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Wusterwitz Das Gasthaus mit dem größten Saal meldet sich zurück
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Das Gasthaus mit dem größten Saal meldet sich zurück
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14:28 01.07.2019
Das Team vom Dorotheenhof mit Bernd Korn, Holger Miehle, Susann Elster und Sebastian Korn (v.l.). In dem Ausflugslokal vor den Toren Brandenburgs brummt es wieder. Nicht zuletzt wegen der guten Küche.
Das Team vom Dorotheenhof mit Bernd Korn, Holger Miehle, Susann Elster und Sebastian Korn (v.l.). In dem Ausflugslokal vor den Toren Brandenburgs brummt es wieder. Nicht zuletzt wegen der guten Küche. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Woltersdorf

 „Auf, auf zum Dorotheenhof am schönen Plauer See“ – an diese über 80 Jahre alte Liedzeile will Susann Elster anknüpfen. Die Wusterwitzerin führt seit wenigen Wochen das Traditionslokal, hinter dem viele Höhen und Tiefen liegen. „Ich bin optimistisch, dass wir wieder zu einem beliebten Ausflugsziel vor allem für die Brandenburger werden“, sagte die Geschäftsführerin der MAZ.

Wechselvolle Geschichte

Vor dem Gasthaus „Zum Dorotheenhof“ fließt der alte Woltersdorfer Kanal vorbei. Mit der Plauer Schleuse war er ein wichtiger Handelsweg für die Schifffahrt zwischen Hannover und Berlin. In seiner Nähe siedelten sich gleich drei Gastwirtschaften an.

Benannt ist der Dorotheenhof nach der Frau des Gründers Christian Schindelhauer. Zunächst als Schifferkneipe mit Kommissionshandel betrieben, wurde aus dem Objekt in den 1920er-Jahren ein Ausflugslokal. Mit dem Bau des Elbe-Havel-Kanals verlor der Woltersdorfer Kanal seine Bedeutung.

Gastwirt Willi Bittkow organisierte den Ausflugsverkehr selbst, in dem er bis Kriegsende zwei Passagierdampfer betrieb. Nach seinem Tod übernahm Tochter Dorothee Korn mit ihrem Mann Werner den Dorotheenhof, mussten diesen aber in den 1950er-Jahren an den Konsum verpachten.

20 Jahre leitete die Chefin die Postagentur in Ziesar. Bei Dorotheenhof-Inhaber Erhard Liebchen startete sie einen beruflichen Neuanfang, der ihr Mut macht. Nach einer längeren und von Schließzeiten begleiteten Sanierungsphase ist jetzt Stabilität in den Gaststättenbetrieb am Alten Kanal eingekehrt. Familien feiern Geburtstage und Hochzeiten, Sommerfrischler machen Rast auf der Terrasse mit direktem Blick aufs Wasser, die „Havelfee“ macht auf Bestellung fest.

Freie Wochenenden sind knapp

„Bis 2020 gibt es nur noch wenige freie Termine an den Wochenenden. Die Leute freuen sich, dass der Dorotheenhof wieder da ist “, weiß die Geschäftsführerin. Das liegt neben der idyllischen Lage natürlich auch an dem Team, das Elster um sich gescharrt hat. Aus Ziesar konnte sie Sebastian Korn für den Service gewinnen. Der junge Restaurantfachmann unterstützt den nicht mit ihm verwandten Bernd Korn, den Stammgäste als Ur-Gestein des Dorotheenhofs kennen.

Das Traditionslokal "Zum Dorotheenhof" liegt idyllisch am Alten Kanal. Quelle: Frank Bürstenbinder

Bernd Korn stammt aus der geschichtsträchtigen Besitzerfamilie des Hauses, dessen Historie bis in das Jahr 1848 zurückgeht. Damals wurden die Schiffer mit Speis und Trank sowie Alltagsgegenständen versorgt. Holzpantinen, Petroleum, Leberwurst und Heringe gingen super. Zum Ausflugslokal wurde der Dorotheenhof erst mit der Eröffnung des Elbe-Havel-Kanals und der Wusterwitzer Schleuse. Die Schiffer auf dem Woltersdorfer Kanal samt Plauer Schleuse blieben aus. Also wurde ein Saal für 180 Leute angebaut und ein Schiffsanleger errichtet.

An Konsum verpachtet

Der Urururenkel des umtriebigen Gastwirts wohnt noch heute im Dorothenhof, den die Besitzerfamilie in der DDR-Zeit an den Konsum verpachten mussten. „Weil wir als Familie nach der Wende die Altkredite nicht mehr bedienen konnten, wurde das Anwesen verkauft“, berichtet Bernd Korn, der den Kellnerberuf von der Pike auf gelernt hat. Er hängt mit seinem Herzen am Gasthof und freut sich über den gelungenen Neustart nach umfangreichen Investitionen in die Bausubstanz.

Speisekarte aufgeräumt

Chef in der Küche und erst seit zwei Jahren am Alten Kanal dabei ist Holger Miehle. Auf seine Speisekarte, die Gäste auch durch die heißen Tage bringt, setzt Geschäftsführerin Elster ihre ganze Hoffnung. Miehle hat die Speisekarte aufgeräumt, schwärmt von seinem geeisten Gurkensüppchen, frischem Salat mit Lachs und Fischgerichten. Als Hobby-Angler haben es dem Koch besonders Zander und Dorsch angetan.

Generationen von Ausflüglern machten sich mit dem Dampfer auf ins Grüne. Quelle: MAZ/Archiv

Für die Betreibung des Gasthauses „Zum Dorotheenhof“ hat sich der heutige und in Sachsen-Anhalt lebende Inhaber Erhard Liebchen für die Betriebsform einer GmbH entschieden. Zum Haus gehören drei Ferienwohnungen. Neben der eigentlichen Gaststube gibt es mehrere Räume für Gesellschaften. Unschlagbar groß ist der Saal, der ebenso renoviert wurde, wie das gesamte Ensemble. Inklusive barrierefreier Sanitäranlagen.

Verstärkung gesucht

Die Nachfrage nach Plätzen im Dorotheenhof ist inzwischen so groß, dass die Geschäftsführerin händerringend nach Verstärkung für die Küche sucht. Doch die Personalknappheit in der Gastronomie macht auch vor dem Gasthof am Alten Kanal nicht halt. „Deshalb ziehen wir bei 40 Vorbestellungen die Notbremse, um keinen Gästen überlange Wartezeiten zuzumuten“, bedauert Susann Elster. Deshalb sollte die Liedzeile „Auf, auf zum Dorotheenhof“ besser erst nach einem Telefonat angestimmt werden.

Von Frank Bürstenbinder