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Wiesenburg Seltenes Jubiläum: 75 Jahre in der selben Wohnung
Lokales Potsdam-Mittelmark Wiesenburg Seltenes Jubiläum: 75 Jahre in der selben Wohnung
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14:33 10.05.2019
Ursula und Reinhold Schulze wohnen ihr Leben lang im Mehrfamilienhaus an der Goehestraße. Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

Im November 1942 herrschte heftiges Schneetreiben und es war bitter kalt. Um so mehr erinnert sich Ursula Schulze (geborene Schneider), wie sehr sich ihre Familie über den Einzug in die neue Wohnung in der Goethestraße gefreut hat. Damals hat sie als Säugling mit ihren Eltern und vier Geschwistern –insgesamt drei Jungen und zwei Mädchen – die vier Wände in Besitz genommen, die bis heute ihr geliebtes Zuhause sind.

Fünf Blocks, die jeweils mit ihrem Giebel zur Straße stehen, wurden in dieser Zeit errichtet. Bauherrin war die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft (GWG) Belzig. Unter dem Namen Wohnungsbaugenossenschaft Bad Belzig 1919 (WBG) blickt sie gerade auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück. Die Eheleute Schulze sind quasi ihr ganzes Leben lang dort Mitglied.

Junges Glück in der Mansarde

„Vom heutigen Wohngebiet Klinkengrund war ansonsten aber noch nichts zu erahnen“, bestätigt Reinhold Schulze. Er ist in Brück-Rottstock aufgewachsen, hat seine Liebe während der Berufsschulzeit Ende der 50er-Jahre auf der Burg Eisenhardt kennen gelernt und ist dann buchstäblich unter dem Dach bei den Schwiegereltern in der Kreisstadt eingezogen. Dort gab es noch ein Zimmer in der Mansarde für das junge Glück, das 1962 mit dem Ja-Wort besiegelt worden ist. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg waren da auch mal Flüchtlinge untergebracht.

Luxus war die Drei-Raum-Wohnung mit 60 Quadratmetern, Küche und Bad, die zunächst alle zentral mit einem Ofen vom Flur aus beheizt wurden, nicht. Je nach Zeit und Standard wurde das Quartier mal renoviert oder später grundlegend saniert. Hin und wieder wurde die Ausstattung modernisiert.

Früher Tiere im Stall

Die Familie hat sich verstanden und kam ganz gut durch, wie die Ruheständler resümieren. Auch weil auf dem Hof, wo sich heutzutage Garagen und Kleingärten für die Mieter befinden, seinerzeit noch Ställe existierten. Drei Ziegen, ein Schwein und ein Karnickel wurden dort von Familie Schneider und Schulze zunächst noch gehalten. 

Reinhold Schulze pflegt einen kleinen Garten hinter dem Mehrfamilienhaus in der Goethestraße. Quelle: René Gaffron

Heutzutage schraubt der Oldtimer-Freund lieber an historischen Mopeds oder pflegt als Hobbygärtner die Gurken- und Tomaten-Pflanzen in seinem Gewächshaus. „Die kleine Scholle hinter dem Haus –für jede Wohnung vier Meter breit –war schon immer etwas Besonderes“, sagt Reinhold Schulze. Kinder lieben das Areal ebenso wie Senioren. „Ein Rückzugsort gleich um die Ecke“, sagt er. Das galt sogar in der Zeit des Aufbaus, als die Lastkraftwagen noch durch die Goethestraße donnerten, die heute eine Sackgasse ist.

Meist gute Nachbarschaft

Gerade sind junge Leute in der ersten Etage des Mehrfamilienhauses mit vier Wohnungen pro Aufgang gezogen. Gute Nachbarschaft lässt sich da zügig entwickeln, lautet die Erfahrung.

Gründung am 14. März 1919

Die ursprünglich Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) Bad Belzig am 14. März 1919 gegründet. Der Verwaltungssitz befindet sich in Bad Belzig, Karl-Marx-Straße 2.

Sie zählt derzeit 223 Mitglieder. Das entspricht knapp der Zahl der vermieteten Wohnungen. Jedes Mitglied bzw. jeder Mieter ist durch Erwerb von Anteilen zugleich Miteigentümer.

Ihre Immobilien befinden sich in allen Teilen der Kernstadt Bad Belzig (Karl-Marx-Straße, Goethestraße, Friedrich-Schiller-Straße, Weitzgrunder Straße) und in Wiesenburg (Am Stadion), wo in den 90er-Jahren der größte Teil des kommunalen Wohnungsbestandes erworben worden ist. Es gibt quasi keinen Leerstand.

Vor acht Jahren wurde der Betrieb in Wohnungsbaugenossenschaft 1919 Bad Belzig umbenannt. Die Gemeinnützigkeit besteht fort, darf aber nicht mehr im Namen geführt werden. Seit 2011 ist Steffen Tschiersch der Chef. Vorher war es seine Mutter Irene.

Das Jubiläum wird am Sonnabend. 11 bis 16 Uhr, in der Albert-Baur-Halle gefeiert. Grußworte, Musik und Tanz sowie eine Tombola sind vorbereitet.

In Bad Belzig gibt es noch die kommunale Wohnungsgesellschaft (Bewog) sowie die Wohnungsgenossenschaft „Klinkengrund“ (ehemals Arbeiterwohnungsgenossenschaft Aufbau).

Das mag ein Grund dafür gewesen sein, dass es Schulzes immer in ihrer Wohnung hielt. Als die Töchter zur Welt kamen, sind nicht die jungen Leute mit ihnen in ein größeres Domizil umgezogen. Sondern für die Schneiders senjor, die sich vor dem Alleinsein in der „großen Wohnung“ fürchteten, wurde gleich in der Nachbarschaft eine neue Bleibe im nunmehr wachsenden Viertel gefunden.

Keine Sehnsucht nach Eigenheim

Ein Eigenheim sei jedenfalls nicht sein dringlichster Wunsch gewesen, sagt Reinhold Schule. Zu Zeiten der DDR-Mangelwirtschaft hätte er sich nicht dem Stress der Materialbeschaffung aussetzen wollen. Nach der Wende war er bis 2007 für die Verkehrsgesellschaft mit dem Bus auf Achse in ganz Europa. „Da wäre es nicht so einfach gewesen, sich um den Bau zu kümmern“, sagt der 75-Jährige. Noch sind die Treppen zu schaffen, berichtet er. Heutzutage bringt einen mehr als früher jedenfalls die Hitze mehr zum Schwitzen.

Von René Gaffron

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