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Potsdam-Mittelmark Windpocken: Eltern sind verunsichert
Lokales Potsdam-Mittelmark Windpocken: Eltern sind verunsichert
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00:24 29.03.2019
An der evangelischen Grundschule der Hoffbauerstiftung in Kleinmachnow haben die Klassenlehrer die Nachweise über die Immunität eingesammelt. Quelle: Archiv/Christel Köster
Region Teltow

Scharfe Kritik üben Eltern am Gesundheitsamt Potsdam-Mittelmark, das überprüft hat, ob die Kinder der Kleinmachnower Waldorfeinrichtungen ausreichend gegen Windpocken geschützt sind. An der Schule sei ein Tor abgeschlossen gewesen, der Hausmeister habe aufpassen müssen, dass sich niemand durchschummelt, erzählt Verena Eidel, Mutter einer Siebtklässlerin. Am anderen Tor habe man sich angestellt, einer nach dem anderen sei kontrolliert worden. Schüler der höheren Klassen mussten keinen Impf-Nachweis vorzeigen, ab Jahrgang 2004 wurde er abgefragt. Wer keine Immunität nachweisen konnte, wurde nicht in die Schule gelassen.

Schüler der höheren Klassen mussten keinen Impfnachweis erbringen, ab dem Jahrgang 2004 wurde er abgefragt. Quelle: imago stock & people

Dass der Impfstatus kontrolliert wird, hatte Eidel erst am Nachmittag zuvor erfahren – und sie vor größere Probleme gestellt, da der Impfpass ihrer Tochter nicht greifbar war. Als sie dann ein Foto davon vorzeigte, stellte sich heraus, dass nur die erste Teilimpfung vorhanden war – ihre Tochter hatte sich bei ihrer an Windpocken erkrankten älteren Schwester nicht angesteckt, also hatte man sich über einen fehlenden Schutz keine Gedanken gemacht.

Eine Mutter ist verängstigt

Nun ging Eidel direkt mit ihr zum Impfen. Doch obwohl sie die entsprechenden Nachweise – wie verlangt – direkt an das Gesundheitsamt schickte, hieß es, dies würde nichts nutzen. Auf ihre Beschwerde, weshalb man ihr das nicht schon zuvor auf ihre telefonische Anfrage hin so gesagt habe, bekam sie zur Antwort, sie solle sich doch freuen, ihr Kind sei jetzt geimpft. Auch wenn es jetzt nicht zur Schule dürfe, so doch wenigstens beim nächsten Windpocken-Fall. „Diese Aussage hat mir Angst gemacht. Wird das jetzt immer so ablaufen?“, sagt sie, „ich bin zwar kein großer Impfgegner, doch es geht mir um einen Bereich, in dem noch die freie Entscheidung gilt, die Freiwilligkeit. Sonst wird demnächst auch nach Grippe-Impfungen und so gefragt.“

Ihre Tochter darf zwar jetzt nach einer weiteren Entscheidung des Gesundheitsamtes doch wieder in die Schule, letzten Endes hat Eidel die ganze Sache aber viel Zeit gekostet. Auch die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme kritisiert sie.

Gesundheitsamt folgt Robert-Koch-Institut

Nachdem eine Siebtklässlerin in der Kleinmachnower Waldorfschule an Windpocken erkrankt war, überprüfte das Gesundheitsamt am vergangenen Freitag erstmals den Immunitätsstatus aller Schüler und Schülerinnen der Einrichtung, die ab 2004 geboren sind. In diesem Jahr nahm die Ständige Impfkommission (STIKO) die Windpockenimpfung in ihre Empfehlung auf.

In der Folge wurde der Impfstatus der Kinder an der Kleinmachnower Waldorfschule überprüft. Auch am dazugehörigen Kindergarten in Stahnsdorf wurde nach einem Windpocken-Fall kontrolliert, gestern wurde das Gesundheitsamt an der evangelischen Grundschule der Hoffbauer-Stiftung aktiv.

In der Stahnsdorfer Waldorf-Kita wurden bei 38 Kindern zwölf Besuchsverbote ausgesprochen, acht Fälle sind noch ungeklärt.

