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Werder (Havel) Schwere Entscheidung: Liane Schulz schließt das Café Hagemeister in Werder
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Schwere Entscheidung: Liane Schulz schließt das Café Hagemeister in Werder
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20:01 08.07.2019
Das Café Hagemeister in Werder (Havel) schließt im Oktober 2019. Inhaberin Liane Schulz (r.) und Tochter Julia Schulz (l.) Quelle: Gabriele Spiller
Werder

Ein Aushängeschild der Insel, das beliebte Café Hagemeister, schließt mit Ende September. Verschiedene Entwicklungen haben Inhaberin Liane Schulz veranlasst, diesen Schritt schweren Herzens zu vollziehen.

Das Café Hagemeister in Werder (Havel). Quelle: Gabriele Spiller

Die Reaktionen waren einhellig, als das Café Hagemeister am Freitag über Facebook sein Ende bekannt gab. „So schade“, heißt es in quasi jedem der rund 60 Kommentare und 100 Shares. Betreiberin Liane Schulz macht aber auch kein Geheimnis daraus, dass es mehr Resonanz aus Werder gebraucht hätte, um zu überleben: „Am Wochenende hatten wir allein bis zu hundert Frühstücksgäste, aber unter der Woche war die Auslastung gering.“ Sie hätte bei der Eröffnung vor knapp vier Jahren mit mehr Besuchern zum Mittagessen gerechnet, schließlich gebe es im Ort auch Bürogemeinschaften und andere Betriebe. Das Lokal hat 70 Sitzplätze.

Küche und Ambiente hoch gelobt

Mit Anfang 50 wollte sich Liane Schulz damals, gemeinsam mit ihrer Tochter Julia, einen Traum verwirklichen. Eine qualitativ hochstehende Küche mit frischen regionalen Erzeugnissen war für sie selbstverständlich. In die ausschließlich hausgebackenen Kuchen kommen Bio-Eier, die eigenen Gurken und Tomaten stehen auf dem Buffet.

Was Familienangehörige in ihren Gärten gerade an Obst und Gemüse ernteten, wurde zu Gebäck und Suppen verarbeitet. Das brachte dem Café eine Empfehlung im Fachmagazin „Der Feinschmecker“ ein; die Tourismusplattform Tripadvisor führt es auf Platz 1 von 58 Restaurants in und um Werder. Immer wieder bewundert und betont wurde auch das ausgesuchte Ambiente. Nicht nur das namensgebende Ölgemälde des Werderaner Malers Karl Hagemeister (1848-1933) zog die Leute an, auch die handverlesene Einrichtung zwischen Havel-Vintage und britischer Clubatmosphäre begeisterte sie.

Der idyllische Café-Innenhof. Quelle: Gabriele Spiller

Aus dem verfallenen Haus mit Backsteinremise im Hof machte die von dort stammende Familie in aufwendiger Sanierung ein Schmuckstück. Zu Hilfe kamen dabei auch die Baukenntnisse von Ehemann Torsten Schulz, Geschäftsführer des Ingenieurbüros PST.

Branche gilt als nicht attraktiv

„Ich hab‘ mein Bestes gegeben“, sagt seine Frau, „täglich bis zu 30 Kuchen gebacken und zwölf Salate selbst gemacht“. Das Café Hagemeister wurde so auch ein Opfer seines Erfolgs, weil die Personalsituation mit der hohen, aber punktuellen Nachfrage nicht mithalten konnte. Waren zunächst nur Mutter und Tochter gestartet, konnten sie bald weitere Mitarbeiterinnen fest einstellen. Doch die Gastronomie sei bei vergleichsweise niedrigen Tariflöhnen kein beliebtes Metier. „Niemand lernt mehr den Beruf und will am Wochenende arbeiten“, sagt Liane Schulz. Sie habe viel über die Branche nachgedacht, denn auch andere Werderaner Traditionsbetriebe haben in den vergangenen Jahren aufgegeben. „Mit meinen hohen Ansprüchen an das Konzept war ich vielleicht am falschen Platz, in einer größeren Stadt hätte es besser funktionieren können“, sagt Liane Schulz.

Für selbst gemachten Kurchen ist das Café Hagemeister bekannt. Quelle: Gabriele Spiller

„In diesem Jahr spitzte sich dann die Personalsituation zu“, berichtet sie – nicht nur mit Blick auf die hochschwangere Julia. Es folgen Anekdoten von Bewerbern, mit denen Probetage abgemacht wurden, die sie nie antraten – und kein Ersatz zur Hand war. Viel Zeit hätte sie auch in Arbeitssuchende investiert, welche die Arbeitsagentur schickte und die von Anfang erklärten, dass sie gar nicht arbeiten wollten. Bis heute ist beispielsweise die Stelle als Spüler in der Küche unbesetzt. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, resümiert die Inhaberin in die Situation.

Blick zurück ohne Bitternis

Sie habe die Entscheidung schon jetzt verkündet, um bestehenden Verpflichtungen, zum Beispiel ausgestellten Gutscheinen, noch nachzukommen. Neue Arrangements wie Hochzeits- oder dann Weihnachtsfeiern könne man nicht mehr eingehen. Der dazugehörige Laden mit regionalen Spezialitäten und Geschenken ist schon jetzt im Ausverkaufsmodus: Auf Dekorationsartikel gibt es 20 Prozent Rabatt. Bleiben die vier Ferienwohnungen in der Baderstraße, die weitergeführt werden und gut ausgelastet seien.

Für das Café Hagemeister, mit dem sie emotional verhaftet ist, stellt sie sich eher einen Verkauf als eine Verpachtung vor. Sie hofft, das Unternehmen bis Ende Jahr abzuwickeln und dann wieder Zeit für sich und vor allem für das sehnlich erwartete Enkelkind zu finden. „Ich bin trotzdem froh, dass ich es gemacht habe“, sagt sie. Es sei eine Erfahrung, die sie nicht missen möchte, denn sie habe Spaß an der Sache gehabt und konnte kreativ sein. „Ich will nicht später auf einer Bank sitzen und bereuen, dass ich meinen Traum nicht realisiert habe.“

Von Gabriele Spiller

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