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Potsdam-Mittelmark Wo sich Amputierte gegenseitig helfen
Lokales Potsdam-Mittelmark Wo sich Amputierte gegenseitig helfen
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02:16 07.04.2018
Sylvia Wehde ist in Schmergow aufgewachsen und lebt seit mehr als 20 Jahren in Glindow. Quelle: Luise Fröhlich
Glindow

Wenn Sylvia Wehde mit ihrem Enkel ins Schwimmbad fährt, hat sie ordentlich zu schleppen. In einer Tasche trägt sie Handtücher und Badeanzug. Die andere ist bepackt mit zwei Beinprothesen, die sie zum Baden anziehen muss. Für die 56-jährige Glindowerin ist es ein riesiger Aufwand. Manchmal sind die Spinde zu klein und oft wird sie von anderen im Schwimmbad angestarrt. „Es gibt Tage, da fällt es mir leicht, damit umzugehen. Dann gehe ich zu den Leuten und frage, ob ich Speck in den Taschen habe“, erzählt sie. An anderen Tagen erträgt sie die Blicke schwerer. Am Ende aber lohne es sich. Für Sylvia Wehde bedeutet das Baden mit ihrem Enkel ein Stückchen Freiheit – ein Gefühl, das sie anderen Amputierten vermitteln will.

Seit fünf Jahren leitet sie gemeinsam mit Wolfgang Hahn den Amputierten Treffpunkt Berlin-Brandenburg. Los ging es mit sieben Mitstreitern. Mittlerweile hat sich die Initiative zu einer gemischten Selbsthilfegruppe entwickelt. Mehr als 40 Arm- und Beinamputierte sowie deren Angehörige zählen dazu. Zu den Treffen einmal im Monat kommen zwischen 25 und 30 Betroffene. „Wir sind glücklich, dass wir so einen großen Zulauf haben“, berichtet Sylvia Wehde. Auch außerhalb des Treffens in der Villa Donnersmarck in Berlin-Zehlendorf steht sie Betroffenen Rede und Antwort. Die Bandbreite an Fragen sei riesig und die Themen so vielfältig wie die Menschen selbst.

Jeden zweiten Freitag im Monat trifft sich die Selbsthilfegruppe in Berlin-Zehlendorf. Quelle: Privat

Sylvia Wehde erlebte 1987 die erste Amputation am linken Fuß. Vor neun Jahren wurde ihr der rechte Unterschenkel abgenommen. Dank Prothesen ist ihr Handicap nicht sofort erkennbar. Sie kam mit Klumpfüßen zur Welt, lernte früh mit der Einschränkung zu leben und litt später unter offenen Beinen. Sie selbst bezeichnet ihre Amputationen mehr als eine Erlösung. „Ich bin da nicht das typische Beispiel“, sagt sie. Denn üblicherweise empfinden es die Betroffenen als Trauma. Es bringe sie körperlich und geistig völlig aus dem Gleichgewicht. Die gelernte medizinische Laborantin möchte den Menschen dabei helfen, zurück in ihr Leben zu finden. „Amputation ist nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang. Das ist auch unser Slogan“, erzählt die Frührentnerin.

Streit mit Kostenträgern

Die Betroffenen in der Selbsthilfegruppe kommen aus Zossen, Teltow, Werder, Brandenburg/Havel, Berlin oder aus Magdeburg. Einige sieht sie regelmäßig bei den Treffen, zu anderen hat sie nur telefonischen Kontakt. Sie fragen um Rat, wenn die Prothese drückt, wenn sie Druckstellen verursacht oder der Schuh zu klein ist. „Uns wird immer wieder klar, dass die Amputierten zu kurz in der Klinik sind. Wenn sie entlassen werden, haben sie noch etliche Fragen“, so die Glindowerin. Oft geht es um alltägliche Dinge. Etwa wenn der allein lebende Amputierte zurückkehrt in seine Wohnung im dritten Stock ohne Fahrstuhl. Wie kommt er die Treppen hinauf? Wer geht für ihn einkaufen?

Oft sind die Betroffenen aber auch dem Streit mit Kostenträgern ausgesetzt. „Das macht es noch zusätzlich schwer“, sagt Sylvia Wehde. Denn gerade am Anfang sind sie oft mit anderen Dingen beschäftigt, wie dem Laufenlernen mit der Prothese oder dem Anpassen der Gehhilfe beim Techniker.

Problematisch sei zum Beispiel auch, dass es erst ab 80 Prozent Schwerbeschädigung einen Ausweis für einen Behindertenparkplatz gibt. „Eine Amputation am Oberschenkel allein reicht für einen solchen Ausweis noch nicht aus“, so Sylvia Wehde.

Spargelessen und Gehschul-Workshop

Der Werderaner Rotary Club hat die Arbeit des Treffpunktes jüngst mit einer Spende in Höhe von 200 Euro unterstützt. Für Projekte könne der Treffpunkt zwar Geld bei Krankenkassen beantragen, aber das reiche oft nicht aus, wie Sylvia Wehde erklärt. „Wir haben uns bei den Rotariern vorgestellt, nachdem eine neue Mitstreiterin den Kontakt hergestellt hat. Dass wir tatsächlich mit einer Spende bedacht wurden, freut uns sehr.“ Investiert wird das Geld in laufende Projekte.

Im Mai will die Gruppe zum Beispiel zur „OT-World“ nach Leipzig fahren, eine Messe für alle Leistungserbringer, Hersteller und Händler im Bereich der modernen Hilfsmittelversorgung. „Die Prothesen-Technik entwickelt sich ständig weiter“, erzählt Sylvia Wehde. Teilweise tragen Mitglieder der Gruppe schon seit 40 Jahren Prothesen und haben die Entwicklung von Holz zu Carbon verfolgt. Außerdem geplant ist ein gemeinsames Spargelessen im Juni und im August ein Gehschul-Workshop.

Beratungen direkt am Krankenbett

Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe sind zwischen 25 und 89 Jahre alt. Engen Kontakt haben sie unter anderem zu einer Physiotherapieschule in Berlin. Einige stellen sich dort als Probanden für die Schüler zur Verfügung.

Sylvia Wehde hat unter anderem an einer Peer-Schulung teilgenommen. „Peers“ gehen auf Anfrage ans Krankenbett des Amputierten und beraten auf Augenhöhe. Regelmäßig stellen sie sich in Kliniken, in Sanitätshäusern oder bei Kontaktstellen vor.

Kontakt: berlin-brandenburg@amputiertenselbsthilfe.de

Von Luise Fröhlich

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