Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Wildschwein rennt Seniorin samt Dackel um
Lokales Potsdam-Mittelmark Wildschwein rennt Seniorin samt Dackel um
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 10.02.2019
Immer wieder sorgen Wildschweine für Ärger. Quelle: dpa/Carsten Rehder
Anzeige
Stahnsdorf

Umgegrabene Vorgärten, Randale in einem Stahnsdorfer Friseursalon: Die Wildschweinplage in Stahnsdorf spitzt sich immer weiter zu. Nun ist sogar eine alte Dame bei einem Zusammentreffen mit einem Wildschwein verletzt worden. Gisberth Risch war dabei.

Eigentlich habe er mit seiner Frau Roswitha und dem kleinen Mischlingshund Willy nur einen Spaziergang machen wollen, berichtet der Stahnsdorfer. Im Grashüpferviertel, einer Eigenheimsiedlung mit idyllisch klingenden Straßennamen: Hier wohnt man im Glühwürmchenweg oder im Schmetterlingsring. Drei Spielplätze gibt es in der Siedlung, es ist ein Ort zum Wohlfühlen. Doch für Gisberth und Roswitha Risch ist das Grashüpferviertel nun auch ein Ort der Aufregung. „Wir waren mit Willy draußen“, erinnert sich Risch, „in der Nähe des Wassergrabens.“ Dieser befindet sich genau neben einem der Spielplätze, der Graben ist durch Zäune gesichert.

Anzeige

Opfer konnte nichts erkennen

Mehr zum Thema

Die Wildschweinplage ist hausgemacht“: Das sagen Experten

Eine Rotte am hellichten Tag: Erstmals gibt es Bilder aus Kleinmachnow

Mit Pfeil und Bogen: Bürgermeister will Wildschweine jagen

Was tun?: Richtiges Verhalten, wenn plötzlich ein Schwein vor mir steht

Auf der anderen Seite bemerkt das Stahnsdorfer Ehepaar etwas Ungewöhnliches. Ein dunkler Schatten fegt vorbei, plötzlich liegt eine Frau am Boden. „Da war dieses rennende Wildschwein“, sagt Gisberth Risch. Das Tier erwischt eine Spaziergängerin, eine Stahnsdorfer Seniorin. Ihr Krückstock liegt neben ihr. Auch sie war mit ihrem Hund spazieren, die Leine ihres Dackels hält sie in der Hand. „Ich bin sofort zu der Dame hin“, sagt Risch, „ich musste ihr doch helfen.“

Was genau der Seniorin – der Helfer schätzt sie auf 70 bis 80 Jahre – passiert ist, kann sie selbst in diesem Moment nicht einschätzen – und bis Redaktionsschluss war sie nicht erreichbar. „Sie sagte, sie habe kaum etwas gesehen, weil alles so schnell ging, vermutete aber einen großen Hund“, sagt Risch. Er habe sie dann aufgeklärt, dass ein Wildschwein der Übeltäter war. Die Seniorin habe keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen wollen, der Ersthelfer vermutet, sie könne unter Schock gestanden haben. „Aber sie wollte unbedingt nach Hause gehen“, die Dame wohnt in der Nähe des Spielplatzes.

Risch hat den Vorfall dem Ordnungsamt gemeldet. „Ich hatte aber nicht den Eindruck, dass die irgendetwas unternehmen wollen“, sagt er. „Wir leben ja nun schon etliche Jahre damit, dass die Schweine auftauchen“, so Gisberth Risch weiter.

Stahnsdorf und seine Nachbargemeinde Kleinmachnow stehen im Zentrum einer Schweineplage, Klagen über zerstörte Gärten gibt es schon lange, in der letzten Zeit kursieren immer wieder Videos von ganzen Rotten, die durch die Orte ziehen. Ein Stahnsdorfer Friseursalon wurde vor einigen Tagen von einem verletzten Schwein verwüstet – ungefähr zur selben Zeit, als die alte Dame mit einem Tier zusammenstieß. Nur wenige hundert Meter entfernt. Der Stahnsdorfer Bürgermeister Bernd Albers will die Tiere deshalb auch innerstädtisch jagen lassen; ob seine Forderung nach einer Jagd mit Pfeil und Bogen umgesetzt werden kann, wird derzeit allerdings noch geprüft.

Der Stahnsdorfer SPD-Fraktionsvorsitzende Dietmar Otto fordert, der für Stahnsdorf zuständige Jagdpächter möge „zumindest die moralische Verantwortung für sein Unterlassen übernehmen und den im Friseurgeschäft entstandenen Schaden ersetzen“. Experten hätten festgestellt, dass der Jagdpächter in den letzten Jahren nicht für ausreichende Abschüsse von Bachen gesorgt habe.

Von Saskia Kirf