Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wusterwitz Also doch: Amtsdirektorin soll abgewählt werden
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Also doch: Amtsdirektorin soll abgewählt werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 15.08.2019
Die Wusterwitzer Amtsdirektorin Ramona Mayer muss sich nach zweieinhalb Jahren im Dienst auf ein Abwahlverfahren einstellen. Quelle: JACQUELINE STEINER
Amt Wusterwitz

Das Dementi hielt nur sieben Tage. Jetzt gehört Jens Borngräber zu den Mitunterzeichnern eines Abwahlantrages gegen die Wusterwitzer Amtsdirektorin. Nach einer Frist von sechs Wochen wird im Amtsausschuss über das Schicksal von Ramona Mayer abgestimmt.

Noch bei der jüngsten Sitzung des Gremiums verneinte der Bensdorfer Bürgermeister öffentlich eine Anfrage von Ronald Melchert über angebliche Abwahl-Diskussionen in Bensdorfer Hinterzimmern.

Dritte Person an der Spitze

Ramona Mayer ist hauptamtliche Beamtin auf Zeit. Das Losglück machte sie am 20. Februar 2017 zur Amtsdirektorin. Pech hatte damals Mitbewerber Jens Borngräber aus Bensdorf. Bei der Abstimmung im Amtsausschuss hatte es ein Patt gegeben.

Die Wusterwitzer Amtsdirektorin hätte noch fünfeinhalb Dienstjahre vor sich. Eine Abwahl ist im Paragraph 138 der Kommunalverfassung geregelt. So ist über den Antrag ohne Aussprache abzustimmen. Der Beschluss über die Abwahl bedarf einer Mehrheit von zwei Dritteln der gesetzlichen Anzahl der Mitglieder des Amtsausschusses.

Ramona Mayer ist die dritte Person an der Spitze des 1992 gegründeten Amtes Wusterwitz. Bis 2000 war zunächst Bernd Harnisch Amtsdirektor. Auf ihn folgte bis 2016 Gudrun Liebener, die 2017 von Ramona Mayer abgelöst wurde. Zum Amt Wusterwitz gehören die Gemeinden Wusterwitz, Rosenau mit Zitz, Warchau, Gollwitz, Rogäsen und Viesen sowie Bensdorf mit Alt- und Neubensdorf, Vehlen und Woltersdorf.

„Das war auch richtig. Es gibt in Bensdorf keine Hinterzimmerpolitik. Die Initiative für den Abwahlantrag ging auch nicht von Bensdorf aus. Ich hätte sonst offen darüber gesprochen“, stellte Borngräber gegenüber der MAZ klar.

Nichtsdestotrotz stehe er zu seiner Unterschrift auf dem Papier. Er habe den Glauben an eine gedeihliche Zusammenarbeit mit der seit gut zwei Jahren im Amt befindlichen Verwaltungschefin verloren, so Borngräber.

Ronald Melchert kündigt Widerstand gegen den Abwahlantrag an. Quelle: MAZ

Der Wusterwitzer Altbürgermeister Melchert glaubt Borngräber dagegen kein Wort.

„Herrn Borngräber müsste eine Nase wachsen wie Pinocchio, weil er sein Amt mit einer Lüge beginnt. Als hätten wir nicht anderes zu tun, als die Amtsdirektorin abzusetzen. Während ihrer ganzen Zeit hat sich Ramona Mayer nichts zu schulden kommen lassen. Was hier läuft, ist einfach frevelhaft“, schäumt Melchert, der im Zuge der Kommunalwahl seine Ehrenämter als Bürgermeister und Amtsausschussvorsitzender verloren hat. Gegenüber der MAZ kündigte Melchert an, dass Abwahlbegehren nicht widerstandslos hinnehmen zu wollen.

Klare Mehrheit

Ein klare Mehrheit im Amtsausschuss kann sich Melcherts Festhalten an der Verwaltungschefin jedoch nicht anschließen. Sechs von acht Mitglieder haben den am 13. August aufgesetzten Abwahlantrag unterzeichnet. Nämlich Lothar Ohge, Rolf Geelhaar, Fred Bärmann, Christina Wartenberg, Jens Borngräber und letztlich auch der neue Wusterwitzer Bürgermeister und Amtsausschussvorsitzende Frank Geue. Was ist da los?

