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Werder (Havel) Regiobus setzt Hybridtechnik ein
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Regiobus setzt Hybridtechnik ein
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17:57 04.10.2018
Wolfgang Blasig, Christian Große, Manuela Saß und Hans-Jürgen Hennig (v.l.) bei der Präsentation der neuen Hybridbusse in Werder.
Wolfgang Blasig, Christian Große, Manuela Saß und Hans-Jürgen Hennig (v.l.) bei der Präsentation der neuen Hybridbusse in Werder. Quelle: Luise Fröhlich
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Werder

Bis zu 2000 Liter Kraftstoff soll ein Hybrid-Bus im Vergleich zum einfach motorisierten Modell jährlich einsparen. Dafür sorgt ein 156 Kilogramm schwerer Elektroantrieb, der den Motor vor allem beim Anfahren und in hohen Drehzahlbereichen unterstützt. Auf der Linie 631 zwischen Potsdam und Werder pendeln die drei neuen Fahrzeuge des Verkehrsbetriebs Regiobus bereits. Am Donnerstag sind sie auf dem Marktplatz in Werder präsentiert worden. Äußerlich unterscheiden sie sich kaum von den anderen Powerbussen, wäre da nicht die Aufschrift auf der Heckscheibe: „Wer bremst gewinnt.“ Darin liegt das Prinzip der 48-Volt-Hybridtechnik, wie Regiobus-Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennig erklärte.

Der Elektromotor arbeitet als Generator während der Bus beispielsweise vor einer Haltestelle abbremst und wandelt die Bremsenergie in Strom um. Dieser wird in einer Bordbatterie gespeichert und kann beim nächsten Anfahren abgerufen werden. Über das Hybridmodul treibt der Strom den Bus dann zusätzlich zum Dieselmotor an. Die Leistung des E-Motors liegt bei maximal 14 Kilowatt. „Ein Bremsvorgang von 50 Stundenkilometer bis zum Stand reicht aus, um den Stromspeicher komplett aufzuladen“, sagte Hans-Jürgen Hennig. Je öfter der Bus bremsen muss, um so häufiger kann das Modul zum Einsatz kommen. Deshalb bewähre es sich gerade auf Stadtstrecken wie von Potsdam nach Werder.

Fahrgefühl ist kaum anders

Regiobus ist mit dieser innovativen Hybrid-Technik in ihren Citaro-Modellen Vorreiter in Ostdeutschland. Bundesweit zählt das Unternehmen zu den ersten fünf Verkehrsbetrieben, die diese im Linienverkehr nutzen. Das Modul kostet allein etwa 8000 Euro. Für einen Gelenkbus inklusive Modul liegen die Kosten bei 360 000 Euro. Bereits nach vier Jahren soll sich die Anschaffung der Technologie amortisiert haben. Mit verlässlichen Vergleichsangaben zu den normal motorisierten Bussen auf der Strecke rechnet Hans-Jürgen Hennig in etwa drei Monaten. Die Rückmeldungen der Busfahrer seien bisher positiv ausgefallen, berichtet er.

Detlef Schramm, Betriebshofleiter am Standort Werder (Havel), kann das bestätigen: „Im Prinzip gibt es beim Fahren keinen großen Unterschied. Man merkt aber beim Anfahren ganz leicht, dass etwas Leistung dazu kommt.“ Die Busse auf der Linie 631 legen am Tag etwa 400 Kilometer zurück und halten dabei mehr als 500 Mal an. Reine Elektromobilität sei angesichts der fehlenden Infrastruktur und der geringen Reichweite von etwa 160 Kilometer noch nicht denkbar – und mit diesen Bussen auch nicht umsetzbar. „Sie können nicht rein elektrisch fahren“, so Hans-Jürgen Hennig. In Summe sollen die neuen Fahrzeuge 8,5 Prozent Kraftstoff einsparen. Bis zu zwei Prozent davon gehen auf das Konto der elektrischen Lenkung, die in den Modellen ebenfalls neu verbaut ist.

Für den Geschäftsführer sind das folgerichtige Schritte zur weiteren ökologischen Ausrichtung des öffentlichen Personennahverkehrs. „Wir halten diese Entwicklung für einen guten Kompromiss zwischen Ökonomie und Ökologie“, sagte er. Landrat Wolfgang Blasig (SPD) zufolge sparen die neuen Busse nicht nur Kosten, sondern tragen auch ihren Teil dazu bei, dass die Luft in der Landeshauptstadt Potsdam weniger schadstoffbelastet ist.

Kreis soll Kosten übernehmen

Für die Kommunen des Kreises hatte Wolfgang Blasig indes noch eine gute Nachricht zu verkünden: In der Kreistagssitzung zum Haushalt im Dezember will er vorschlagen, dass der Kreis künftig die Kosten für das Powerbus- und das PlusBus-Konzept sowie für das TKS-Netz komplett übernimmt. Bislang beteiligt sich die Stadt Werder am Powerbus-Konzept beispielsweise jährlich mit 180 000 Euro, der Kreis mit 400 000 Euro und die Gemeinde Schwielowsee mit 4000 Euro.

Regiobus stellt den neuen Hybridbus vor. Quelle: Luise Fröhlich

Platz ist in den Hybrid-Bussen trotz zusätzlicher Technik übrigens genau so viel: Drei Kinderwagen oder zwei Rollstühle passen in den Freiraum des ersten Abteils. Vier Türen sorgen dafür, dass die Fahrgäste schnell ein- und aussteigen können und der Fahrer hat eine eigene Klimaanlage. Der Hybridantrieb wiegt mit seinen 156 Kilogramm weniger als die meisten.

Von Luise Fröhlich