärte Ortswehrführer Andreas Schütt, dass die Schließung der Wehr drohe, sollte sich nicht bald mehr Personal finden. Das wäre wahrscheinlich nicht passiert. Denn hat eine Ortswehr zu wenig Personal, könnte die Stadtverwaltung Bürger zur Mitgliedschaft verpflichten. Das sind dann in den meisten Fällen Mitarbeiter in der Verwaltung.

Trotzdem: Schütt wählte die Dramatik in seinem Aufruf bewusst: „Man muss auch mal seinen Standpunkt deutlich machen und mal so, dass die Leute es kapieren und dass ein Ruck durch die Gemeinde geht“, sagt er. „Und die Leute vielleicht mal auf die Idee kommen, nachzufragen: Was ist da los? Was funktioniert da nicht? Wieso habt ihr Probleme?“

Jens Uwe Schuhmann (l., stellvertretender Ortswehrführer in Phöben) und Andreas Schütt (Ortswehrführer) Quelle: Annika Jensen

Damals, am 1. September, hatten sich die Männer und Frauen der Phöbener Wehr außerdem an das Wahllokal in ihrem Ortsteil gestellt. In voller Montur haben sie sich präsentiert und wollten auf ihr großes Personalproblem aufmerksam machen. „Wir sind eher wenig angesprochen worden“, erinnert sich Schütt an die Aktion, „wir wiederum durften die Leute nicht ansprechen. Wir dürfen die Wahl ja nicht beeinflussen.“

Nachts in Werder, am Tage in Phöben

Drei Männer also haben es bei Schütts genannten Fragen nicht belassen. Sie sind zum Gerätehaus in Phöben gekommen, haben die Feuerwehrleute angesprochen und sind eingetreten. Zwei von ihnen wohnen in Werder und wären deswegen eigentlich Mitglied der dortigen Wehr. Doch sie arbeiten in Phöben und haben sich bewusst dazu entschieden, sich bei den Phöbener Brandbekämpfern zu melden. So sind sie tagsüber, wenn sie in Phöben arbeiten, für die dortigen Kameraden eine Unterstützung, sollte es zu einem Einsatz kommen. Und in der Nacht, wenn sie daheim sind, helfen sie bei Einsätzen der Werderaner Wehr.

Einer von ihnen ist Ronny Bluck. Der 40-Jährige leitet seit drei Jahren die Kita „Märchenwald“ in Phöben. Er hatte den Aufruf auf Facebook gelesen. Das war für ihn offenbar der zündende Funke, den er brauchte. „Ich hatte schon länger darüber nachgedacht, einzutreten“, erzählt er. Anders als viele ehrenamtlich engagierte Feuerwehrleute, war er nicht in der Jugendfeuerwehr. Die Phöbener Kameraden sind für ihn der allererste Kontakt zur Feuerwehr. „Für mich ist es wichtig, dass so ein kleiner Ort wie Phöben eine Feuerwehr hat“, sagt Ronny Bluck, „es ist ein Job, den viele Leute toll finden und den bestimmt schon viele in Anspruch genommen haben.“

Ronny Bluck absolviert seit Oktober Ausbildung zum Truppmann

Am Wahlsonntag sei er auf die Männer und Frauen der Wehr zugegangen und habe mit ihnen über seine alten Gedanken gesprochen, den freiwilligen Brandschützern beizutreten. Eine Woche später war Dorffest und die Feuerwehr war auch dort. „Da habe ich Andreas Schütt nach dem Anmeldeformular gefragt“, sagt Bluck. Zuvor musste er freilich mit seiner Chefin sprechen, ob das Ehrenamt auch wirklich mit seinem Job vereinbar ist. „Sie hat nichts dagegen. Ich muss natürlich sicherstellen, dass die Kinder versorgt sind“, sagt er.

Seit Oktober absolviert er als einer von derzeit 20 Teilnehmern eine Ausbildung zum Truppmann in Werder. An Samstagen oder an Freitagen nach der Arbeit lernt er alles, was es braucht, um anderen Menschen in lebensgefährlichen Situationen zu helfen: Drehleitersteigen, Erste Hilfe, die Beladung des Einsatzfahrzeuges und noch vieles mehr. „Wenn alles gut läuft und ich die Prüfung bestehe, bin ich Ende Januar fertig“, sagt Bluck. Er freue sich darauf, ein festes und vollwertiges Mitglied der Wehren in Phöben und in Werder zu werden: „In beiden Teams bin total herzlich aufgenommen worden. Nirgendwo gab es Berührungsängste.“

Bahnschranke behindert Arbeit der Feuerwehren massiv

Derzeit seien vier bis sechs Leute einsatzbereit, wenn die Pieper anspringen, sagt Jens Uwe Schuhmann, der stellvertretende Ortswehrführer. Eigentlich braucht es für einen ordentlichen Einsatz neun Kräfte. Das ist nicht nur deshalb ein unhaltbarer Zustand, weil damit der Brandschutz im Zuständigkeitsbereich der Phöbener Feuerwehr kaum aufrecht erhalten werden kann.

Auch die Geografie von Werder ist ein Grund für die große Bedeutung der Einsatzbereitschaft der Phöbener Kameraden. Werder wird durch die Bahnlinie im Norden, wo Phöben liegt, und Süden geteilt. Ein Bahnübergang mit Schranke ist das entscheidende Nadelöhr. Brennt es im Norden, sind die Phöbener Einsatzkräfte im schlimmsten Falle lange Zeit allein vor Ort. „Wir haben an der Schranke Schließzeiten von bis zu 20 Minuten“, sagt Schuhmann, „stellen Sie sich mal vor: Da stehen die Feuerwehren an der Schranke und auf der anderen Seite brennt’s. Also, ich glaube nicht, dass da die Einwohner glücklich wären, wenn sie so lange auf die Feuerwehr warten müssten.“

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Von Annika Jensen

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