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Werder (Havel) Wie geht es weiter mit dem Kiez Inselparadies in Petzow?
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Wie geht es weiter mit dem Kiez Inselparadies in Petzow?
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20:24 11.12.2019
Heinz Franke (l.) und Gunter Schinke kämpfen für den Erhalt des Kiez Inselparadieses. Quelle: foto: Annika Jensen
Petzow

Es wird spannend für das Inselparadies im Werderaner Ortsteil Petzow. Eine Entscheidung, wie es mit dem Kindererholungszentrum (Kiez) weitergeht, steht in den kommenden Monaten an. Denn: Im nächsten Jahr dauert das Bebauungsplanverfahren für das Inselparadies im Werderaner Ortsteil Petzow eine Dekade. Nach zehn Jahren endet die Frist des Verfahrens, eine Entscheidung des Landkreises wird also zwingend.

Das Rezeptionsgebäude des Inselparadieses soll abgerissen und ersetzt werden. Quelle: Annika Jensen

Warum zieht sich dieses Verfahren so? „Ende 2015 hätte die Stadt den Satzungsbeschluss fassen können“, sagt der Eigentümer des Inselparadieses, Heinz Franke (66), „weil alle Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange eingegangen waren, die frühzeitige Bürgerbeteiligung war abgeschlossen. Und es sprach nichts dagegen.“

Vier Monate später sei jemand in der Verwaltung auf die Idee gekommen, beim Landesumweltministerium nach einer Stellungnahme zu fragen, weil die noch gefehlt habe, so Franke weiter. „Obwohl es vom Baugesetzbuch her gilt, dass eine ausbleibende Stellungnahme innerhalb der gesetzten Frist als Zustimmung gilt.“ Das Nachhaken war also nicht notwendig. „Die Stadt Werder hat etwas aufgerollt, was man nicht hätte aufrollen müssen und damit sind wir fünf Jahre in Verzug“, sagt Franke.

Letzte Sanierung fand in den 1980er Jahren statt

Die sechs Unterkunftsgebäude, und die zahlreichen weiteren Gebäude auf dem neun Hektar großen Gelände auf der Halbinsel Hohenwerder sind allerdings sehr sanierungsbedürftig und vor allem haben sie eine Modernisierung nötig. Die Anlage stammt aus dem Jahr 1953. Damals wurde sie als Zentrales Pionierlager „Tschoibalsan“ gegründet. Die letzten umfassenden Sanierungen fanden Ende der 1980er Jahre statt. Große Teile der heutigen Ausstattung, etwa in den Zimmern, sind über 20 Jahre alt.

Für eine Sanierung richtig Geld in die Hand nehmen kann Eigentümer Franke aber erst, wenn der Bebauungsplan positiv abgeschlossen wird. Und dann wird so viel Geld notwendig sein, dass Franke nicht mehr alleine zahlen kann. „Solche Einrichtungen kommen ohne die Unterstützung der Politik nicht aus“, sagt der Geschäftsführer des Inselparadieses, Gunter Schinke (64).

Land will kein Geld geben

Doch weder das Bildungsministerium noch das Finanzministerium wollten bisher Geld geben. Letzteres begründete seine Entscheidung damit, dass es keine Vereine fördern kann. Die Anlage wird vom Verein Kiez Inselparadies Petzow/Hohenwerder betrieben. Mit ihrer Bitte um Unterstützung hatten sich Schinke und Franke an die Landesregierung gewandt, weil das Inselparadies in den Bereich Bildung fällt.

Nun, mit Ablauf der B-Plan-Frist, wird die Landesförderung noch dringlicher. Denn seit einigen Jahren geht das meiste Geld, das Franke investiert, zum einen in das B-Plan-Verfahren. Das sind bis heute rund 300 000 Euro. Zum anderen fließt es in andere Genehmigungsverfahren, etwa für weitere Notausgänge für die Unterkunftshäuser.

B-Plan-Verfahren kostet Kiez 300.000 Euro

Das B-Plan-Verfahren hatten 2009 der Landkreis und die Stadt Werder gefordert, weil sie eine einheitliche städtebauliche Entwicklung auf der Halbinsel Hohenwerder haben wollten. Mit Werder musste Heinz Franke einen städtebaulichen Vertrag abschließen, in dem festgehalten wurde, dass die Stadtverwaltung von sämtlichen Kosten für das Verfahren freigestellt wurde. Deswegen muss Franke die gesamten bisherigen 300 000 Euro selber tragen.

Es ist Geld, das Heinz Franke und Gunter Schinke liebend gerne zurücklegen würden. Denn, wenn das B-Plan-Verfahren durch ist und die Sanierungen starten können, können sie jeden Euro gut gebrauchen. Um Geld zu beschaffen wollen Schinke und Franke eine Kapitalgesellschaft gründen. In der wollen sie zahlungskräftige Akteure versammeln, die aus verschiedenen Gründen ein Interesse am Erhalt des Inselparadieses haben könnten.

Jugendliche spricht das Kiez kaum mehr an

Denn auch das steht im Raum: Sollte der B-Plan negativ beschieden werden, müsste das Kindererholungszentrum auf Hohenwerder schließen. „Wir können einfach nicht auf Dauer bestehen, mit dieser alten Einrichtung und den sanierungsbedürftigen Gebäuden“, sagt Schinke. Schon jetzt sei die Anlage nicht attraktiv genug für Jugendliche. „Die haben einfach ganz andere Ansprüche. Wollen sich auch mal zurückziehen und sich nicht das Zimmer mit drei anderen Leuten teilen“, so Schinke.

Die kleineren Kinder indes stört die Ausstattung nicht. Ganz im Gegenteil. Sie fühlen sich pudelwohl auf dem Gelände und den liebevoll und mit einfachen Mitteln selbstgestalteten Gemeinschaftsräumen. In das Inselparadies kommen neben Schulklasse auch Kita-Gruppen. Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, besuchen zahlreiche Gruppen das Kiez für eine Nacht, um eine Weihnachtsfeier zu feiern.

15 Mitarbeiter arbeiten im Inselparadies. Zwei davon sind Jugendliche, die dort ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren. In sechs Häusern stehen 400 Betten. In diesem Jahr gab es 30 000 Übernachtungen.

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Von Annika Jensen

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