Die Windpocken-Impfung besteht aus zwei Teilen, meist rund um den ersten und vor dem zweiten Geburtstag. Auch ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene können sich impfen lassen.

Das Verbot, eine Einrichtung zu besuchen, wird vom Gesundheitsamt aufgrund des Infektionsschutzgesetzes ausgesprochen. Es kann auch ohne Impfpflicht ausgesprochen werden, um die Weiterverbreitung von ansteckenden Krankheiten zu verhindern.

Das Gesundheitsamt geht dabei nach Auskunft des Landkreises nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes vor.

Keine Türkontrollen gab es im Waldorf-Kindergarten in Stahnsdorf, doch das Auftreten der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes habe die Kinder nachhaltig verunsichert, erzählt Carolin Huder, die zwei Kinder in der Einrichtung hat. Am Freitag habe sie die Information erreicht, dass es einen Windpocken-Fall gebe und vielleicht mit Kontrollen zu rechnen sei. Ihr jüngeres Kind hat nur die erste Teilimpfung – nun solle es bis 7. April zuhause bleiben, lautete die Anweisung.

Das Problem: Carolin Huder bekommt keine Krankschreibung, da das Kind ja gesund ist. Um ihr Zweijähriges zu betreuen, müsste sie also Urlaub in Anspruch nehmen. „Am Ende sind es wieder die Mütter, die das mit ihrem Job auf die Reihe bekommen müssen“, schimpft sie. Als sie dies im Gesundheitsamt schilderte, gab es die Erlaubnis, dass Kinder mit nur einer Teilimpfung doch in die Kita dürfen.

Keine klaren Richtlinien

Huder ärgert sich über das Vorgehen: „Wenn es nur um die Gesundheit geht, kann man die Eltern rechtzeitig informieren. Dass nur die nach 2004 Geborenen überprüft werden und nicht auf Geschwisterkinder geachtet wird – das zeigt, dass es um ein Politikum geht.“ Auch Eidel denkt, dass mit diesen Kontrollaktionen etwas angestoßen werden soll, vielleicht sollen sie der Start für die Einführung einer Impflicht sein? „Ich würde mir da aber eine klare Kommunikation und Diskussion wünschen. Wenn man damit durch die Hintertür kommt, wirbelt man an einer Stelle Dinge auf, die nicht notwendig sind.“

Beide Eltern kritisieren, dass es offenbar keine klaren Richtlinien gibt. Das wird auch klar, wenn man die Abläufe an der Waldorfschule mit den gestrigen Kontrollen in der Hoffbauer-Grundschule vergleicht, an der es laut Vorstandsvorsitzendem Frank Hohn einen Verdachtsfall auf Windpocken gab. Dort wurden die Nachweise – Impfpässe, Titerbestimmung oder eine ärztliche Bestätigung über die durchgemachte Erkrankung – von den Klassenlehrern eingesammelt. „Keine Einlasskontrolle, keine weinenden Kinder, keine schimpfenden Eltern. Alles sehr entspannt und normal“, schildert eine Mutter. Kontrolliert wurde dann vom Gesundheitsamt im Hintergrund.

Schule müssen Fälle melden

Dieser Vorgang sei vom Amt vorgeschrieben worden, bestätigt Hohn. Das Ergebnis: Von 299 Kindern wurden zehn bis zum 7. April vom Unterricht ausgeschlossen, 22 waren gestern nicht erschienen. Die Eltern sind „leicht verunsichert“, beschreibt eine Mutter die Situation. Sie findet die Kontrollen sinnvoll. Doch nicht alle schließen sich ihrer Meinung an, bestätigt sie.

An der dritten Kleinmachnower Schule in privater Trägerschaft, der Berlin Brandenburg International School (BBIS), soll das Gesundheitsamt am Freitag sogar direkt nachgefragt haben, ob Windpocken-Fälle bekannt sind. An den kommunalen Schulen ist eine solche Abfrage hingegen nicht bekannt. Der Landkreis dementiert: Aktiv werde vom Gesundheitsamt gar nicht abgefragt, die Leiter der Einrichtungen seien verpflichtet, Fälle sofort zu melden.

Von Konstanze Kobel-Höller

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