Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Werder (Havel) Theater Comédie Soleil feiert 10-jähriges Bestehen
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Theater Comédie Soleil feiert 10-jähriges Bestehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:20 05.09.2019
Karoline Hugler und Julian Tyrasa sind die künstlerischen Leiter der Comédie Soleil in Werder. Quelle: Annika Jensen
Werder

Ein altes Kaufhaus und viele kreative Menschen. Diese Kombination verhilft den Werderanern seit zehn Jahren zu Kultur auf hohem Niveau. Im Sommer 2009 zog es zwei Potsdamer mit ihrem Theater Comédie Soleil in die Eisenbahnstraße 210. Wo einst die Bürger der Stadt Kleidung und Haushaltswaren kaufen konnten, schufen Nadja Winter und Michael Klemm einen Ort für experimentierfreudige professionelle Theater-Menschen.

Seitdem bekamen die Werderaner Klassiker, Experimentelles und Familienstücke zu sehen. Und schnell gewannen sie ihr Theater lieb. 2013 übernahmen die Schauspielerin Karoline Hugler und der Autor und Regisseur Julian Tyrasa die künstlerische Leitung des Comédie Soleil. Hugler inszeniert mittlerweile auch mit den zwölf Schauspielern.

„Ich will Menschen mit unserem Theater berühren und bewegen und zum Nachdenken anregen“, sagt Karoline Hugler. „Das Schöne ist, dass viel Resonanz vom Publikum in dieser Richtung zurückkommt.“ Sie habe Spaß an ihrer Arbeit in Werder, weil sie merke, „dass die Zuschauer mitgehen. Und das motiviert mich jedes Mal, mich sofort ans nächste Stück zu setzen.“ Julian Tyrasa hat ähnliche Gründe, warum er so für die Comédie Soleil brennt und ergänzt: „Für mich ist es faszinierend, beim Schreiben und Inszenieren eine andere Perspektive auf den Alltag zu bekommen und diese dann dem Publikum zu vermitteln.“

Hugler und Tyrasa konzentrieren sich mit der Comédie Soleil vor allem auf gesellschaftskritische Stücke. So haben sie den Roman „1984“ vom englischen Schriftsteller George Orwell auf die Bühne gebracht. Eine Geschichte, die in Zeiten freiwilliger Preisgabe persönlicher Daten über soziale Medien und der dadurch möglichen Überwachung, erschreckend aktuell ist. Und auch das Stück „Sacco und Vanzetti“ passt in unsere Zeit, obwohl dessen Handlung in den USA der 1920er Jahre spielt: Zwei Anarchisten werden zu Unrecht zum Tode verurteilt. „Das Stück klagt das politische System der USA an“, sagt Karoline Hugler. „Während wir es gespielt haben, fand die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten statt und viele Zuschauer haben da erschreckende Parallelen erkannt“, ergänzt Julian Tyrasa. Die Machthaber wollen Menschen gegensätzlicher Meinungen unterdrücken. „So, wie es Trump ja auch am liebsten tun würde“, so Tyrasa.

Das Werderaner Publikum sei ein dankbares Publikum, sagen die beiden. „Es wächst stetig“, sagt Karoline Hugler. „Und die Menschen sind sehr offen gegenüber schwierigen Stücken.“ Sie haben mittlerweile ein richtiges Stammpublikum, von dem ein Mann sogar schon seinen Geburtstag in dem Theater gefeiert hat. „Man kann uns buchen, das geht“, sagt Tyrasa. Das Geburtstagskind und seine Gäste haben den Publikumsraum und die Aufführung für sich allein. Und auch Potsdamer und Berliner kommen regelmäßig extra nach Werder, um ein Stück der Comédie Soleil zu sehen. Und selbst Touristen zieht es hin und wieder in das alte Kaufhaus. „Wir hatten letztens eine Reisegruppe aus dem Erzgebirge da“, sagt Hugler.

Das Programm der Comédie Soleil

Wegen der hohen Nachfrage spielt das Ensemble im September noch zwei Mal „Fontane auf See“. Ein Stück, das ursprünglich auf einem Schiff aufgeführt wurde: Am Sonnabend, 14. September, um 19.30 und am Sonntag darauf, zum letzten Mal, um 17 Uhr.

