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Wusterwitz Verfallene Dorfkirche wird nicht saniert
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Verfallene Dorfkirche wird nicht saniert
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17:35 22.02.2019
Die Warchauer Kirche verfällt zur Trauer von Pfarrer Holger Zschömitzsch. Quelle: Marion von Imhoff
Warchau

„Wie konnte diese Kirche so verfallen“, das ist der erste Eindruck, den der Wusterwitzer Pfarrer Holger Zschömitzsch von der Dorfkirche in Warchau hatte, als er sie 2015 zum ersten Mal betreten hat. „Die Kirche ist in einem sehr desolaten Zustand und es tut mir in der Seele weh, weil es wirklich ein wunderschöner Bau ist.“

Der Gemeindekirchenrat hat sich jetzt dennoch gegen die Sanierung der Warchauer Dorfkirche ausgesprochen. „Sie soll lediglich gegen den Verfall gesichert werden“, sagt Holger Zschömitzsch. Es habe keinen Sinn, in einem Dorf mit fünf Gemeindegliedern die Kirche wieder „in Gold erstrahlen zu lassen“. Der letzte Gottesdienst „war weit vor 2014“.

Die Dorfkirche Warchau ist eine besonders hübsche Kirche. Doch es bräuchte viele Menschen, die sich für den Erhalt des denkmalgeschützten Bauwerks aus dem 12. Jahrhunderts einsetzen müssten. Doch von ihnen gibt es nur eine Handvoll. Eine von ihnen ist Viola Iris Rausch.

Es ist ein Februartag, der den Frühling erahnen lässt. Gegenüber der Kirche schaut ein alter Mann aus dem Fenster. Der 85-jährige Warchauer sagt mit Blick auf das Gotteshaus: „Da ist so lang nichts passiert, da passiert nichts mehr. Von wem soll es kommen? Ich bin in der Kirche, aber kein Kirchgänger. Kirche ist in Warchau immer weniger geworden.“ Wann er selbst zuletzt in dem Bauwerk war? Achselzucken.

Auch eine andere als eine kirchliche Nutzung sieht der Pfarrer als utopisch an. Hunderttausende Euro würde die Sanierung kosten. Ein Teil des Geldes müsste von der Kirchengemeinde oder der Landeskirche kommen. Doch wofür, sagt Zschömitzsch, fehlten die Mittel. Und: „Wozu soll man eine Kirche für viel Geld sanieren, die dann in der Landschaft rumsteht ohne Bedeutung.

Risse und vergilbter Glanz

Fingerbreite Risse ziehen sich meterlang durch das Gewölbe am Altar. Der Tannenschmuck in zwei Vasen ist vergilbt. Zwei schwere Steine sichern eine Seitentür, die sonst aufspringen würde. Eine Brombeerranke bahnt sich durch einen Türspalt den Weg ins Innere. Schnitzereien an der Kanzel fehlen seit Jahrzehnten. Vermutlich hat sie jemand gestohlen.

Der Altarraum der Warchauer Kirche, davor die Kanzel. Quelle: privat

 

Eine eisenbeschlagene Ablasstruhe mit einem Münzschlitz im Deckel aus dem Mittelalter verstaubt zwischen den Bänken. „Die ist ein paar hundert Jahre alt und steht hier einfach rum. Damit hat die Kirche früher den Leuten die Ablassbriefe verkauft. Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“, zitiert der Pfarrer einen Ablasspruch.

Landeskonservator bietet Hilfe an

„Es gibt hier keine Gemeinde und nur eine Handvoll Leute, denen die Kirche wichtig ist.“ Alle anderen würden abwinken. „Die Krux: Ich alleine kann eine Kirche nicht erhalten und der Gemeindekirchenrat auch nicht. Wir brauchen immer eine Gemeinde vor Ort.“

Landeskonservator Thomas Drachenberg vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege verweist auf den Denkmalstatus des Gotteshauses: „Die Kirche muss erhalten bleiben, der Gemeindekirchenrat kriegt jede Unterstützung. Doch die Anträge und der Wille müssen von dort kommen.“ Als Erstes gelte es, Maßnahmen gegen die Einsturzgefahr zu ergreifen.

Kein Kirchenförderverein in Sicht

Ein Förderverein könne helfen, es könnten alternative Nutzungskonzepte erarbeitet werden. Doch Zschömitzsch winkt ab. „Wir brauchen Menschen, die sagen, das ist unser Bauwerk. Wie die Kirche dann genutzt wird, ob religiös sakral oder kulturell, ist völlig offen.“ Er würde sich eine Nutzung wünschen, aber er hat keine Hoffnung, dass es funktionieren könnte.

Ein Dorf weiter, in Gollwitz, macht sich seit Jahren ein hochengagierter Förderverein für die dortige Kirche stark. Umfangreiche Sanierungen sind angelaufen, doch in Warchau gilt es einzig zu verhindern, dass die Kirche einstürzt. „Wer soll hier zu Veranstaltungen kommen, Warchau ist ein Dorf, das in Bedeutungslosigkeit versinkt.“

Bedeutendes Gemälde bald gerettet

Die Kirche muss jetzt statisch beobachtet werden, „weil die Risse so besorgniserregend sind“, sagt Holger Zschömitzsch.

Eine frohe Kunde immerhin gibt es, seit einem Besuch von Mitarbeitern des Landesamtes für Denkmalpflege im Dezember: Ein fast 400 Jahre altes Marienbild an der Kanzel soll gerettet werden. Es zeigt Maria mit dem Kinde auf dem Schoß. Die Farbe blättert in Schuppen vom Gemälde, die Malerei ist kaum mehr zu erkennen.

Ein Traum: Vier Gottesdienste im Jahr

„Es ist Gefahr in Verzug“, sagt Holger Zschömitzsch. „Das Bild ist unbedingt erhaltenswert und ein ganz wertvoller Schatz eines italienischen Künstlers, etwas ganz Besonderes. Doch es ist so schon in Mitleidenschaft gezogen, dass eine Restaurierung wahnsinnig teuer ist.“ Die Rede ist von einer fünfstelligen Summe. „Es liegt uns am Herzen, wenigstens das Gemälde zu retten“, sagt der Pfarrer.

Könnte er träumen, sagt Holger Zschömitzsch, „dann würde ich hoffe, dass es hier vier, fünf Gottesdienste im Jahr gibt und eine kulturelle Nutzung. Doch das wäre hier in der Region ein Angebot von vielen.“

Von Marion von Imhoff

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