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Potsdam-Mittelmark Krieg im Wald: Woher die Munition kommt
Lokales Potsdam-Mittelmark Krieg im Wald: Woher die Munition kommt
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17:20 28.08.2018
Wie auf dieser Aufnahme, die nach erbitterten Kämpfen um die Seelower Höhen entstand, verloren auch in den Wäldern südwestlich von Potsdam tausende Soldaten auf beiden Seiten ihr Leben. Quelle: privat
Treuenbrietzen

Lebensgefahr für Feuerwehrleute! Weil in den brennenden Wäldern Weltkriegsmunition lauert, müssen sich die Einsatzkräfte auf Bundeswehr-Panzer verlassen, die ihnen Schneisen in den verkohlten Busch schlagen. Hubschrauber helfen aus der Luft. So ist es bei Treuenbrietzen, so war es in Fichtenwalde. Selbst wo es keine Truppenübungsplätze gibt, liegt ein brisantes Erbe im Boden. Doch warum ist ausgerechnet ein Gebiet zwischen Lehnin, Ferch, Beelitz und Treuenbrietzen besonders mit Sprengkörpern verseucht? Die letzten Kriegstage 1945 geben eine Antwort.

In amerikanische Gefangenschaft

Es gelang der Armee Wenck an die 3000 Verwundete aus Beelitz-Heilstätten herauszuholen und in Richtung Elbe abzutransportieren. Aufgenommen wurden die aus dem eingeschlossenen Potsdam ausgebrochene Militärs sowie über 20 000 Soldaten der 9. Armee (Kesselausbruch) und Tausende Flüchtlinge.

Die 12. Armee kapitulierte auf ihrem Rückzug nach Westen Anfang Mai 1945 im Rathaus von Stendal. Tausende von Soldaten gelang noch der Übergang über die Elbe. Das Herüberlassen der Zivilbevölkerung wurde von den Amerikanern abgelehnt. Armeebefehlshaber Wenck ging mit einem der letzten Schlauchboote in amerikanische Gefangenschaft.

Die Schlacht an der Oder, der Kessel von Halbe – die Mark Brandenburg kennt viele blutige Schauplätze des Zweiten Weltkrieges. Beinahe in Vergessenheit geraten sind die erbitterten Waldkämpfe südwestlich von Potsdam. Dort standen sich Ende April/Anfang Mai 1945 die 12. Armee, nach ihrem Oberbefehlshaber Walther Wenck auch Armee Wenck genannt, und die sowjetische 4. Gardepanzerarmee gegenüber.

Ausgerechnet die Armee mit den jüngsten Soldaten der Wehrmacht sollte bis nach Berlin vordringen, Wenck war Hitlers letzte Hoffnung in der Schlacht um die Reichshauptstadt. Doch die 12. Armee kam nur etwa 60 Kilometer an Berlin heran. Ihre Divisonen hielten allerdings hartnäckig eine Verteidigungslinie, die von Ferch bis Niemegk verlief. Die Kämpfe mit den aus Osten und Südosten vorrückenden Rotarmisten waren fürchterlich. Manche Dörfer wechselten mehrfach den Besitzer, allein Beelitz dreimal.

Ein letztes Aufbäumen

Für Frank Brekow vom Arbeitskreis Militärgeschichte in Brandenburg an der Havel ist die hohe Belastung der Region mit Weltkriegsmunition kein Wunder. „Der Vorstoß der 12. Armee in Richtung Berlin war das letzte große Aufbäumen der Wehrmacht. Das führte zwangsläufig zu massiven Gegenschlägen der Roten Armee. Es wurde aus allem gefeuert, was Rohre hatte“, berichtet Brekow.

Bei Treuenbrietzen ist die Bundeswehr mit Panzern im Einsatz, um Schneisen für die Feuerwehrleute zu schlagen. Quelle: Julian Stähle

Auf deutscher Seite waren es vor allem Sturmgeschützgruppen, die zu Geländegewinnen beitrugen. Sturmgeschütze (Kaliber 7,5 Zentimeter) ersetzten die nicht mehr vorhandenen Panzer, waren aber selbst als Panzerabwehrwaffe bei den sowjetischen T-34-Besatzungen gefürchtet. Außerdem bildeten Infanteristen Panzerfaust-Kommandos, um sowjetische Vorausabteilungen zurückzudrängen. Die Rote Armee konterte mit Schlachtfliegern, Artillerie, noch mehr Panzern und Salvengeschützen (Stalinorgel). Tonnenweise gingen Bomben und Granaten nieder. Die Übermacht war gewaltig. An der Potsdamer Autobahnspinne „Leipziger Dreieck“ fuhren die Sowjets bereits sogenannte Stalinpanzer auf, die mit 15,2-Zentimeter-Haubitzen ausgerüstet waren.

Auf kurzem Weg entsorgt

Vor ihrem Rückzug in Richtung Elbe gelang es der 12. Armee am 1. Mai 1945 südlich von Beelitz Teile der aus dem Kessel von Halbe ausgebrochenen 9. Armee aufzunehmen. Von 20 000 bis 30 000 Mann ist die Rede. Dazu kamen tausende Flüchtlinge. Das bereits von den Roten Armee besetzte Beelitz-Heilstätten wurde zuvor am 28. April 1945 noch einmal von der Wehrmacht eingenommen. Rund 3000 deutsche Verletzte wurden Richtung Westen abtransportiert.

78 Jahre später erinnern Munitionsfunde, wie die beiden von der Bundeswehr geborgenen Panzergranaten, an die Dramen, die sich 1945 in der Region abspielten. So wurden Munitions-Lkw beim Rückzug kurzerhand entladen, um an Fluchtfahrzeuge zu kommen. Was bei Kriegsende an Geschossen herumlag, wurde in der Regel auf kurzem Weg entsorgt. „Wehrmachtspioniere gab es nicht mehr. Und natürlich wollte niemand mit Handgranaten in der Jacke zu den Russen gehen. Also haben die Waldbesitzer das explosive Erbe kurzerhand in Granattrichtern und verlassenen Stellungen entsorgt“, meint der Militär-Kenner Frank Brekow. Alles Geschichten, von denen heute Feuerwehren eingeholt werden.

Von Frank Bürstenbinder

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