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Werder (Havel) So wollen Bürger in Wildpark-West weitere Bebauung verhindern
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19:06 11.02.2020
In dem Waldstück bei Wildpark-West, dass die Gemeinde bebauen will, sind ehemalige Alleen mit alten Eichen zu erkennen. Quelle: foto: Annika Jensen
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Wildpark-West

Carsten Sicora steht in einem Wald. Nördlich der Grenze von Wildpark-West. Der Wind ist stark an diesem Tag. Am Himmel ist nur eine bedrückende gigantische graue Wand zu sehen. „Hier sieht man noch die Fundamente des alten Ferienlagers“, sagt er und zeigt auf Betonreste und Fliesenflächen, die durch die Blätterdecke schimmern. „Wir würden hier sehr gern einen Naturlehrpfad einrichten. Um den Kindern zu zeigen, was hier alles lebt. Zum Beispiel gibt es allein auf diesen 1,4 Hektar 37 Vogelarten.“

Carsten Sicora vom Verein Waldsiedlung Wildpark West in dem Stück Wald in Wildpark-West, das die Gemeinde zu Bauland machen will. Quelle: Annika Jensen

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Wir, das sind der Verein und die Bürgerinitiative Waldsiedlung Wildpark-West. Bevor die sich allerdings darum bemühen kann, einen Naturlehrpfad zu schaffen, muss sie erst einmal überhaupt für den Erhalt des Waldstückes südlich der Bahntrasse kämpfen. Denn die Gemeinde Schwielowsee hat diese Fläche als Bauland ausgewiesen. Auf den 1,4 Hektar stehen rund 1000 kleine und große Bäume, so schätzt Sicora. Die müssten alle abgeholzt werden.

In der Siedlung ist durch den Textbebauungsplan streng geregelt, wo noch gebaut werden darf. Die betroffene Fläche ist allerdings durch den Flächennutzungsplan geregelt, denn sie liegt außerhalb der Waldsiedlung. Und den will die Verwaltung nun ändern lassen. Am 18. Februar plant Bürgermeistern Kerstin Hoppe (CDU) das Verfahren zu eröffnen.

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Carsten Sicora hofft darauf, dass sich die Gemeindevertreter gegen die Bebauung aussprechen. „Der Wildpark-West umgebende Wald ist unverzichtbar, er bildet mit dem Wildpark die grüne Lunge Potsdams“, sagt er. Zudem sei er Lärmschutz gegen den Bahn- und Güterverkehr. „In Zeiten des Klimawandels diese Waldfläche aus wirtschaftlichen Interessen für Investoren zu opfern, halte ich für unverantwortlich.“

Der 52-Jährige, dick in eine beige Jacke eingepackt und mit Wollmütze auf dem Kopf, schaut auf alte, abgestorbene Bäume. „Dieses Totholz ist ganz wichtig für die Ökologie dieses Waldes. Dort nisten zum Beispiel Vögel und Eichhörnchen.“ Auch die Reste der alten Allee, die einst die Waidmannspromenade fortführten, seien sehr wertvoller Baumbestand. „Das sind uralte Eichen. Einer dieser Bäume leistet für die Kohlenstoff-Speicherung so viel wie tausend junge Bäume.“

Umfrage: 94 Prozent sind gegen neue Bebauung

Um die Gemeindevertreter auf ihre Seite zu bringen, hat der Verein zusammen mit der Heimatzeitschrift „Wildpark-West“ eine Umfrage gestartet. Ergebnis: „94 Prozent aller an der Meinungsumfrage teilnehmenden Wildparker haben sich für den Walderhalt und gegen eine Bebauung ausgesprochen“, sagt Sicora. „Das ist die absolute Mehrheit aller Einwohner über 16 Jahren.“

Denn: An der Umfrage haben knapp über 400 Bewohner der Waldsiedlung teilgenommen, die im entsprechenden Alter sind. Insgesamt wohnen etwa 715 Menschen über 16 Jahren in Wildpark-West. „Ich hoffe sehr, dass die Gemeindevertreter sich anhören, was die Bürger wollen und das bei ihrer Entscheidung berücksichtigen.“

