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Potsdam-Mittelmark Wie das Dorf Feldheim durch EU-Gelder zum Energievorbild wurde
Lokales Potsdam-Mittelmark Wie das Dorf Feldheim durch EU-Gelder zum Energievorbild wurde
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06:03 25.04.2019
Die Biogasanlage Feldheim versorgt dank eines Wärmenetzes die gesamten Einwohner des Ortsteils von Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) mit Wärme. Quelle: Energiequelle GmbH
Treuenbrietzen

Eine ganz normale Dorfstraße: Bäume am Rand des Weges, in der Ferne die ersten einstöckigen Häuser, hinter ihnen erstreckt sich Feld. Doch normal ist an dem Ortsteil von Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) namens Feldheim nichts. Das sieht man, wenn man sich etwas genauer umsieht. Bald entdeckt man eine Biogasanlage und schließlich auch Solarmodule und dann den großen Batteriespeicher – und natürlich viele, viele Windräder.

Feldheim nennt sich seit 2010 das erste energieautarke Dorf Deutschlands. 100 Prozent seines Stroms und seiner Wärme werden durch alternative Energien vor Ort produziert. In einem anderen Sinne ist Feldheim aber alles andere als autark. Aus eigener Kraft hätte der zusammen mit seinem Nachbarort Schwabeck nur rund 200 Einwohner zählende Ort diese kostspieligen Anlagen nie stemmen können. „Energieautarker Ort“ wurde Feldheim dank EU-Förderung.

Tag der Offenen Tür am 27. April

Das Neue Energien Forum in Feldheim lädt am Sonnabend, dem 27. April 2019 von 14 bis 20 Uhr zum Tag der Offenen Tür und informiert über das zukunftsweisende Energieversorgungskonzept des Ortes und die Nutzung Erneuerbarer Energien.

Zusätzlich gibt es eine Technikschau der Land- und Forstwirtschaft mit einem Segway-Geschicklichkeits-Parcours, Oldtimerschau und der Möglichkeit, Fahrzeuge mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb zu testen. Für Kinder gibt es eine Hüpfburg und Experimente im Tipi. Um 17 Uhr wird in der Scheune eine Komposition aus Musik, Text und Projektionen von Weltall, Sternen und Erde mit dem Kammerorchester Stardust Sinfonie aufgeführt. Für das leibliche Wohl ist mit regionalen Spezialitäten aus dem Fläming gesorgt.

Weitere Informationen unter www.nef-feldheim.info

Werner Frohwitter von der Energiequelle GmbH, die unter anderem ein an eine bestehende Biogasanlage angeschlossene Wärmeverteilnetz geplant und dessen Bauarbeiten koordiniert hat, sagt, die Gesamtkosten allein dieses Systems beliefen sich auf rund 1,7 Millionen Euro. „Davon stammten 830.000 Euro aus Fördertöpfen der EU, genauer handelte es sich um Gelder aus dem europäischen Strukturfonds EFRE.“ Dieses Wärmenetz ist der teuerste Teil der autarken Energieversorgung Feldheims.

Nicht zuletzt deshalb steht bei Frohwitter die Europäische Union hoch im Kurs. Europa habe seit 1945 eine nie zuvor dagewesene Phase des Friedens und des Wachstums gesehen. „Ich sehe die EU als Garant und unverzichtbar für die Entwicklung und das harmonische Zusammenleben auf unserem Kontinent“, sagt er. Die Europäische Union sei auch direkt für die Brandenburger, für die regionale Wirtschaft, „aber auch für den Umweltschutz ein unermesslich großer Gewinn“, findet Frohwitter.

Die Wirkung sieht man auch an anderen Dingen vor Ort. Im Informations- und Beratungszentrum Neue Energien Forum Feldheim (NEF) erklären Mitglieder des gleichnamigen Vereins das Konzept der Selbstversorgung mit alternativen Energiequellen. Auch dieses Informationszentrum stünde nicht ohne EU-Mittel im Ort.

