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Wiesenburg Wohnen und arbeiten: Investoren wollen altes Sägewerk zu neuem Leben erwecken
Lokales Potsdam-Mittelmark Wiesenburg Wohnen und arbeiten: Investoren wollen altes Sägewerk zu neuem Leben erwecken
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11:16 09.04.2019
Bernd Steyer (links) und Patric Meier (Mitte) von der Genossenschaft Vielleben stellen Bürgermeister Marco Beckendorf ihre Pläne für das Areal des ehemaligen Wiesenburger Sägewerkes. Quelle: René Gaffron
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Wiesenburg

Das ehemalige Sägewerk soll nicht länger den Dornröschenschlaf fristen. Nach den Plänen der Genossenschaft Vielleben aus München könnte vis à vis vom Bahnhof Wiesenburg ein „Ko-Dorf“ entstehen. Dort sollen die Menschen zwar Wohneigentum in kleinen Häusern haben, aber vor allem gemeinschaftlich arbeiten und leben.

Architekt Patric Meier, Bernd Steyer als zweiter Vorsitzender der Genossenschaft und Vermarkter Frederik Fischer wollen das Vorhaben am Dienstagabend in der Gemeindevertretung Wiesenburg/Mark im Detail vorstellen. Zunächst einmal werden ihr Unternehmen und die Kommune das Grundstück gemeinsam erwerben.

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Es ist noch Privatbesitz, wurde jedoch seit der Stilllegung des holzverarbeitenden Betriebes in der Mitte der 90er-Jahre dem Verfall preisgegeben. Nach Aussage von Bürgermeister Marco Beckendorf (Linke) könnten direkt hinter der aktuellen Bushaltestelle nochmals dringend benötigte Parkplätze für die Pendler hergerichtet werden.

Einstieg bei 100 000 Euro

Dahinter sollen schrittweise 32 Mini-Häuser entstehen. Deren Wohnfläche fällt mit 22 bis 70 Quadratmetern eher überschaubar aus. Den Kauf sollen sich aber auch Interessierte leisten können, die nicht so vermögend sind oder das Geld nicht zwingend für Wohnraum investieren wollen. Die vorgesehene standardisierte Holzbauweise soll zum einen für Nachhaltigkeit stehen, aber auch die Kosten dämpfen.

„Das Kalkulationsziel liegt bei 100 000 Euro für den Einstieg“, sagt Patric Meier. Für die Genossenschaft, die schon ein ähnliches Vorgaben mit Ferienhäusern an der Ostsee stemmt, wird es indes ein demnach weiteres Millionenprojekt.

Innovation an der Ostsee

Mit der Meerleben-Baugemeinschaft wird bereits ein innovatives Projekt bei Wismar realisiert- 800 Meter vom Ostseestrand entfernt. 14 individuelle Ferienhäuser entstehen dort auf 7700 Quadratmetern. Es gibt zudem gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen.

Bei dieser Baugemeinschaft werden nach eigenem Bekunden die reinen Entstehungskosten verrechnet. Es wird kein Marktwert bezahlt. Das bedeutet: Es gibt keinen Investor, keinen Makler, möglichst keine Zwischenfinanzierung etc.. Die planerische und handwerkliche Leistung wird direkt abgerechnet.

Eine große Transparenz der Verträge soll zur Kosten-Minimierung beitragen.

www.meerleben-baugemeinschaft.de

Wie das Trio weiter erklärt, besteht der Ansatz darin, dass die Wohngemeinschaft ansonsten zusammenrückt und sich Arbeits- und Lebensräume teilt. Zu dem Zweck werden Hofsituationen angelegt und acht weitere Gemeinschaftshäuser errichtet, heißt es. Zwei Gebäude sollten für (digitales) Arbeiten zur Verfügung stehen.

Das ursprüngliche Sägewerksgebäude soll als zentraler Bau erhalten bleiben. Quelle: René Gaffron

 

Ausdrücklich wollen die Investoren das Sägewerksgebäude nicht abreißen, wie sie nach bereits mehrfacher Inaugenscheinnahme betonen. Wenn es sich erhalten lässt, soll darin am besten ein Veranstaltungsraum etabliert werden. Eine Haus-im-Haus-Konstruktion wird dafür erwogen. Baumhäuser für Besuch könnten nochmals ein Extra-Clou sein.

Areal bleibt KFZ-frei

Die Entwicklung des reichlich vier Hektar großen KFZ-Freien Areals soll Schritt für Schritt erfolgen. „Ein 8-Häuschen-Quartier im nächsten Jahr wär ein guter Anfang“, findet Bernd Steyer.

Nach seiner Aussage könnte unmittelbar nach Grundstückserwerb im Juni noch mit der Akquise und der Bauleitplanung begonnen werden. Überdies sollen Verpflichtungen gegenüber der Gemeinde Wiesenburg/Mark in einem städtebaulichen Vertrag festgehalten werden.

Ko-Dorf soll Modell sein

Verwaltungschef Marco Beckendorf hat laut eigenem Beunden bereits grundsätzlich Wohlwollen bei den Genehmigungsbehörden des Kreises Potsdam-Mittelmark signalisiert bekommen. Er wirbt indes in dieser Woche bei der Gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg das Ko-Dorf als Modellvorhaben anzumelden. Als Pilotprojekt würde es nicht zu Lasten weiterer Wachstumsflächen beispielsweise in der Wiesenburger Feldstraße gehen.

Mithin sieht der Bürgermeister die Möglichkeit für Kooperationen beispielsweise mit den digitalen Vorreitern von Coconat auf dem Gutshof Klein Glien. Das sei von Vorteil, wenn um Förderungen gerungen werden muss.

Von René Gaffron