In dem Waldstück sind wichtige Todholz-Bestände zu finden. Quelle: Annika Jensen

Das Engagement der Bürgerinitiative für das Waldstück reiht sich ein in zahllose Aktionen für den Baumerhalt in ihrem Ort. Die größte ist ihre Baumpflanzaktion, die sich über 15 Jahre erstreck. Sie nennen sie „Nachpflanzaktion. Rettet die Waldsiedlung 2018–2033“. Rund 500 Bäume haben sie bisher gepflanzt, finanziert durch Vereinsmitglieder und regionale Unternehmen. „In den vergangenen 20 Jahren hat Wildpark-West 40 Prozent seines Baumbestandes verloren, vor allem durch Baumaßnahmen“, sagt Sicora.

Kerstin Hoppe hat indes klargestellt, wie sie zu der Befragung durch die Bürgerinitiative steht: Sie will sie im bald beginnenden Verfahren nicht berücksichtigen. Dabei stützt sie sich darauf, dass das Verfahren gesetzlich geregelt sei und darin „Ergebnisse von Umfragen, gleich, wie sie zustande gekommen sind“, nicht berücksichtigt werden. Vielmehr haben die Bürger in Form von Einwänden und Anregungen die Möglichkeit, sich zu beteiligen. Diese Hinweise würden dann einer gesetzlich geregelten Abwägung unterworfen werden.

Umfragen werden im Verfahren der Gemeinde nicht berücksichtigt

„Im Rahmen dieser Abwägung sind die öffentlichen und privaten Belange gegeneinander und untereinander gerecht abzuwägen“, sagt Kerstin Hoppe. „Ich bitte daher alle Einwohner der Gemeinde Schwielowsee, insbesondere jedoch auch die Einwohner des bewohnten Gemeindeteils Wildpark-West, sich an diesem Verfahren zu beteiligen.“ Carsten Sicora sagt dazu: „Der Gesetzgeber sagt zwar, dass der Bürgerwille berücksichtigt wird, aber eben nicht in Form einer Umfrage.“

Dabei sei erwähnt, dass auch die Gemeinde Schwielowsee im vergangenen Jahr eine Umfrage unter der Bevölkerung durch die Universität Potsdam durchführen ließ. „Auch darin hat sich die Mehrheit der Befragten dagegen ausgesprochen, dass weiter gebaut wird und dass die Landschaften erhalten bleiben“, fasst Carsten Sicora den für ihn relevanten Teil der Befragung zusammen. Diese Umfrage nutze die Gemeindeverwaltung als Leitschnur ihres Handelns.

Umweltministerium: Waldstück erfüllt Funktion eine Erholungswaldes

Der Nabu Brandenburg, Vertreter der Bürgerinitiative und des Vereins haben sich indes mit ihrem Wunsch, das entsprechende Waldstück im Flächennutzungsplan als Schutzwald auszuweisen, an das Landesumweltministerium gewandt und einen entsprechenden Antrag gestellt. „In einem zwischenzeitlichen Prüfvermerk hat das Ministerium festgestellt, dass es sich um Wald im Sinne des Waldgesetzes handelt, der die Funktion eines Erholungswaldes in einem staatlich anerkannten Erholungsort erfüllt“, sagt Carsten Sicora.

Frauke Zelt, Pressesprecherin des Umweltministeriums, sagt dazu: „Um einen Wald als Schutzwald über eine Rechtsverordnung auszuweisen, muss er schutzwürdig und schutzbedürftig sein. Gleichzeitig darf die Schutzwaldausweisung keine bestehende Planung konterkarieren. Es hat dazu ein Gespräch mit den Antragstellern gegeben. Beide Seiten haben sich auf eine weitere Verständigung im Mai 2020 verabredet.“

Initiative will gemeinsam mit Gemeinde Bäume pflanzen

Carsten Sicora hofft, dass ein endgültiges Urteil des Umweltministeriums nicht notwendig sein wird, weil die Gemeinde schon von sich aus beschließt, die Fläche als Wald auszuweisen und von Bebauung absieht. Er steigt über dorniges Buschwerk, schaut in die Bäume. „Wir haben schon gemeinsam mit der Gemeinde Bäume gepflanzt. Das wollen wir hier auch.“

Von Annika Jensen

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