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Wiesenburg Abschied nach fast 50 Jahren: Das Gut war ihr Leben
Lokales Potsdam-Mittelmark Wiesenburg Abschied nach fast 50 Jahren: Das Gut war ihr Leben
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18:47 12.07.2019
Das Gut Schmerwitz war für Rita Neumann ihr Leben. Nach fast 50 Jahren – zumeist als Chefin – ist sie nun im Ruhestand. Quelle: Fotos: Thomas Wachs
Schmerwitz

Erst als Volksgut, dann als Synanon-Betrieb und zuletzt als Bio-Landgut. Für Rita Neumann war der Gutshof Schmerwitz ihr Leben. Fast 50 Jahre lang war sie dort tätig. Die meiste Zeit in Leitungsfunktionen. Jetzt ist die 65-Jährige, die aus Benken stammt und dort verwurzelt ist, in den Ruhestand gegangen.

Fast 50 Jahre lang war Rita Naumann Chefin des Gutes Schmerwitz. Jetzt geht sie in Ruhestand.

Am Freitag ist die langjährige Chefin der aktuell 22 Beschäftigten mit einer herzlichen Feier offiziell verabschiedet worden. Geschäftspartner, langjährige Weggefährten und Mitarbeiter waren dabei. „Das Team wird mir fehlen“, sagt die resolute Frau aus Benken.

Noch etwas in Reichweite

Doch bleibe sie dem Bioland-Hof als Beraterin für einzelne Projekte noch teilweise erhalten, kündigt Gerrit van Schoonhoven beim geselligen Festakt an. Im Namen seiner Familie, die das Gut seit dem Jahr 2000 besitzt und betreibt, dankte der Inhaber Rita Neumann für ihre „Arbeit, die das Gut erfolgreich durch drei Epochen geführt und zu dem gemacht hat, was es heute ist“.

Dankbare Eigentümer

Mit 16 Jahren begann Rita Neumann, die aus eine Landwirte-Familie mit drei Schwestern stammt, ihre Lehre zum Landwirtschaftskaufmann auf dem Volksgut. Nach gut einem Jahr Arbeit in der Lohnbuchhaltung folgte ein Studium der Betriebswirtschaft. Mit 24 Jahren war Neumann dann Leiterin der Lohnbuchhaltung und später Betriebsleiterin. Damals waren noch 209 Mitarbeiter auf dem Hof beschäftigt, die mehr als 4000 Hektar bewirtschafteten und Tierproduktion betrieben.

Keine direkte Nachfolge

Eine direkte Nachfolge für den Posten der Betriebsleitung gibt es zunächst nicht. Die Aufgaben werden nun auf mehrere Schultern verteilt für die Leiter der verschiedenen Bereiche. Denn heute ist der Betrieb, der ökologische Landwirtschaft betreibt, breit aufgestellt. Tierhaltung mit Hühnern und einigen Schafen, der Feldbau sowie Ferienwohnungen, Hofladen und Vermarktung der Produkte wollen organisiert sein.

Einen Apfelbaum zum Abschied gab es von den Mitarbeitern des Gutes für ihre nun ehemalige Chefin. Quelle: Thomas Wachs

Rita Neumann kennt das Gut, wie kaum jemand sonst. Immer wieder gab es neue Anforderungen. „Das Gut war immer wieder ein neues Abenteuer“, sagt sie der MAZ. Die Abwicklung des Volksgutes nach der Wende war eines der schwersten. Kurz darauf stieg 1991 die Suchthilfegemeinschaft Synanon auf dem Hof ein. Arbeit gab es noch für 65 Beschäftigte. Die Umstellung auf Demeter, die Königsklasse der ökologischen Landwirtschaft, folgte.

Erfolgreiche ökologische Landwirtschaft

Ihr blieb das Gut bis heute erfolgreich treu, auch wenn nach dem Rückzug von Synanon und dem Einstieg der Familie van Schoonhoven daraus ein nachhaltiger Betrieb unter dem Label Bioland wurde. „Das hat sich als richtiger Schritt erwiesen, was auch der Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft von Rita Neumann geschuldet ist“, sagt Gerrit van Schoonhoven beim Fest.

Gerrit van Schoonhoven, der Eigentümer des Gutes Schmerwitz, dankt Rita Neumann für den gemeinsamen Erfolg. Quelle: Thomas Wachs

Rita Neumann freut sich nun auf den „Unruhestand“. Stark engagiert bleiben möchte sie für ihre Heimatregion im Hohen Fläming. In Benken, wo sie ihr Elternhaus bewohnt, war sie seit ihrem 18. Lebensjahr im Gemeinderat und lange die Ortschefin. Nach der jüngsten Kommunalwahl nahm sie ihr wieder errungenes Mandat im Dorf aber nicht mehr an.

Engagiert für die Heimatregion

„Das wär zu viel geworden“, sagt Rita Neumann der MAZ. Konzen-trieren will sie sich auf ihr Mandat im Kreistag für die Fraktion Freie Bürger und Bauern. Zudem sitzt sie in der Gemeindevertretung Wiesenburg/Mark. Und dann bleibt ja noch das Engagement in Reihen der Landfrauen Potsdam-Mittelmark.

„Also langweilig wird mir wohl nicht werden“, glaubt die frisch gebackene Ruheständlerin. „Meinen Hang zum Organisieren kann ich jetzt auch daheim gut einsetzen.“ Denn dort auf dem Hof sei in den Jahren des intensiven Berufslebens in der Landwirtschaft auch viel liegen geblieben. „Das kann ich nun gemeinsam mit meinem Mann anpacken, der zeitgleich mit mir auch auf dem Gut in Ruhestand gegangen ist“, sagt die zweifache Mutter.

Scharf auf eine Töpferscheibe

Sie freut sich nun auch auf mehr Zeit für Reisen und auch für Entdeckungstouren in der Heimatregion. „Wir sind im Winter, wenn die Landwirtschaft etwas pausiert, oft in die Ferne gereist. Doch hier vor der eigenen Haustür gibt es noch viele schöne Ecken, die sich erkunden lassen“, erzählt die Unruheständlerin.

Sie möchte nun auch ihre Hobbys intensivieren. Unterricht für Klavier und Orgel nimmt sie bereits. „Auch fotografiere ich leidenschaftlich gerne“, so Neumann. „Und noch nie habe ich an einer Töpferscheibe gesessen.“ Dabei hatte sie diese immer nah am Büro und zuletzt durch den Einzug der Synanon-Nachfolger von Scarabäus auch direkt auf dem Hof in Schmerwitz.

Von Thomas Wachs

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