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Werder (Havel) Alternative CO2-Quellen fürs Gewächshaus gesucht
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Alternative CO2-Quellen fürs Gewächshaus gesucht
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18:20 18.12.2018
Eine Überproduktion an Tomaten hat im Sommer für enormen Preisdruck gesorgt.
Eine Überproduktion an Tomaten hat im Sommer für enormen Preisdruck gesorgt. Quelle: Bernd Settnik/dpa
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Groß Kreutz

Die heiße Sommersonne ließ die Äpfel auf den Plantagen förmlich kochen, Gurkenpflanzen verbrannten teilweise und die Tomate fühlte sich so wohl, dass der Preis in Mitteleuropa in den Keller rutschte. Für Obst- und Gemüsebauern rund um Werder geht ein herausforderndes Jahr zu Ende. Gerrit van Schoonhoven, Geschäftsführer des Großhändlers und Vermarkters Werder Frucht, spricht von einer durchwachsenen Saison. „Die Wetterkapriolen haben auch den Markt ordentlich durcheinander gebracht“, sagte er gegenüber der MAZ. Aber es war nicht alles schlecht. Eine positive Bilanz kann Werder Frucht vor allem bei den Auberginen ziehen, die seit diesem Jahr im Gewächshaus in Fretzdorf bei Wittstock angebaut werden. „Die Pflanzen haben das mediterrane Klima sehr gut vertragen“, sagte Werder-Frucht-Geschäftsführerin Petra Lack. Im kommenden Jahr wird die Anbaufläche der Aubergine in dem Gewächshaus vergrößert.

In der Vorweihnachtszeit zieht Werder Frucht in Groß Kreutz aber nicht nur Bilanz, sondern denkt traditionell auch an die Mitmenschen, die Hilfe von anderen dringend brauchen. Das Unternehmen unterstützt deshalb die MAZ-Sterntaler-Aktion zugunsten des Awo-Büros Kindermut in Potsdam mit 700 Euro. Das Büro hilft Familien in Not und bietet beispielsweise kostenfreie Schwimmkurse oder das Stadtteilfrühstück an. „Gerade in der Weihnachtszeit unterstützen wir solche Projekte sehr gern“, sagte Gerrit van Schoonhoven.

Sebastian Schornberg, Petra Lack und Gerrit van Schoonhoven (v.l.) mit dem Sterntaler-Sparschwein. Quelle: Luise Fröhlich

Ein Ausblick auf das nächste Jahr zeigt Innovation bei Werder Frucht: Im kommenden Jahr will sich der Großhändler breiter aufstellen und neben der Auberginen-Produktion auch die der Brom- und Himbeeren ausweiten. „Wir werden einen längeren Zeitraum, also von Mitte Mai bis Mitte Oktober abdecken, und das in regionaler Produktion“, kündigte der Geschäftsführer an. Auch beim Import will der Großhändler wachsen und sich ab 2019 zusätzlich mehr in Richtung alte Bundesländer orientieren. Sollten in Zukunft wieder so heiße und trockene Sommer kommen, will Werder Frucht außerdem einem erneuten Mangel an Kohlenstoffdioxid in den Gewächshäusern vorbeugen.

Fachkräfte sind schwierig zu bekommen

„Wir führen CO2 in den Gewächshäusern zu, weil die Pflanzen dort recht eng stehen und nicht um den Stoff, den sie für die Photosynthese brauchen, konkurrieren sollen. In diesem Jahr kam es zu einem Engpass von industriellem CO2, wodurch die Pflanzen anfälliger für Krankheiten wurden“, erklärte Sebastian Schornberg von der Geschäftsleitung. Unter Schädlingsbefall litt beispielsweise die Paprika. Die Suche nach alternativen CO2 -Quellen laufe Gerrit van Schoonhoven zufolge bereits: „Es gibt ein paar gute Ideen, auch hinsichtlich Nachhaltigkeitskriterien.“

Neben dem täglichen Geschäft dreht sich bei Werder Frucht viel darum, Personal zu binden und Auszubildende zu gewinnen. In diesem Jahr hatte das Unternehmen erstmals einen dualen Studenten, der seinen Praxisteil auf dem Frucht- und Frachthof absolviert. Er studiert Betriebswirtschaft an der Technischen Hochschule Brandenburg. Fachkräfte zu bekommen, sei schwieriger geworden, sagte Gerrit van Schoonhoven. „Neu eingeführt haben wir eine Urlaubsstaffelung nach Betriebszugehörigkeit. Der Arbeitsausgleich soll nicht nur in Geld, sondern auch in Freizeit erfolgen. Wir bezahlen natürlich fair, bieten eine eigene Kantine und es gibt auch ganz individuelle Sondervergütungen“, erklärte er. Bislang konnten alle freien Positionen früher oder später besetzt werden.

Außerdem neu in diesem Jahr war das Thema betriebliche Gesundheitsförderung, das die 120 Mitarbeiter von Werder Frucht gemeinsam mit der AOK Nordost angingen. Daraus resultierte unter anderem die „bewegte Pause“, bei der die Mitarbeiter in der Mittagspause unter Anleitung turnen.

Vielseitig eingesetzt

Kohlenstoffdioxid kommt vor allem in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz, etwa als Getränke-Zusatz. Die Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff hemmt oder verhindert die Entstehung von schädlichen Keimen. Trockeneis, also festes CO2 , wird als Kühlmittel für Catering in Flugzeugen eingesetzt.

Im Gewächshaussorgt die kontrollierte Zufuhr von CO2 für ein schnelleres Wachstum der Pflanzen. Kohlenstoffdioxid dient aber zum Beispiel auch der Brandbekämpfung.

Von Luise Fröhlich