Ende September hat das Stück „Die Unbekannten Dinge der Nacht“ Uraufführung. Zwei Einakter nach unheimlichen Geschichten. Termine: Sonnabend, 28.9., Sonntag, 29.9., Sonnabend, 5.10, Sonntag, 6.10. Am Sonnabend beginnt das Stück um 19.30 Uhr und am Sonntag um 17 Uhr.

Im Oktober feiert außerdem „Tod eines Handlungsreisenden“ Premiere. Termine: Freitag, 18.10., 19.30 Uhr, Sonntag, 20.10., 17 Uhr, Sonnabend, 26.10., 19.30 Uhr und Sonntag, 27.10., um 17 Uhr.

Der Eintritt kostet 18 Euro, für Rentner zwölf Euro und für Kinder, Jugendliche und Auszubildende acht Euro.

„Die Menschen sind einfach froh, ein Theater in der Stadt zu haben“, sagt Hugler. Aus diesem Grund, so glauben sie und Tyrasa, ist die Finanzierung des Theaters durch die Stadt auch kein großes Problem in den Haushaltsverhandlungen. 30 000 Euro gibt die Stadt dem Theater jährlich. Bevor sie die Leitung übernahmen, war die Finanzierung recht unsicher.

„Als wir anfingen“, erzählt Julian Tyrasa, „sind wir zur Stadt gegangen und haben gesagt, dass wir das Theater retten wollen. Aber die Minimalbasis, die wir von der Stadt brauchen, hatten wir damals mitgeteilt, sind die Miete und die Betriebskosten des Hauses.“ Um die Stücke produzieren zu können, bekommen sie außerdem Geld vom Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, aus dem Europäischen Sozialfonds und vom Landkreis Potsdam-Mittelmark. Allein vom Landesministerium bekommen sie im Jahr 25 000 Euro. „Das ist aber Projektgebunden“, sagt Karoline Hugler. „Davon produzieren wir ein Stück.“ Tyrasa ergänzt: „Durch diese hohe Summe sind wir in der Lage, einmal im Jahr ein größeres und aufwendigeres Stück zu produzieren.“ Das ist dieses Mal „Tod eines Handlungsreisenden“ vom amerikanischen Autor Arthur Miller. Im Oktober hat er Premiere.

Große Unterstützung erfährt das Theater zudem durch den Verein „Theaterfreunde Comédie Soleil“. Die Mitglieder kümmern sich vor allem um die Gastronomie an den Theater-Abenden, ehrenamtlich. „Ohne sie wäre das alles hier kaum möglich“, sagt Karoline Hugler.

Natürlich ist zum zehnten Jubiläum auch eine Feier geplant. Heute sind alle Interessierten eingeladen, ab 16 Uhr zum Tag der offenen Tür zu kommen. Der Eintritt ist frei.

Das Ensemble wird Auszüge aus drei aktuell laufenden Stücken spielen und um 19 Uhr wird ein Überraschungskonzert gegeben, zu dem Hugler und Tyrasa aber freilich nichts weiter verraten wollen – sonst wäre es ja keine Überraschung.

Von Annika Jensen

Am 8. Februar 2019 fallen Schüsse in Werder/Havel. Thomas E. erschießt seinen Nachbarn mit einer Schrotflinte und flüchtet dann. Vor dem Landgericht Potsdam erzählen zwei Polizisten jetzt, wie sie den Abend erlebt haben. Es sind die beiden Polizisten, die Thomas E. am Ende festnehmen.

04.09.2019

Schon im August begann bei Klaus Wolenski die Lese. Hitze und Trockenheit sorgen für ideale Bedingungen. Wie in jedem Jahr tun sich auch die Waschbären an seinem Wein gütlich. Mit skurrilen Folgen.

04.09.2019

Das Theater Comédie Soleil in Werder lädt anlässlich seines 10-jährigen Bestehens zum Tag der offenen Tür, am Freitag, 6. September, ab 16 Uhr.

04.09.2019