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Werder (Havel) Samenstation in Werder: Da kommen die kleinen Fohlen her
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Samenstation in Werder: Da kommen die kleinen Fohlen her
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00:32 30.06.2019
Die große Fohlenwiese auf dem Gestüt Bonhomme. Quelle: Gabriele Spiller
Werder

Die würfelförmigen Päckchen stapeln sich die Wand hoch. Am nächsten Morgen werden sie schon in Portugal oder Ungarn sein, der Übernacht-Kurier holt sie bald ab. „Es ist sehr schwer, ein Deckhengst zu werden“, sagt Saskia Conredel vom Gestüt Bonhomme in Werder. Die Päckchen enthalten Frischsperma der erfolgreichsten Hengste des Gestüts.

Diese Päckchen enthalten Frischsperma. Quelle: Gabriele Spiller

Sie waren am Vormittag schon fleißig an der Phantomstute zugange. Mehr als 20 Portionen stellt der Leiter Deckstation, Besamungswart und intern auch „King of Sperms“ genannt, mithilfe von Verdünner für den weltweiten Versand her. Das Gestüt Bonhomme, 1987 von Evelyn Gutman bei Osnabrück gegründet und seit 2006 am Fuchsberg domiziliert, gehöre zu den Top 5 Zuchtbetrieben in Europa, erklärt Saskia Conredel. Und man wolle weiter aufsteigen. Dafür müsse man Pferde entdecken, die nicht zu kurz und nicht zu lang seien, ein proportioniertes Exterieur hätten und überzeugend springen oder laufen. Das ist die Antwort für Laien, denn der professionelle Ablauf auf dem Gestüt gestaltet sich etwas komplexer.

Geschäftsmodell Zuchthengste

In der Hengststation liege das Geschäftsmodell, so die Marketingverantwortliche und passionierte Reiterin. Zum einen bringen Züchter ihre fruchtbaren Stuten zum Hof, wo sie in Gäste-Paddocks (Koppeln) den richtigen Moment warten. Zum anderen wird das Versandangebot immer weiter optimiert: Nur die ansprechendsten Hengste werden vom Gestüt erworben, im Mittelfeld möchte Bonhomme nicht spielen. Eines der besten Pferde im Stall ist derzeit Maracaná, ein Westfale, geboren 2015. Gekauft für 750.000 Euro kann Saskia Conredel seinen heutigen Wert nicht mehr abschätzen. Der 1,75 Meter große Rappe wird mit einer kapitalen Bewegungsgüte beworben, mit exzellenter Mechanik und einem spektakulären Abdruck. Dieses Ross zum Vater zu haben, verspreche die gleiche Qualität – also potenziell Siege bei Reit- und Dressurturnieren. So darf der Junghengst bis zu fünfmal pro Woche zum Deckgeschäft antreten.

Saskia Conredel vom Gestütsmarketing. Quelle: Gabriele Spiller

Mithilfe einer mit Rosssekret eingeriebenen Stutenattrappe werden die Hengste in einem neonbeleuchteten Raum in Stimmung gebracht. An Nacken und Sprunggelenken ist das Plastikpferd schon ganz schön lädiert, so knabbern sich die Anwärter darin. „Die Hengste wissen, was kommt, wenn sie hierher geführt werden“, sagt Saskia Conredel, „sie freuen sich auf die schöne Aufgabe“.

Der Rest ist weniger aufregend, denn sie zeigt auf das lederbezogene Phantom, das die Pferde bespringen, während ihr wertvoller Saft aufgefangen wird. Bonhomme praktiziert nur noch künstliche Besamungen, auch wenn die Partnerin sogar auf dem Gestüt anwesend ist. Der Akt ist für die Beteiligten zu gefährlich: „Die Stuten schlagen die Hengste weg, wenn sie nicht auf dem Punkt der Ovulation stehen.“ So ist auch das Phantom höhenverstellbar, damit dem Begatter nichts passiert. Zudem steht eine erfahrene Tierärztin im Stutenstall bereit.

Der Deckraum mit dem Stuten-Phantom. Quelle: Gabriele Spiller

Volle Zahlung erst bei Erfolg

Das Gestüt Bonhomme übernimmt für seine Kunden das Risiko der Nichtträchtigkeit, was ein Wettbewerbsvorteil ist. Bei der ersten Bedeckung fällt nur eine Anzahlung an, das volle Deckgeld wird erst fällig, wenn die Stute tragend ist. Eine Befruchtung kann bis zu 1500 Euro kosten. Die Schwangerschaft dauert elf Monate und sollte möglichst im Sommer eintreten. Eine Geburt im späten Frühjahr schafft die besten Voraussetzungen für das Fohlen, das möglichst bald auf die Weide kommen und sich bewegen soll. So dauert die Deck-Hauptsaison vom 15. Januar bis 31. Juli. Zurzeit ist die Fellfarbe Schwarz beliebt. Wichtig ist zunächst aber, dass die Trächtigkeitsuntersuchung nach 30 Tagen positiv ausfällt.

Zuchthengst Maracaná. Quelle: Gabriele Spiller

Nachdem die Hengste am Morgen ihr Pensum absolviert haben, haben sie Freizeit auf der Weide und etwas Training in einer Führmaschine, in der sie im Kreis laufen. Zusätzlich werden sie von den Bereitern des Gestüts für ihren sportlichen Einsatz trainiert. Die frische Luft stärkt ihr Immunsystem.

Angesichts der hohen Sicherheitsstandards in allen Bereichen wird deutlich, dass ein solches Ross ein wertvoller Hochleistungssportler ist. Rund vier Kilo seines eigens angemischten Kraftfutters plus zehn Kilo Heu genießt das Pferd im Verlauf des Tages. Sechs Solarien und zehn Waschplätze stehen zu seiner Pflege bereit. In abgegrenzten Paddocks werden die Tiere dann voneinander getrennt, damit sie nicht kämpfen.

Altersruhesitz inklusive

Der Hengsttrieb hält bis ins hohe Alter an, deshalb verfügt das Gestüt über ein „Rentnerparadies“, wie Conredel es nennt. Am Ende ihres zweiten Lebensjahrzehnts gehen die Rösser in Pension, werden aber weiterhin gepflegt und leicht geritten, erzählt die 31-Jährige. Dies sei ein nicht überall praktizierter Kostenfaktor, da die Tiere bis zu 30 Jahre alt werden können; es entspräche aber der Philosophie des Hauses.

Eingangsportal zum Gestüt Bonhomme. Quelle: Gabriele Spiller

Auch auf der sportlichen Seite sehr erfolgreich, richtet das Gestüt im Juni jeweils zwei Turniere aus. So machen sich an diesem Wochenende wieder zahlreiche Fahrzeugkombinationen mit Spitzenpferden auf den Weg an die Havel, um am Springturnier Bonhomme Open teilzunehmen. Diese Veranstaltungen sind für Laienpublikum die einzige Möglichkeit, das Gelände zu besuchen. Und für die 15 Deckhengste geht es am Montag frisch fröhlich weiter.

Springturnier Bonhomme Open, Fuchsberg 1A, bis 30. Juni, Eintritt frei. www.gestuet-bonhomme.de

Von Gabriele Spiller

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