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Werder (Havel) Fußgänger- und Radfahrertunnel soll acht Millionen Euro kosten
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Fußgänger- und Radfahrertunnel soll acht Millionen Euro kosten
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18:38 15.11.2018
Anstehen am Bahnübergang in Werder (Havel).  Quelle: Stadt Werder (Havel)
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Werder

Ein Jahr lang stand die Planung des Tunnels am Bahnübergang in Werder still. Wie Frank Schmidt, Dezernatsleiter Planung beim Landesbetrieb Straßenwesen, am Mittwochabend dem Bauausschuss erklärte, sei es nicht gelungen, eine einvernehmliche Lösung mit der DB Station & Service AG für den neuen Rad- und Fußgängertunnel zu finden. Deshalb entsteht die Unterführung, die etwa am Ende des Bahnsteigs geplant ist, ohne Zutun der Bahn. Wie berichtet, beteiligt sich die Stadt Werder an der Finanzierung und wird den barrierefreien Tunnel später unterhalten. „Der fehlende Anteil der Bahn kann durch eine Förderung des Landes ausgeglichen werden“, erklärte Werders 1. Beigeordnete, Christian Große. Die Stadt kümmert sich als Eigentümerin dann beispielsweise um die Beseitigung von Schäden. Insgesamt soll der neue Fußgänger- und Radfahrertunnel etwa acht Millionen Euro kosten. Mit ihm wird die gesamte Baumaßnahme beginnen.

Die bis jetzt aufgelaufenen Verzögerungen stießen bei den Bauausschussmitgliedern auf Verwunderung und Unverständnis. „Was ist denn die letzten 23 Jahre passiert? Jeden Tag verlieren Menschen an den Schranken viel Lebenszeit. Mir scheint, als hätte das Land erst spät die Notwendigkeit dieses Tunnels erkannt“, sagte Peter Kreilinger (CDU). Frank Schmidt erklärte, dass die Planungen in einem frühen Stadium abgebrochen werden mussten, weil im Haushalt des Landes kein Geld für diese Maßnahme mehr vorhanden war. 2013 erstellten die Planer einen groben Entwurf, der im Laufe angepasst werden musste, weil Probleme mit dem Erwerb von Flächen auftraten. „Wir sollten zusehen, dass die nächsten Schritte so schnell wie möglich umgesetzt werden“, sagte Peter Kreilinger. Er schlug deshalb vor, ein jährliches Treffen mit dem Landesbetrieb im Bauausschuss zu organisieren. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, will die Stadt früh aktiv auf die direkt von den Bauarbeiten betroffenen Anwohner zugehen, um das Beschwerdepotenzial zu vermindern, erklärte Christian Große. Im jetzt folgenden Planfeststellungsverfahren können Betroffene, Behörden und Verbände Stellung zu den Tunnel-Plänen nehmen. Je nach Menge und Inhalt der Einwände kann ein solches Verfahren ein bis vier Jahre dauern, schätzte Frank Schmidt.

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Bahn braucht drei Jahre Vorlaufzeit für die Sperrung

Insgesamt sollen die Bauarbeiten fünf Jahre dauern. Zwei Jahre fallen auf den Fußgänger- und Radfahrertunnel, der dem am Bahnhof in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) ähneln soll, und die restlichen drei Jahre auf den Straßentunnel. „Den müssen wir unter Vollsperrung bauen, wobei zwei Bahngleise immer in Betrieb bleiben müssen“, schilderte Frank Schmidt. Umgeleitet werden Auto- und Lkw-Fahrer über Kemnitz. Bis dahin muss aber auch noch die Autobahnbrücke erneuert werden, so der Dezernatsleiter.

Auf Nachfrage von Klaus Vehlow (Die Linke) erklärte er, dass die Bahn den bestehenden Tunnel für Fußgänger und Radfahrer nach Fertigstellung des neuen zuschütten wird. Während die Planentwürfe für den Straßentunnel weit vorangeschritten sind und im ersten Quartal 2019 fertig vorliegen sollten, will sich Frank Schmidt hinsichtlich des zweiten Tunnels nicht auf einen Zeitplan festlegen. „Die Bahn braucht für die Sperrung eine Vorlaufzeit von drei Jahren“, sagte er. Auch das müsse vor Baubeginn beachtet werden. Erst wenn die Fußgänger und Radfahrer sicher durch die neue Unterführung kommen, kann der Straßentunnel gebaut werden – andernfalls genehmigt die Verkehrsbehörde die Baumaßnahme nicht. Derzeit erarbeitet eine Fachfirma ein Baugrundgutachten, danach soll ein Papier für den Lärmschutz folgen. Ob der Tunnel letztlich, wie einst geplant, 2025 fertig gestellt werden kann, ist fraglich. Einen neuen Termin wollte Frank Schmidt noch nicht nennen.

Von Luise Fröhlich