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Wusterwitz Bund denkt nicht an Abriss der löchrigen Wusterwitzer Schleuse
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Bund denkt nicht an Abriss der löchrigen Wusterwitzer Schleuse
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13:35 30.09.2019
Seit sechs Jahren wartet die neue Südkammer der Wusterwitzer Schleuse auf ihre Indienststellung. Doch weil an den Wänden der Beton bröckelt, ist eine Sanierung fällig. Diese könnte im ersten Halbjahr 2020 beginnen. Quelle: Frank Bürstenbinder
Wusterwitz

Burkhard Knuth steht am Geländer und schaut auf sein Sorgenkind – ein elf Meter tiefes Becken aus Beton. Eigentlich hätte der Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Magdeburg (WNA) 2014 den ersten Schubverband in der neuen Schleusenkammer begrüßen sollen, doch seit sechs Jahren ruht in der 65 Millionen Euro teuren Baustelle die Arbeit.

Nordkammer fast 90 Jahre alt

Der Ausbau der Wasserstraßen von Hannover nach Berlin gehört zu den 17 „Verkehrsprojekten Deutsche Einheit“. Nach Fertigstellung sollen durchgängig 185 Meter lange Schubverbände und Güterschiffe bis zu 2000 Tonnen Fracht in beide Richtungen fahren können.

Die neue Südkammer wurde von 2008 bis 2013 errichtet. Wegen der bröckelnden Wände ging sie nicht in Betrieb. Deshalb nutzen Schiffe weiterhin die fast 90 Jahre alte Nordkammer, die allerdings modernen Schiffen zu wenig Tiefgang bietet.

Mit Wusterwitz sorgt auch die bereits erfolgreich erneuerte Schleuse in Zerben dafür, dass Schiffe im Elbe-Havel-Kanal zwischen Magdeburg und Brandenburg einen Höhenunterschied von bis zu elf Meter überwinden.

Weil kurz vor der Inbetriebnahme des Neubaus der Beton anfing zu bröckeln, läuteten bei der Bundesbehörde als Auftraggeber alle Alarmglocken. Die Freigabe wurde abgesagt. Seither wird gerätselt, gestritten und begutachtet. Pfusch oder Materialfehler? Es geht um Millionen. Jetzt endlich sieht der WNA-Chef Licht am Ende der 220 Meter langen Wanne.

Treffen mit der Arge

„Unser Ziel ist es, im ersten Halbjahr 2020 mit der Sanierung der Wände beginnen zu können“, sagte Knuth der MAZ bei einem Lokaltermin. Aus diesem Grund wird es am 10. Oktober zu einem Treffen mit der aus den Firmen Heitkamp, Bauer und Bunte gebildeten Arbeitsgemeinschaft (Arge) kommen, auf dem das weitere Vorgehen besprochen werden soll.

Burkhard Knuth, Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Magdeburg. Quelle: Frank Bürstenbinder

Grundlage für einen Sanierungsstart ist das Endergebnis eines Gutachtens, das in diesen Tagen erwartet wird. Erarbeitet von dem Münchener Beton-Experten Christian Sodeikat, einem ehemaligen Geschäftspartner des 2017 verstorbenen Gutachters Peter Schießl, der noch die ersten Betonproben vorangetrieben hatte.

Gutachten steht noch aus

„In diesem Gutachten geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um nüchterne Tatsachen über die Gründe für den löchrigen Beton. Außerdem werden Sanierungsvarianten vorgeschlagen“, so WNA-Chef Knuth. Noch liegt das Papier nicht vor. Doch nach einem Zwischenbescheid verdichtet sich eine Technologie, die von der Behörde favorisiert wird. Und die sieht so aus: Danach sollen etwa 20 Zentimeter des bröckligen Betonschicht entfernt und mit Spritzbeton wieder aufgefüllt werden. Die Sanierung würde ein gutes Jahr in Anspruch nehmen und rund fünf Millionen Euro kosten.

Mischung wird untersucht

Denkbar wäre eine zweite Möglichkeit; nämlich bis zu 40 Zentimeter Beton samt Stahlbewehrung abzunehmen und zu erneuern. Die Kosten würden sich dann allerdings verdoppeln. „An einen Abriss und kompletten Neubau denken wir nicht“, steht für Knuth fest. Bleibt noch das Rätsel über den mit 1000 Löchern übersäten Beton zu lösen. Vielleicht hat die Mischung von Zement, Sand und Kies mit dem Fließmittel nicht gestimmt. Der Gutachter geht auch der Frage nach, ob der Beton zu lange transportiert wurde. Der Kern des sechs Meter starken Kammerbetons ist wohl in Ordnung. Dagegen hat die Mischungsstabilität an der Oberfläche versagt.

Blick in den Vorhafen zwischen Wusterwitzer Schleuse und Wendsee. Der Kanalausbau in diesem Abschnitt soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Der neue Betriebsweg auf der Südseite bleibt öffentlich für Fußgänger und Radfahrer. Quelle: Frank Bürstenbinder

Parallel zur Verständigung zwischen dem WNA und der Arge über einen Sanierungsstart an der neuen Südkammer läuft vor dem Landgericht Bonn das selbstständige Beweisverfahren über die Verantwortlichkeiten des Bauskandals weiter. Das zu erwartende Gutachten wird neue Bewegung in den Rechtsstreit bringen. Der jahrelange Baustopp hat vermutlich auch der eingemotteten Anlagentechnik nicht gut getan. „Wir werden sehen, welche Teile möglicherweise neuen Anforderungen angepasst werden müssen“, so Knuth.

Letztes Kanalstück bald fertig

Fortgeschritten sind derweil die 6,3 Millionen Euro teuren Ausbauarbeiten am Elbe-Havel-Kanal zwischen der Wusterwitzer Schleuse und dem Wendsee. Bis zum Jahresende will das Bauunternehmen Strabag diesen letzten Abschnitt auf einer Länge von 1,4 Kilometer fit für Großmotorgüterschiffe machen. Weil das Nordufer des Kanalstücks an ein Naturschutzgebiet grenzt, wird das Ufer dort nur gesichert. Geotextil unter den Steinpackungen verhindert ein Wegspülen von Ufermaterial.

Betriebsweg bleibt öffentlich

Die neu hergestellte Südseite erhält einen Betriebsweg aus einer wassergebundenen Schotterdecke, der für Fußgänger und Radfahrer öffentlich zugänglich bleibt. Außerdem lässt das WNA in Absprache mit der Kommune eine Brücke über den Hauptgraben erneuern, damit die Zufahrt zu den Bungalows weiterhin möglich ist.

 

Von Frank Bürstenbinder

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