Der Wusterwitzer Bürgermeister Frank Geue gehört zu den Mitunterzeichnern des Abwahlantrages. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Die Amtsdirektorin hat uns als neue Bürgermeister im Regen stehen lassen. Trotz des mehrheitlich von den Wählern herbeigeführten Personalwechsels in allen drei amtsangehörigen Gemeinden ist Frau Mayer nicht auf uns zugekommen“, beklagt sich Geue bitter.

Das Fass zum Überlaufen brachte die erste Amtsausschusssitzung mit der Hiobsbotschaft an die Kommunalpolitiker, sie müssten die Abwasserpreise deutlich erhöhen.

Doch schon vor der Kommunalwahl war der Ruf der Verwaltung ramponiert. Dazu gehörten die Versuche von Mayer für alles Schiefgelaufene Monika Bothe verantwortlich zu machen. Die ehemalige Bauamtsleiterin verlor ihr Ressort, dass Mayer sich selbst direkt unterstellte.

Für den Wusterwitzer Bürgermeister ein Unding. Unglücklich auch das Agieren der Amtsdirektorin bei den Personalquerelen in der Feuerwehr. Vorläufiges Ende war die Berufung eines Amtswehrführers entgegen der fachlichen Empfehlung des Kreisbrandmeisters.

Abstimmung ohne Aussprache

Wie geht es jetzt weiter? Als Amtsausschussvorsitzender hat Geue die Amtsdirektorin in Kopie über den Abwahlantrag informiert. Die Reaktion von Mayer kam prompt. Eine gemeinsame Gratulationscour bei einer goldenen Hochzeit wurde abgesagt.

Außerdem unterrichtete Geue alle Gemeindevertreter im Amtsbereich. Entsprechend einer vom Gesetzgeber vorgesehenen Frist von sechs Wochen wird nach dem 24. September im Amtsausschuss über das berufliche Schicksal von Mayer abgestimmt – und zwar ohne Aussprache.

Am 20. Februar 2017 machte wegen eines Patts bei der Abstimmung im Amtsausschuss das Los Ramona Mayer zur Amtsdirektorin. Erster Gratulant war der unterlegene Mitbewerber Jens Borngräber, der heute zu den Mitunterzeichnern eines Abwahlantrages gehört. Quelle: JACQUELINE STEINER

Der Beschluss über die Abwahl bedarf einer Mehrheit von zwei Dritteln der gesetzlichen Anzahl der Mitglieder. Bleiben alle sechs Unterzeichner des Antrages bei ihrem Willen, muss die Amtsdirektorin unverzüglich gehen. Bis zur Abstimmung dürften die Mehrheitsverhältnisse im Amtsausschuss noch erdrückender werden.

Noch eine Stimme mehr

Auf der September-Sitzung der Wusterwitzer Gemeindevertreter wird Dietrich Wiebeck (SPD) seinen Sitz im Amtsausschuss verlieren, weil Bürgermeister Geue aus der Fraktion der Freien Bauern und Bürger (FBB) austritt. Damit steht dieser Fraktion ein zusätzlicher Sitz auf Kosten der SPD zu. Den Platz soll Thorsten Hufnagel einnehmen.

Bei Einigkeit würden dann sieben Stimmen gegen Ronald Melchert stehen. Sollte es zur Abberufung kommen, kann sich Ramona Mayer juristisch wehren, in dem sie eine mögliche Rechtswidrigkeit der Entscheidung prüfen lässt.

Von Frank Bürstenbinder

Die Bildung des Kreiselternbeirates Potsdam-Mittelmark ist jetzt Pflichtaufgabe. In allen Betreuungsstellen sollen Delegierte bestimmt werden. Doreen Selent erklärt, wie es ablaufen soll.

12.08.2019

Mit diesem Schnitzwerk hat Wilhelm Götze die Lacher auf seiner Seite. Auch 65 Jahre nach seinem Tod amüsieren sich die Menschen über den schwarzen Humor des Puppenspielers – und eine pikante Arbeit.

08.08.2019

Der Kubikmeterpreis wird steigen. Und Verwaltungschefin Ramona Mayer soll sich angeblich ihres Jobs nicht mehr sicher sein können. In Wusterwitz bleibt es turbulent.

06.08.2019