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Wiesenburg Kalksinterstein im Schlosspark entdeckt
Lokales Potsdam-Mittelmark Wiesenburg Kalksinterstein im Schlosspark entdeckt
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17:32 23.07.2018
Gästeführerin Inge Richter hat in der Vergangenheit auch von Zeitzeugen keine Hinweise auf Kalksinterstein im Schildkrötenteich bekommen.
Gästeführerin Inge Richter hat in der Vergangenheit auch von Zeitzeugen keine Hinweise auf Kalksinterstein im Schildkrötenteich bekommen. Quelle: Christiane Sommer
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Wiesenburg

Bereits im vergangenen Herbst entdeckte Ulrich Jarke bei Säuberungsarbeiten einen ungewöhnlichen Stein im Uferbereich des Schildkrötenteichs.

Er war mit Efeu und Moosen bewachsen und schien anfangs nicht besonders. Auf den zweiten Blick entpuppte er sich jedoch als Kalksinterstein. Jetzt sucht der Leiter des Wiesenburger Schlossparks nach Hinweisen von Ortskundigen, welchen Nutzen der Kalksinterstein im Schildkrötenteich gehabt haben könnte.

Kalksinterstein von Watzdorf geordert

Schon länger wissen die Schlossparkbetreiber, dass Curt Friedrich Ernst von Watzdorf Steine aus diesem Material bevorzugt in seiner im 19. Jahrhundert angelegten Parkanlage verwendete.

Er ließ sich während seiner zahllosen Reisen quer durch Europa zur Gestaltung seines eigenen Anwesens inspirieren. So etwa bekam er auch die Idee, an der Fürstenkrone im Parterre eine bizarre Mauer aus Kalksinterstein in Verbindung mit Feldsteinen setzen zu lassen.

Auf der Weltausstellung in Paris soll er das Korallen ähnliche Gestein - das bei der Salzgewinnung entstand - erstmals gesehen haben. „Danach hat er sich aus Köselitz in Sachsen-Anhalt eine Ladung kommen lassen", erläutert Gästeführerin Inge Richter. Die Bad Belzigerin erklärt, dass dort das weiße Gold vor Jahrhunderten aus Solequellen gewonnen wurde.

Verwendung am Teich ungewiss

Dass das Kalksintergestein auch am Schildkrötenteich im hinteren Parkbereich Verwendung gefunden hatte, war auch ihr bislang unbekannt. „Ich habe in der Vergangenheit viele Zeitzeugengespräche geführt. Aber davon hat nie jemand gesprochen", sagte Ulrich Jarke weiter. Nur so viel wussten die alten Wiesenburger zu erzählen: In den 1920er Jahren soll es tatsächlich Schildkröten im Teich gegeben haben.

Von der Entdeckung des Steines inspiriert, nahm der Parkleiter den Teichrand genauer unter die Lupe. Dabei wurden Fundamente und weitere Tuffsteinreste entdeckt, die die Annahme nähren, dass der Schildkrötenteich dereinst mit ihnen eingefasst gewesen sein könnte. Zwischenzeitlich hat Jarkes Vermutung bereits eine erste Bestätigung gefunden.

Frank Mallas aus Wiesenburg erinnert sich, dass es im Bereich der Fürstenkrone in den 1970er Jahren zu Vandalismus kam. Um die Schäden beseitigen zu können, sollen Steine am Schildkrötenteich abgeschlagen und zur Reparatur verwendet worden sein.

Jetzt hofft Ulrich Jarke auf weitere Erinnerungen von Wiesenburgern und Fortgezogenen. Er sagt: „Frank Mallas war damals ein Kind. Wenn er sich daran erinnern kann, können es andere vielleicht auch."

Und womöglich tauchen sogar noch Bilder vom Schildkrötenteich auf. Diese Hoffnung will sich Parkleiter Jarke nicht nehmen lassen - und in Absprache mit der Denkmalpflege klären, ob die Anlage am Schildkrötenteich rekonstruiert werden könnte.

Geschichte des Parkfördervereins

Den Parkförderverein gibt es bereits seit 20 Jahren.

Ihr Jubiläum wollen die Mitglieder im Herbst feiern.

Der Verein gründete sich, um die Gemeinde Wiesenburg/Mark, die Eigentümerin des 130 Hektar großen Schlossparks ist, bei der Unterhaltung und Vermarktung desselben zu unterstützen.

Die Sanierung des Erbbegräbnisses im Schlosspark ist das letzte große Bauvorhaben, das realisiert wurde.

Historische Rekonstruktion ab Herbst

Während die Parkbetreiber über den Ursprung des Kalksintersteins im Schildkrötenteich nachdenken, wird gleichzeitig der Abriss des Tennisplatzes geplant. Der wird geplant, um die von Curt Friedrich Ernst von Watzdorf in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegte Parkanlage in einem weiteren Bereich wieder in den Originalzustand zu versetzen.

Der Verein wird damit ein weiteres wichtiges und von der Denkmalpflege seit geraumer Zeit gewünschtes Projekt umsetzen. Nach Abschluss der Arbeiten wird die frei geräumte Fläche als Wiese angesät und gibt der Sichtachse weiteren Raum. Beginnen sollen die Arbeiten im Herbst.

Von Christiane Sommer