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Werder (Havel) Neuer Hausarzt: Thomas Hörger eröffnet Praxis in Werder
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Neuer Hausarzt: Thomas Hörger eröffnet Praxis in Werder
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15:19 12.07.2019
Thomas Hörger ist Hausarzt in Werder. Quelle: Edith Mende
Werder

Schlicht gerahmt hängt der Eid des Hippokrates über der Behandlungsliege. Das Papier, auf das die rund 2400 Jahre alten Worte über ärztliche Ethik gedruckt sind, ist schon ein wenig vergilbt. „Mein Großvater hatte ihn in seiner Praxis, später mein Vater. Nun gab der ihn an mich weiter.“ Thomas Hörger, der seit dem 1. Juli die Hausarztpraxis im Alten Brauhaus Unter den Linden von Werder führt, ist Facharzt für Innere Medizin. Das sollen die Patienten bald auch daran merken, dass neue Diagnosetechnik einzieht. Ein Ultraschallgerät ist bereits da, anderes bestellt, kündigt der 36-Jährige an. „Ich weiß, dass viele meiner Patienten für Untersuchungen der Inneren Organe bislang nach Potsdam mussten.“

Mehr Personal für neue Praxis vorgesehen

Noch ist der junge Arzt dabei, die gesamte Praxis umzugestalten. Bei laufendem Betrieb. Nach Feierabend ist er häufig noch mit dem Akkuschrauber oder anderem Werkzeug in Aktion. Medizintechnik braucht Platz, deshalb ist für das Jahresende ein Umbau geplant. Eine Wand muss weichen, ein derzeitiger Lagerraum wird in den Praxisbetrieb einbezogen. So ziemlich nichts bleibt an seinem Platz.

Das soll auch eine personelle Aufstockung nach sich ziehen. Schwester Kerstin Drabner und deren Ehemann Jürgen, der hinter dem Empfangstresen steht, hat Thomas Hörger von seiner Vorgängerin Kathrin Gegner übernommen.

In der Ausbildung zum Physiotherapeuten kam die Lust an der Medizin

Eigentlich hatte Hörger die medizinische Familienlinie gar nicht fortführen wollen. Schon früh erwies sich der Junge als großes musikalisches Talent am Klavier. Da es für seine Förderung in der Kleinstadt Harburg im schwäbischen Teil von Bayern an Lehrern mangelte, schickten die Eltern ihn auf ein Musik- und Sport-Gymnasium nach Schwäbisch Hall. Zum Beruf wollte der junge Mann das Musizieren letztlich doch nicht machen. Nach dem Abitur gönnte er sich ein Jahr mit Auto und Zelt in Frankreich. Ohne Klavier, ohne Entscheidungsdruck. Seitdem spricht er immerhin sehr gut Französisch.

Und er kam mit dem Entschluss heim, Physiotherapeut zu werden. Während dieser Ausbildung erwachte peu à peu das Interesse für die Medizin. „Ich habe diese Ausbildung abgeschlossen und es hat mir nur genützt“, resümiert er. „In der Anatomie musste ich später beim Medizinstudium nicht mehr allzu viel tun.“ Hand in Hand könnten ein Arzt und ein guter Physiotherapeut viel bewegen, sogar Operationen vermeiden.

Medizinstudium in Magdeburg

In Magdeburg begann er sein Medizinstudium. Zunächst liebäugelte er mit der Orthopädie. OP-Saal und schlafende Patienten waren jedoch nicht seine Erfüllung. Er wollte mit den Patienten lieber von Angesicht zu Angesicht reden können. Er entschied sich daher für den Weg des Internisten. Während des Studiums der Humanmedizin lernte er seine zukünftige Frau kennen, eine gebürtige Brandenburgerin. Das Paar blieb für seine ersten Berufsjahre in Magdeburg wohnen, die Gynäkologin arbeitete an der Universitätsklinik, der Internist im Krankenhaus Schönebeck (Elbe).

In den sechs Jahren habe er dort eine Menge Erfahrungen, vor allem in den Bereichen Gastroenterologie und Kardiologie sammeln können. Auch als Notarzt sei er oft unterwegs gewesen. „Die Abwechslung ist die Faszination an diesem Beruf.“ Wenn der Ablauf in seiner Praxis sich eingespielt hat, möchte er gerne auch wieder Notarzteinsätze fahren.

Entscheidung für Werder fiel im Urlaub am Schwielowsee

Als sich vor dreieinhalb Jahren Nachwuchs ankündigte, entschied die Familie Hörger, perspektivisch aufs Land zu ziehen. „Magdeburg war auf Dauer nichts für uns. Wir sind ja beide in einer Kleinstadt aufgewachsen. Werder faszinierte meine Frau schon lange.“ Vor drei Jahren machte die Familie Urlaub am Schwielowsee und flanierte mit dem Kinderwagen auch Unter den Linden in Werder entlang.

Das Schild von Allgemeinmedizinerin Kathrin Gegner am Alten Brauhaus fiel ihnen auf. „Vielleicht geht sie ja bald in Rente und sucht einen Nachfolger“, spekulierte damals Joseline Hörger. Als Thomas Hörger zwei Jahre später bei der Kassenärztlichen Vereinigung anrief und bekundete, dass er gern eine Hausarztpraxis in Werder übernehmen möchte, war zu seiner Verblüffung Kathrin Gegner die erste, die sich bei ihm meldete.

Versorgungsgrad mit Hausärzten

35 Hausärzte sind im Mittelbereich Werder/HavelBeelitz ambulant tätig. Dies entspricht einem Versorgungsgrad von 88 Prozent. 

In Werder/Havel praktizieren 15 Hausärzte. Die Stadt ist damit sowohl statistisch als auch nach Einschätzung der Ärzte vor Ort hausärztlich sehr gut versorgt.

Noch acht Hausärzte könnten sich im gesamten Mittelbereich Werder/HavelBeelitz niederlassen, bis der optimale Versorgungsgrad von 100 Prozent erreicht ist.

Es folgten turbulente Monate: das zweite Kind, der Abschied aus Magdeburg, der neue Wohnort in Werder, die eigene Praxis. Im Oktober möchte Joseline Hörger nach der Elternzeit wieder in ihren Beruf einsteigen. Wenn beruflich wie privat alles in ruhigem Fahrwasser ist, bleibt für Thomas Hörger auch wieder Zeit, sich ans Klavier zu setzen.

Von Edith Mende

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