Hackschnitzelanlage für Wärme

Dank derer konnte eine frühere Gaststätte für insgesamt über zwei Millionen Euro saniert und entsprechend umgewidmet werden. Rund 520.000 Euro konnte die Gemeinde selbst aufbringen, knapp 300.000 Euro das Land. Den dicksten Batzen mit knapp 1,2 Millionen Euro zahlte wieder Brüssel aus dem Topf für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

Jetzt finden in dem Haus nicht nur Schulprojekttage statt, man kann auch die die Ausstellung „Erneuerbare Energie erleben“ besichtigen oder die Infotouren von dort aus starten. Immer wieder wollen auch Besucher von weit her die Möglichkeiten autarker Energieversorgung entdecken.

>> Lesen Sie auch: Feldheim lädt zum Aktionstag und Planetenkonzert

Japaner, Südafrikaner und Neuseeländer bekommen von Vereinsmitgliedern auf Englisch das Konzept erklärt. 4000 Besucher im Jahr seien es etwa, sagt Vereinsvorsitzende Doreen Rachemann. Das Interesse sei seit 2010 ungebrochen.

„Wir haben zum Beispiel sehr viele Windräder, die mehr Energie produzieren als der Ort selber braucht“, erläutert die Vereinsvorsitzende. „Wir haben auch ein eigenes Nahwärmenetz, das von der Biogasanlage der Feldheim Energie GmbH & Co. KG betrieben wird.“ Gülle, Maisgelee und Roggenschrot erzeugen dort Wärme, die in jedes Haus eingespeist wird. Reicht das im Winter nicht aus, unterstützt eine Hackschnitzelanlage.

Batteriespeicher als Geschenk der EU

„Jeder Feldheimer hat 3000 Euro Eigenkapital in die Anlage gegeben und ist selber Unternehmer“, so Rachemann. Allerdings: Alleine von diesem Geld hätten die Dorfbewohner die Anlage niemals bezahlen können, wie sich leicht nachrechnen lässt.

Auch der Batteriespeicher, der Ende 2015 von den Unternehmen Energiequelle GmbH und Enercon aufgestellt wurde und der mit seinen 10 Megawatt/10,5 Megawattstunden Leistung Frequenzschwankungen im Stromnetz ausgleicht, ist letztlich ein Geschenk der EU. Zwar kamen fünf Millionen Euro vom Land Brandenburg, aber 9,5 Millionen kamen aus Brüssel.

Ingenieur Frohwitter betont, dass diese Batterie nichts mit der Stromversorgung des Dorfes selbst zu tun hat. Sie gleiche lediglich Schwankungen im Hochspannungsnetz des regionalen Energiebnetreibers „50 Hertz“ aus und diene somit mittelbar dem Gesamtdeutschen Übertragungsnetz. Die Batterie stehe lediglich in Feldheim, weil „die örtlichen Gegebenheiten einschließlich der Netzanschlussbedingungen relativ günstig waren“.

Kritik an der Bürokratie

Die durch die Förderung der EU möglich gewordene Entwicklung des Stadtteils weiß auch Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape zu schätzen. „Die Projekte im Ortsteil Feldheim sind mit Sicherheit neben der Erfolgen bei der Stadtsanierung unseres historischen Stadtkern der Beweis für kreatives, eigenverantwortliches und im Sinne des aktiven Klimaschutzes, nachhaltiges Engagement der Bürgerinnen und Bürger“, sagt er.

Grundsätzlich sei die Zielrichtungen der EU und ihre Förderinstrument hilfreich, Treuenbrietzen weiterzuentwickeln. Das betreffe nicht nur Feldheim. Ob Bildung, Klimaschutz oder Städtepartnerschaften. „Überall hat uns dafür die EU bisher Mittel bereitgestellt“, sagt Knape.

Allerdings sieht auch er die sprichwörtliche Brüsseler Bürokratie kritisch. Die bürokratischen Vorgaben und Regeln wären manchmal so überdimensioniert und komplex, „dass wir leider mit unseren personellen Ressourcen kaum noch in der Lage sind den Aufwand betreiben zu können, um an entsprechende Mittel zu kommen“.

Von Rüdiger Braun

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