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Werder (Havel) Eine Frau voller Humor und Lebensfreude
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16:11 07.03.2019
Karneval – das war fast vierzig Jahre Uschi Schellhases Welt. Hier trat sie als Tina Turner auf. Quelle: Privat
Glindow

Alle im Ort kennen Tante Uschi. Jeder war schon einmal in ihrem Laden, der nun schon eine geraume Weile die Poststelle ist und von Tochter Katrin Bierey geführt wird. Doch der Schriftzug über der Tür blieb. „Ich hatte mir einen Tante-Emma-Laden gewünscht“, erinnert sich Uschi Schellhase an die frühen 1990er Jahre. Damals hatten ihr Mann Georg und sie mutig einen Kredit aufgenommen, einen Stall abgerissen und das kleine Geschäft gebaut. „Aber wenn Uschi drin ist, kann ja nicht Emma drauf stehen“, erklärt die 72-Jährige lachend.

Tochter Katrin Bierey ist nun Inhaberin und Nachfolgerin in Tante Uschis Laden. Quelle: Edith Mende

„Schickes Porzellan und Kristallgläser, wonach man früher lange suchen musste, waren gefragt, und der Haushaltswaren-Konsum hatte die Wende nicht überlebt.“ Gute Startbedingungen für Tante Uschis Laden. Aber irgendwann hatten alle ihren Bedarf gedeckt. Der Umsatz stockte. Die Händlerin ergänzte ihr Angebot durch eine Lottoannahme. Als später der Schreibwarenladen schloss und das Dorf damit auch die Poststelle verlor, trug man die Uschi Schellhase an. So kompliziert, wie es sich bei den Schulungen zeigte, hatte sie sich „das bisschen Post“ gar nicht vorgestellt.

Für Tochter Katrin hingegen war schon in der Schule klar gewesen, dass sie eine Ausbildung bei der Post machen wollte. „Nun ist sie die ‚Postministerin’ von Glindow“, scherzt die Mutter zufrieden, dass sich alles so gut gefügt hat. Nur am Samstagvormittag steht Uschi Schellhase noch im Laden, damit die Tochter ein freies Wochenende und Zeit für die Söhne hat.

In die Politik gegangen

Eigentlich hatte Uschi Schellhase Lehrerin werden wollen. Ihr Abschlusszeugnis der 10. Klasse war sehr gut. Aber dann war ein Termin zur Bewerbung am Lehrerbildungsinstitut verpasst und auf den letzten Drücker blieb nur eine Lehrstelle bei der HO (Handelsorganisation) zum Handelskaufmann mit Abitur. „Zahlen waren eigentlich nie mein Ding“, erinnert sie sich. Aber mit dem Abitur hätte sie an der Pädagogischen Hochschule studieren können. Hätte, aber da waren ihre Lebenspläne schon andere. Denn als sie Silvester 1965 mit ihren Eltern auf der Friedrichshöhe in Werder feierte, lernte sie einen gewissen Georg Schellhase kennen, Maler aus Glindow. Zwei Jahre später heirateten die beiden. Als dann 1970 Heiko und 1972 Katrin geboren wurden, „war ich Abiturientin beim Windelnwaschen.“

Sie sagt das heute ohne Bitternis. Den Traum vom Lehrerstudium hatte sie aufgegeben. Aber ihren Mann drängte sie, seine Meisterausbildung abzuschließen. Ab 1977 führte er den Malerbetrieb seines Vaters weiter. Die junge Mutter arbeitete eine Weile im evangelischen Kindergarten, im Hort und auch im Schreib- und Spielwarenladen. Anfang der 1990er Jahre wurde Uschi Schellhase nicht nur Geschäftsfrau, sondern für zwei Legislaturperioden auch Gemeindevertreterin.

Tante Uschis Laden in den frühen 1990er Jahren kurz nach der Eröffnung. Quelle: privat

Mit der Eingemeindung zu Werder sei Glindow kaum noch Eigenständigkeit geblieben, kritisiert sie. Deshalb wollte sie nicht noch einmal kandidieren. Immerhin hätten sie damals den Spielplatz auf dem früheren Thälmannplatz hinbekommen. Als es darum ging, in diesem Bereich der Dorfstraße Tempo 30 zu installieren, sah die Stadt keine Notwendigkeit. Da machte die Gemeindevertreterin Schellhase mobil, lud zum Lokaltermin mit Bürgern, Presse und Fernsehen. Kurz zuvor lenkte Werder ein, erinnert sie sich. Heute freue sie sich, wie gut der Spielplatz genutzt wird, sagt Uschi Schellhase. Und wenn abends Jugendliche dort sitzen, geht sie auch mal vorbei, um mit ihnen zu reden. „Dass die dort mal ein Bier trinken oder eine Zigarette rauchen, übersehe ich. Wo sollen sie sich treffen? Für sie gibt es ja nichts. Aber Kippen oder gar Glasscherben dürfen sie wegen der kleinen Kinder nicht hinterlassen. Eigentlich sind die Jungs ganz vernünftig.“

Karnevalsgen vererbt

Fast 40 Jahre lang war Uschi Schellhase ein wesentlicher Teil des Glindower Karnevals. Dabei kamen sie und ihr Mann eher per Zufall zum Carnevalclub Glindow. Als sie an ihrem 10. Hochzeitstag im Deutschen Haus ein Gläschen trinken wollten, tagte nebenan im Saal der Carnevalclub. Irgendwann wurden die Schellhases hereingewinkt mit der Bemerkung: „Ihr habt doch auch Humor.“ An diesem Abend packte das Virus sie. Wenn in den Folgejahren die närrische Zeit begann, hingen im Hause Schellhase in jedem Zimmer die Kostüme der kompletten Familie, und Mutter Uschi schrieb an ihren Büttenreden.

Das Karnevalsgen hat sich offenbar auch an die übernächste Generation vererbt. Ein Foto von Enkelin Sophia, als die noch achtjähriges Tanzmariechen war, hat die stolze Oma in ihrem Handy gespeichert. Heute sei Sophia 20 und tanze in der Prinzengarde, erzählt sie und zeigt das Bild einer hübschen Blondine. „Groß und schlank wie die Großmutter!“ Die kleine rundliche Frau lacht verschmitzt und dann aus voller Brust. Mit der Gabe, Menschen humorvoll zu unterhalten, ist sie zwar nicht mehr alljährlich in der Bütt, aber auf Familienfesten ein gern gesehener Gast.

„Ich liebe das Leben”, gesteht die inzwischen 72-Jährige und strahlt. Mit ihrem ansteckenden Optimismus überstand sie auch schwierige und schmerzhafte Situationen. Zuletzt, als 2015 ihr Mann Georg starb. In den fünf Jahren zuvor hatte er die intensive Fürsorge seiner Frau benötigt, denn er war erblindet. Heute versucht sie Toni und Eddy, die 18- und 16-jährigen Enkel, die nahezu täglich bei der Oma vorbeischauen, sanft auf deren Lebensweg zu unterstützen.

„Glindower Gesichter“ im Porträt

Als Glindow 2017 sein Ortsjubiläum feierte, 700 Jahre nach der Ersterwähnung in einem Dokument, wurde im Heimatverein die Idee geboren, Lebensgeschichten älterer Einwohner aufzuschreiben und so für kommende Generationen festzuhalten.

Zuletzt wurdenErna und Hans-Georg Talke, Klaus-Peter Protz und das Ehepaar Dröse vorgestellt. Die Porträtreihe „Glindower Gesichter“ wird weiter fortgeführt.

Von Edith Mende

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