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Werder (Havel) Vorfreude auf die Therme
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Vorfreude auf die Therme
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21:28 24.09.2018
Oda Schielicke und Elke Böhmer sind mit ihrer Galerie und der Boutique seit drei Jahren an der Hafenpromenade. Quelle: Luise Fröhlich
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Werder

Für die längste Zeit hat die Therme in den Havelauen ihr verwaistes Dasein gefristet. Seit die Verträge mit dem neuen Partner Schauer und Co. unterschrieben sind, herrscht geschäftiges Treiben auf der Baustelle. Autos parken hinter den Bauzäunen, die Tür ins Innere des halb fertigen Bades ist geöffnet. Es geht voran, zwar noch nicht sichtbar, aber im Hintergrund zieht Leben ein. Im Frühjahr 2019 soll am Großen Zernsee wieder gebaut werden. Für eine Hand voll Unternehmer in der Nachbarschaft kann das gar nicht schnell genug gehen. Sie warten teilweise seit mehr als drei Jahren darauf, dass die Therme ihre Tore öffnet und sich die Hafenpromenade damit endlich zu der Flaniermeile entwickelt, die sie sich von dem Standort erhofft haben. Gespannt haben sie das Pro und Contra der zurückliegenden Wochen und Monate verfolgt und mitgebangt. Anders als die Widersacher haben sie Vertrauen und Hoffnung in den neuen Partner, der die Therme endlich fertig bauen soll.

Elke Böhmer hat ihre Boutique „GaheJuwéle“ im Juni 2015 als eine der ersten Unternehmer an der Hafenpromenade eröffnet. „Ich weiß nicht, ob ich das ohne die Option Therme gemacht hätte“, sagt sie. Ähnlich sei es vielen Neu-Werderanern gegangen, die bewusst in die Havelauen gezogen sind. Bald stehen ihr und der Boutique der vierte Winter ohne Therme nebenan bevor. „Im Sommer ist das hier ein schönes Fleckchen, für das man kaum Werbung machen muss. Den Winter zu überstehen, ist hingegen schon heftig“, gibt Elke Böhmer zu. In den kalten Monaten veränderte die Unternehmerin die Öffnungszeiten und ließ sich Events wie den Freundinnen-Abend einfallen.

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Einwände wenig fundiert

Mit Lesungen und Ausstellungen versuchte Künstlerin Oda Schielicke mehr Besucher in ihre Galerie zu locken. Sie startete im Dezember 2015 an der Promenade der Marina und ist sich sicher, dass die Eröffnung der Therme die Geschäfte beleben wird. „Ich sehe es als Gesamtkonzept, das eben erst mit der Therme richtig aufgeht“, sagt sie. Dass es so viele Gegenstimmen gibt, kann Oda Schielicke nicht verstehen. Der neue Investor Andreas Schauer habe sie mit seinem Konzept überzeugt. „Es muss ein besonderes Bad sein, das nicht nur die Werderaner anzieht, sondern eben auch die Leute von außen“, erklärt sie. Die Einwände der Kritiker halten die beiden Frauen für wenig fundiert und die vorgeschlagenen Alternativpläne für nicht realisierbar. „Die Stimmen, die dagegen sind, sind immer so laut und die, die dafür sind, so leise“, sagt Elke Böhmer. Deshalb hatten sie sogar überlegt, eine Initiative „Pro Therme“ zu gründen.

Für 28,3 Millionen Euro will Investor Andreas Schauer die Therme mit erweitertem Angebot zu Ende bauen. Quelle: Luise Fröhlich

Eine weitere Unterstützerin hätten sie dabei in Katrin Knape gefunden, die ihren Laden „Katrins Frisuren mit Herz“ an der Promenade gemeinsam mit ihrem Mann Axel ebenfalls seit drei Jahren betreibt. Die anerkannte Friseurmeisterin zählt hauptsächlich Kunden aus den Havelauen, aber auch viele Berliner oder Zugreisende. „Natürlich verspreche ich mir mehr Kunden durch die Therme, aber ich sehe es für die Stadt Werder auch einfach als Quantensprung“, sagt sie. Das Projekt schaffe mehrere hundert Arbeitsplätze und mache Werder gerade für Kurzurlauber noch attraktiver. In Hinblick auf die Bootsmesse, die vor knapp zwei Wochen an der Marina gastierte, könnte sich Katrin Knape vorstellen, dass die Blütenstadt ein zweites Warnemünde – ein „Werdermünde“ werden könnte. Auf der anderen Seite würde die Therme den Werderanern auch medizinisch viel bieten.

Die dreitägige Bootsmesse hat auch Oda Schielicke und Elke Böhmer gezeigt, wie es vor ihren Türen einmal aussehen könnte. „Das Interesse war sehr groß. Ich hatte viele Kunden aus dem Umland, aber auch aus Berlin und den alten Bundesländern“, berichtet Elke Böhmer. Oda Schielicke widmete dem Thema, inspiriert vom maritimen Flair, einige neue Gemälde. „Ich fand es enorm, was hier los war“, erinnert sie sich. Die Veranstalter der Messe zogen ebenfalls ein positives Fazit: „Die Premiere der Boot & Fun Inwater in der Marina Havelauen in Werder war ein Riesenerfolg“, teilten sie im Anschluss mit. 2019 wird es eine Wiederholung geben.

„Ein Glücksgriff“

Zu den ersten Unternehmen an der Hafenpromenade zählte auch das italienische Restaurant „La Riva“. Geschäftsführer Aldo freute sich riesig darüber, dass es mit dem Bau der Therme weitergehen soll, wie er erzählt. „Würde es nur den Sommer geben, hätten wir keine Probleme, aber die Winter waren schon schwierig“, verrät er. Mit besonderen Angeboten wie dem Sonntagsbrunch, Livemusik-Events oder dem Pizza- und Pasta-Satt-Essen überstand er die ersten drei Winter. „Den Rest schaffen wir jetzt auch noch“, sagt er. Aufgeben musste indes Grit Dornbusch, die im Juli 2016 ein Eiscafé zwischen der Galerie und der Boutique eröffnet hatte (MAZ berichtete). Der Laden steht derzeit noch leer, soll aber vom Hafenmeister bezogen werden.

Für die verbliebenen Unternehmerinnen an der Promenade steht fest: „Die Firma Schauer und Co. ist ein Glücksgriff für die Stadt.“ Sie schauen nach vorn. Indem das Bad ausgebaut wird, könnten Familien mit Kindern profitieren, sowie Vereine, aber auch ältere Menschen, die ihren Lebensabend in Werder verbringen wollen, sagen sie.

Vergangenheit wird von zwei Seiten beleuchtet

Nach mehrheitlichem Beschluss der Stadtverordneten soll nun ein externes Büro die Umsetzung des früheren Vertrages zum Bau der Blütentherme mit der Kristall Bäder AG aufarbeiten und prüfen.

Zusätzlich untersucht das Rechnungsprüfungsamt der Stadt, ob Zahlungen an den damaligen Projektpartner vertragskonforme Zahlungsereignisse zugrunde gelegen haben.

In ihrer jüngsten Sitzung haben die Stadtverordneten kontrovers darüber diskutiert, ob die Prüfung nur durch das Rechnungsprüfungsamt oder nur durch ein externes Büro erfolgen soll. Ein Zwischenbericht soll Mitte 2019 vorgelegt werden.

Von Luise Fröhlich