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Wiesenburg Digitaler Campus: Tausend tolle Ideen für Wiesenburg
Lokales Potsdam-Mittelmark Wiesenburg Digitaler Campus: Tausend tolle Ideen für Wiesenburg
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11:21 09.11.2019
Viele Ideen wurden erörtert zur Zukunftswerkstatt in Wiesenburg. So auch mit Bürgermeister Marco Beckendorf. Quelle: Eva Loth
Wiesenburg

Eigentlich geht Thomas Kralinski, Staatssekretär für Digitales im Land Brandenburg, die Digitalisierung nicht schnell genug. Obwohl das Land dafür in den nächsten Jahren fast 800 Millionen Euro in die Hand nimmt, reifen viele Ideen jedoch langsamer als erwünscht.

Einer guten Resonanz erfreute sich die Zukunftswerkstatt der Gemeinde Wiesenburg/Mark.

Das wurde jetzt bei der Zukunftswerkstatt der Gemeinde Wiesenburg/Mark deutlich. Dort ging es am Donnerstagabend um die Entwicklung des Smart-Village-Campus, also eines Wohn- und Arbeitsortes für Akteure, die über das Internet arbeiten. Dieser Campus umfasst die brach liegenden Areale der ehemaligen Brauerei und der Drahtzieherei samt Sozialgebäude.

Thomas Kralinski äußerte sich jedoch zuversichtlich in Wiesenburg: „Das, was hier entsteht, könnte für andere zukunftsweisend sein“, so der Landespolitiker.

Für die Veranstaltung hatte sich Bürgermeister Marco Beckendorf (Die Linke) Unterstützung vom Verein „Silicon Sanssouci“ aus Potsdam geholt. Er ist ein Netzwerk von 30 Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie. Deren Ziel ist es, das Profil der Landeshauptstadt als exzellentem IT-Standort zu schärfen, aber auch Unterstützung für umliegenden Regionen anzubieten. Das Team war mit sechs Leuten dabei, welche die Diskussion unterstützen und die Arbeitsgruppen moderierten.

Die Grafik zeigt den Ort Wiesenburg mit den drei Entwicklungs-Objekten alte Brauerei, Sozialtrakt und ehemalige Drahtzieherei. Quelle: privat

Marco Beckendorf gab zunächst einen Überblick über die Vorhaben der Gemeinde. Sie sei beim Drahtwerk schon etwas weiter als bei der Brauerei. Gearbeitet werde an einem Bebauungsplan, das ehemalige Sozialgebäude wurde erworben. Im Bürogebäude stehen bereits 20 Büros zu Verfügung, die ab kommendem Jahr genutzt werden können. Der Vorteil ist, dass es zusätzlich Speiseraum, Toiletten und Duschen gibt. So könnten Unternehmer, die im Moment ihr Büros noch zu Hause haben, hier in Ruhe arbeiten und so Berufliches und Privates besser trennen.

Wettbewerb für Architekten

Für den Sozialtrakt werde es im kommenden Jahr einen Architektenwettbewerb geben. Mit dem Brauereigelände werde es länger dauern. „Fünf bis zehn Jahre“, schätzt der Verwaltungschef. Derzeit sei die Gemeinde dabei, das Zwangsversteigerungsverfahren für den insolventen Besitzer in die Wege zu leiten, um das Gelände zurück zu bekommen. Aber Ideen sollten auch jetzt schon eingebracht werden.

Die Zukunftswerkstatt in Wiesenburg war gut besucht. Viele Bürger brachten Ideen ein. Quelle: Eva Loth

Und die sprudelten bereits von den zahlreichen Teilnehmern. Dennis Bohne vom Verein „Silicon Sanssouci“ sammelte diese, um aus den Themen verschiedene Arbeitsgruppen bilden zu können. In diesen sollten die Vorschläge vertieft werden.

Ganz oben an stand für die meisten die Schaffung von Wohnraum. „Viele, die vielleicht hier arbeiten, wollen sich nicht gleich ein Haus mit Grundstück kaufen, sondern erst mal zur Miete wohnen“, erklärte Johannes Blatt seinen Gedanken.

Handwerkerhof mit Ausbildungsort

Dabei sollte man aber auch die nicht aus den Augen verlieren, „die hier aufgewachsen sind und in der Heimat bleiben wollen“, ergänzte Barbara Klembt, die ehemalige Bürgermeisterin. Sie kann sich ein Generationen-Wohnen vorstellen.

