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Potsdam-Mittelmark Wohnungen auf dem Spezialbaugelände?
Lokales Potsdam-Mittelmark Wohnungen auf dem Spezialbaugelände?
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20:22 27.11.2017
Auf einem anderen Teil des Geländes drehen sich die Kräne: Dort, wo früher die Autowaschstraße war, entsteht eine neue Werkstatt für ATU. Quelle: Friedrich Bungert
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Bergholz-Rehbrücke

Nach dem Scheitern der Wiederansiedlung eines Baumarktes auf dem ehemaligen Spezialbaugelände am Bahnhof in Bergholz-Rehbrücke könnten die Weichen für den Mittelteil des Gewerbegebietes komplett neu gestellt werden. Einer der beiden maßgeblichen Flächeneigentümer, der Berliner Arzt Daniel Panzer, will dort jetzt auf den Bau von Wohnungen setzen. Rudolf Zeeb, bis 2016 Chef der Brandenburger Staatskanzlei, hatte im Ortsentwicklungsausschuss deshalb die Bitte an die Gemeinde Nuthetal herangetragen, das „Mischgebiet“, das bisher nur für den vorderen Teil des Gewerbeareals an der Arthur-Scheunert-Allee ausgewiesen ist, auf den mittleren Bereich auszudehnen, um dort Wohnungsbau zu ermöglichen. Zeeb war nach eigenen Angaben im Auftrag der Pohland Projekt & Bau GmbH im Ausschuss, die als Projektentwickler fungieren würde, falls der Wohnungsbau-Plan umgesetzt werden kann.

Derzeit hat der Mittel-Teil im Gewerbegebiet den Status „eines Sondergebietes für großflächigen Einzelhandel“, sagte Nuthetals Bauamtsleiter Rainer vom Lehn. Den ursprünglichen Plan des Eigentümers, nach der Schließung des Toom-Marktes wieder einen Baumarkt mit etwas größerer Verkaufsfläche anzusiedeln, hatte allerdings die Landesplanungsabteilung abgelehnt (MAZ berichtete). So kam es zur Neuorientierung und zum Wunsch an die Kommune, den Weg für Geschosswohnungsbau zu öffnen. Die Pohland GmbH als Projektentwickler sei überzeugt davon, „dass an der Stelle Wohnungen funktionieren“, sagte Zeeb und verwies auf eine hervorragende Anbindung des Gebiets an den Bahnverkehr und ans Potsdamer Straßenbahnnetz.

Bei Nuthetals großem Nachbarn Potsdam lösen die Wohnungsbaupläne an der Stelle allerdings große Sorgen aus. Die Wohnhäuser würden in der Nähe des Industriegebietes entstehen, das sich gleich nebenan auf Potsdamer Seite befindet. Die Bedenken in der Landeshauptstadt, der Bau von Wohnungen auf Rehbrücker Seite könnte zu Konflikten mit dem eigenen Industriegebiet führen, hat Nachbar Nuthetal bereits schriftlich mitgeteilt bekommen. Die Gemeinde, die seit Jahren darum ringt, dem Gewerbeareal am Rehbrücker Bahnhof eine bessere Zukunft zu geben, gerät damit in eine Zwickmühle. „Wir können sowohl Gewerbe als auch Wohnungen gebrauchen“, sagte Nuthetals Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke). Sie sieht die Konstellation ähnlich wie die im Streit um die Ansiedlung des Baumarktes – nur mit unterschiedlichen Vorzeichen. Für den Baumarkt gab es den Segen aus Potsdam, aber ein Nein vom Land. Die Idee, statt auf „großflächigen Einzelhandel“ lieber auf den Bau von Wohnungen zu setzen, soll hingegen aus dem Brandenburger Infrastruktur-Ministerium stammen. Ob der Bebauungsplan-Entwurf fürs Gelände entsprechend geändert wird, hat formell zwar die Nuthetaler Gemeindevertretung zu entscheiden. „Sollte Potsdam aber rigoros Nein dazu sagen, hat sich das erledigt“, sagte Hustig: „Es wird nicht einfach, die verschiedenen Interessen auf einen Nenner zu bringen.“

Nach aktuellem Stand will Potsdam eine Ausweitung des Wohnungsbaus auf dem früheren Spezialbaugelände in Rehbrücke nur bis zu einer Linie in Höhe des Wäldchens an der Beethovenstraße akzeptieren. Laut Zeeb haben potenzielle Investoren für den Bau der Wohnungen jedoch eine wirtschaftliche Mindestgröße im Blick. „Wenn man die Grenze am Wäldchen zieht, scheiden diese Investoren aus“, sagte er. Zeeb zeigte sich überzeugt, „dass man die Probleme lösen kann“. Er hat diese Woche einen Gesprächstermin mit Potsdams Stadtplanungschef Andreas Goetzmann.

Firma ATU bekommt neue Werkstatt

Auf dem Ex-Spezialbaugelände am Rehbrücker Bahnhof entsteht ein Neubau für Autoteile Unger (ATU), der die alte Werkstatt im vorderen Bereich ersetzt. Die neue Werkstatt für 2,2 Millionen Euro soll im Juni 2018 bezogen werden, sagte Guido Bauch von der Immobilien GbR Rehbrücke, die für ATU bauen lässt.

Die Immobilen GbR, der einige Flächen gehören, will zudem das leere „Würfelgebäude“ bis 2019 wieder zum Bürohaus entwickeln.

Was aus den Ex-Bürogebäuden an der Arthur-Scheunert-Allee wird, steht noch nicht fest. Sie könnten als Bürohäuser wieder genutzt werden. Wenn Wohnungen entstehen, was dort ohne Planänderungen möglich wäre, müssten allerdings die alten Bürogebäude vorher abgerissen werden, sagte Bauch.

Von Jens Steglich