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Werder (Havel) Personalnot sorgt für Wartestress
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Personalnot sorgt für Wartestress
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02:20 05.05.2018
Die Kreisverwaltung des Landkreises Potsdam-Mittelmark in Werder. Quelle: Luise Fröhlich
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Werder

Warten steht bei der Ausländerbehörde des Kreises in Werder derzeit ganz oben auf der Tagesordnung. Lange Schlangen gab es bereits vor zwei Jahren am Gutshof, als der Zustrom von Flüchtlingen besonders groß war. Jetzt hapert es an der knappen Personaldecke in der Behörde, die seit Längerem auf zwei von elf Mitarbeitern verzichten muss, wie Kreissprecherin Andrea Metzler auf MAZ-Anfrage bestätigte. Astrit Rabinowitsch, Vorsitzende des Kreisverbandes der Linken in Potsdam-Mittelmark, sorgt sich um die Zustände und hat einen umfangreichen Fragenkatalog an den Fachdienstleiter Hans-Jörg Hallex geschickt.

Bei der jüngsten Kreistagssitzung berichtete Astrit Rabinowitsch den anderen Abgeordneten von Eindrücken, die sie bei einem Besuch der Behörde vorige Woche gesammelt hat. „Die Mitarbeiter sind einer hohen Belastung ausgesetzt. Was ich dort gesehen habe, hat mich sehr betroffen gemacht“, sagte sie der MAZ. Vom 17- bis 70-Jährigen würden alle geduzt werden, ein Wachschutz würde die Unterlagen der Asylbewerber teilweise zu den Mitarbeitern reinreichen, wodurch es keinen persönlichen Kontakt gibt und auch eine Spielecke für Kinder habe sie vermisst.

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Bearbeitungsschlüssel liegt bei 1177 pro Sachbearbeiter

Besonders eng ist die Personaldecke Andrea Metzler zufolge im Bereich Eingangsservice: Ein Mitarbeiter sei schon lange krank und die andere Mitarbeiterin schwanger. Für Letztere sucht die Verwaltung jetzt eine Vertretung – befristet für zwei Jahre. „Das Problem ist auch, dass man nicht gleich qualifiziertes Personal findet“, erklärte die Kreissprecherin.

Gespräche zur Lösung des Problems in der Behörde hätten stattgefunden und die Mitarbeiter vor Ort würden ihr möglichstes tun, um die Anträge schnell zu bearbeiten. Vom Fachdienstleiter Hans-Jörg Hallex erfuhr Astrit Rabinowitsch, dass jeder der sieben Sachbearbeiter für Aufenthaltsrecht 1177 Personen betreut. „Erstrebenswert, auch im Sinne der obliegenden Beratungspflicht gegenüber den Bürgern, sollte ein Wert von circa 800 bis 900 Fälle pro Sachbearbeiter sein“, schreibt er in seiner Antwort. Derzeit werde geprüft, ob ein zusätzlicher Mitarbeiter für diesen Bereich eingestellt werden kann, um die Situation zu entspannen. Insgesamt halten sich aktuell 8238 ausländische Personen im Landkreis Potsdam-Mittelmark auf (Stand Februar 2018).

Viele offene Fragen

Von Ehrenamtlichen, die Asylsuchende zur Ausländerbehörde begleiten, hat Astrit Rabinowitsch von den Problemen und Beschwerden erfahren. Ein Mitarbeiter des Belziger Forum e.V. hätte mit einem Klienten beispielsweise sieben Stunden auf einen Termin gewartet und schon vor Beginn der Sprechstunde sei der Wartekartenautomat abgeschaltet worden. Andere berichteten von langen Bearbeitungszeiten oder Beratungen auf dem Flur. Astrit Rabinowitsch will nun im Kampf gegen die Missstände zuerst mit Hans-Jörg Hallex persönlich sprechen. „Ich habe noch viele offene Fragen“, sagte sie.

Eine Frage ist, wie sich die Ausländer angesichts der Sprachbarrieren verständlich machen. „Die offizielle Amtssprache ist deutsch“, sagte Kreissprecherin Andrea Metzler. Acht Mitarbeiter der Behörde seien in der Lage, sich in mindestens einer Fremdsprache umgangssprachlich zu verständigen. Das funktioniert für Englisch, Russisch, Spanisch und Portugiesisch. Sprachen wie Paschtu, Farsi, Arabisch, Kurdisch oder Tschetschenisch beherrschen die Sachbearbeiter nicht. Dolmetscher seien gesetzlich nur vorgesehen, wenn Personen angehört werden, die sich illegal im Landkreis aufhalten oder wenn Haftanträge gestellt werden.

Keine eigenen Dolmetscher

Die Zahl der Flüchtlinge im Landkreis Potsdam-Mittelmark ist stabil geblieben, während die Zahl aller im Kreis lebender Ausländer angestiegen ist:

Im Dezember 2015 waren es 7174, Ende 2017 lag die Zahl bei 8110 ausländischen Personen.

Die langen Warte- und Bearbeitungszeiten begründet der Fachdienstleiter Hans-Jörg Hallex damit, dass sich derzeit Aufenthaltstitel, die Klienten erneuern lassen müssen, und die Krankheit von mehreren Mitarbeitern häufen.

Die Behörde hat keine eigenen Dolmetscher oder Übersetzer, auf die sie zurückgreifen könnte.

Von Luise Fröhlich