Die weiteren Ideen waren vielfältig. Sie reichen von einem Marktplatz, über Museum, Übernachtungsmöglichkeiten und Erlebnistourismus bis zu einem Handwerkerhof, auf dem auch Ausbildungen stattfinden. Auch Treffpunkte fehlen, bemängelten viele. Dabei dachten sie nicht zwingend an Gastronomie.

Eigene Küche großes Thema

Ein Thema, das alle bei der Zukunftswerkstatt bewegte, war der Aufbau einer eigenen Küche der Gemeinde. Derzeit wird in Sozialausschuss und Gemeindevertretung gerade wieder über die Essensversorgung in den Kindertageststätten debattiert. Sie wird aktuell durch Caterer gewährleistet, entspreche aber bei weitem nicht den Vorstellungen der Eltern.

Mit einer eigenen Küche könnten die Kitas der Gemeinde, die Grundschule, aber auch Rentner und Berufstätige versorgt werden. Und das mit regionalen Produkten – Produzenten gebe es ja in der Region. Die weiten Anfahrtswege für das Essen würden entfallen, mit der Schaffung eines Speiseraums würde zusätzlich ein Treffpunkt entstehen, hieß es zu der Idee. Konkurrenz zur örtlichen Gastronomie wird nicht befürchtet.

„Es soll keine klassische Kantine mit Currywurst und Bouletten werden, sondern es soll dort nach DEG-Richtlinien gekocht werden“, schlug Daniela Rabinowitsch in der Runde vor. Möglich werden könnte das im ehemaligen Sozialtrakt der Drahtzieherei. Denn dort gab es früher Speiseraum und Küche. Ein wenig Marktforschung sei nötig zur Anzahl der möglichen Essensabnehmer.

Kritik am Nahverkehr

Neben den Themen Wohnen, Tourismus und Unternehmensgründung stand zudem der öffentliche Nahverkehr weit oben auf der Wunschliste zur Zukunftswerkstatt. Mobilität sei Dreh- und Angelpunkt für viele Ideen und entspreche momentan nicht den Vorstellungen vieler Bürger.

Das fange an bei einer Busverbindung zum Bahnhof und ende bei den Verbindungen zu den Dörfern. Diese Erfahrung musste auch Dennis Bohne machen. Er stand an dem vom Ort abgelegenen Bahnhof und wusste nicht, „wie ich – außer zu Fuß – mit Sack und Pack nach Wiesenburg kommen sollte“.

Zur Zukunftswerkstatt in Wiesenburg ist in Arbeitsgruppen viel diskutiert worden. Quelle: Eva Loth

Die Gemeinde habe zu dem Thema bereits eine Stellungnahme an den Landkreis abgegeben. Das größte Problem sei die Koordinierung der Busfahrzeiten mit denen der Züge, erklärte Marco Beckendorf.

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Bereits in der ersten Runde der Ideenfindung machte Kornelia Stephan den Vorschlag, am Bahnhof und in Wiesenburg Leihfahrräder zu stationieren. Außerdem sollte man „Digitales und Reales kombinieren“, so die Meinung von Lars Geißler vom Verein „Silicon Sanssouci“. Er denkt dabei an die Mobilfunk-App „Share1Car“ zum Teilen von Autos. Auch ist er begeistert von der Idee der Mitfahrbänke, an denen Kraftfahrer Personen mitnehmen können.

Autonomes Fahren als Problemlösung

Eine weitere Idee wäre das autonome Fahren. Das Land Brandenburg sei derzeit auf der Suche nach Teststrecken, um Fahrzeuge mit fünf bis sechs Sitzplätzen dafür zu testen. Die Strecke vom Wiesenburger Bahnhof in den Ort würde sich bestens anbieten. Später könnte die Aktion so ausgeweitet werden, „dass man sich solch ein Fahrzeug nach Hause bestellen kann“, so Geißler.

Nach der Veranstaltung blickt Bürgermeister Marco Beckendorf optimistisch in die Zukunft. Er wisse aber auch, „dass wir sicher nicht alle Wünsche werden realisieren können und dass alles seine Zeit braucht“. Diese erste Bürgerbeteiligung sei aber ein „extrem wichtiger Schritt“ gewesen. „Was heute zusammengetragen wurde, wird das Kernstück für die Brauerei sein“, sagte der Rathauschef“, am Donnerstagabend. „Am Geld wird es nicht scheitern auf Grund der zu erwartenden Förderungen, maximal am fehlenden Personal“, so Beckendorf.

Von Eva Loth

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