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Wiesenburg Wiesenburg/Mark streckt seine Hand nach dem alten Brauerei-Gelände aus
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13:18 06.01.2020
Die Brauerei in Wiesenburg auf einer Ansichtskarte von 1899 Quelle: Repro Dirk Fröhlich
Wiesenburg

Die Schlossbrauerei in Wiesenburg soll nicht länger dem Verfall preisgegeben sein. Vielmehr könnte sie langfristig als Arbeits- und Wohnstätte wieder belebt werden. Davon ist Bürgermeister Marco Beckendorf (Linke) überzeugt. Deshalb will er die Immobilie in kommunalen Besitz übernehmen.

Gelegenheit dazu bietet sich wahrscheinlich bei einer Zwangsversteigerung des 10.000 Quadratmeter großen Geländes. Sie soll nach Auskunft des Verwaltungschefs im Frühjahr über die Bühne gehen. Der Entwicklungsausschusses der Gemeindevertretung Wiesenburg/Mark befürwortet die Strategie. Das Parlament soll am Monatsende darüber befinden. Die Kommune hat das Verfahren angestrengt und doppeltes Interesse daran.

Eigentümer hat Außenstände

Sie ist größte Gläubigerin bei Eigentümer Friedhelm Scholten, der jetzt in den Vereinigten Staaten von Amerika leben soll. Jener hatte nicht nur die Stilllegung des Traditionsbetriebes vor mehr als 25 Jahren zu verantworten, sondern blieben seither seine GmbH und Nachfolgegesellschaften unter anderem Steuern und Erschließungsbeiträge in insgesamt sechsstelliger Höhe schuldig. Auch wenn er als Besitzer des Grundstückes für Ordnung und Sicherheit in die Pflicht genommen werden sollte, hätte er sich jeweils für nicht zuständig erklärt.

Während die Treuhandanstalt ihre Forderungen inzwischen der Kommune überlassen hat, lässt diese nun eine sogenannte Nachtragsliquidation durchführen. In deren Ergebnis soll das Grundbuch für das Grundstück bereinigt werden, wobei die Ansprüche eines weiteren, derzeit nicht auffindbaren, Gläubigers zu klären sind.

Blick in die Zukunft

Allerdings richtet Marco Beckendorf seinen Blick weniger auf die jüngere Vergangenheit als auf die Zukunft und trägt sich seit mehr als einem Jahr schon mit dem Gedanken. Der Rathauschef verfolgt zielstrebig eine Idee, wie das Areal –womöglich von Investoren oder in Eigenregie – gestaltet werden könnte. Demnach sollten zunächst die in der Substanz wohl noch gut erhaltenen Betriebswohnungen in den Gebäuden am Rande saniert werden.

Die Quartiere sind günstig im Gelände gelegen und könnten somit barrierefrei erreicht werden. In den Lagern darunter sollten Handel und Gewerbe etabliert werden. Die Einnahmen dienen als Grundlage, um langfristig das ortsbildprägende Backstein-Ensemble zu erhalten.

Sind die Gläser halb leer oder halb voll? 25 Jahre nach Stilllegung der Produktion will die Gemeinde Wiesenburg/Mark die Brauerei ersteigern. Quelle: René Gaffron

Die Vor- und Nachteile, die mit den zu erwartenden Auflagen von Natur- und Denkmalschutz einhergehen, seien laut Marco Beckendorf abgewogen worden. So sei beispielsweise bekannt, dass der Schornstein auf jeden Fall zu erhalten ist und dass in den Gewölben zahlreiche Fledermäuse zu Hause seien. „Wenn das Grundstück in falsche Hände gerät, könnte es sein, dass es zum illegalen Abfalllager wird“, malt der Bürgermeister alternativ ein düsteres Szenario.

Innovativer Schwung soll genutzt werden

Aus ähnlichen Beweggründen hat die Kommune bereits in unmittelbarer Nachbarschaft das ehemalige Sozialgebäude der Drahtzieherei ebenfalls bei einer Zwangsversteigerung erworben. Der Plattenbau am Postplatz soll nach einem Architektenwettbewerb zum Mehrfamilienwohnhaus umgebaut werden. Nördlich davon wiederum wird die Revitalisierung des Areals der 2018 abgewickelten Drahtzieherei angestrebt. Dabei soll der von der Ko-Dorf-Bewegung am Bahnhof und den Coconat-Digitalarbeitern auf dem Gutshof Klein Glien verbreitete Gründerschwung ausgenutzt werden.

Über 50 Mitarbeiter zu DDR-Zeiten

Schlossherr und Parkbegründer Curt Friedrich von Watzdorf hat die Brauerei 1868 errichten lassen. Sie hatte eine wechselvolle Geschichte.

1948 erfolgte die Enteignung, Anfang der 70er Jahre ist der volkseigene Betrieb ins Getränkekombinat Potsdam eingegliedert worden.

Zu DDR-Zeiten zählte er mehr als 50 Mitarbeiter.

Nach der politischen Wende ist er von der Treuhand zweimal privatisiert worden, doch haben die „Investoren“ erst noch brauchbare Anlagen verhökert und zuletzt das Leergut noch abzutransportieren.

Nicht nur weil ein Scheitern der Vorhaben nicht auszuschließen ist, gibt es durchaus mahnende Stimmen. „Alles konzentriert sich auf Wiesenburg“, kritisiert René Müller als sachkundiger Einwohner aus Schlamau. Auch Hauptausschusschef Robert Pulz aus Medewitz mahnte, „nicht die Dörfer zu vergessen, die ebenfalls lebenswert bleiben müssen.“

Von René Gaffron

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