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Wusterwitz Firmenchefs ärgern sich über das eigene Amt
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Firmenchefs ärgern sich über das eigene Amt
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15:44 26.11.2018
Die Wusterwitzer Kita ist zu klein geworden. Die Ausschreibung für den Um- und Ausbau sorgt für Verdruss bei ortsansässigen Firmen.
Die Wusterwitzer Kita ist zu klein geworden. Die Ausschreibung für den Um- und Ausbau sorgt für Verdruss bei ortsansässigen Firmen. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Wusterwitz

Seit 21 Jahren ist Uta Lenz im Geschäft. Mit ihrer in Rogäsen ansässigen LO-Bau Sanierungs GmbH baute sie unter anderem eine alte Bauernscheune zur Wusterwitzer Kulturscheune um. Wegen des schlechten Baugrunds eine Herausforderung für die Statik des heutigen Schmuckstücks. Ein nicht weniger bekanntes Objekt hat Elektromeister Eberhard Müller aus Wusterwitz realisiert. Er übernahm die Neuinstallation im einstigen Brandenburger Stadtcafé mit elf Wohnungen und vier Gewerbeeinheiten. Auf der Referenzliste von Maurermeister Jürgen Peijan steht zum Beispiel eine vor drei Jahren errichtete Physiotherapie mit 300 Quadratmeter Grundfläche. Ganze Vier-Seiten-Höfe hat der Woltersdorfer mit seinem Baugeschäft saniert.

Nicht angeschrieben

Doch der gute Leumund reichte dem Amt Wusterwitz nicht aus. Im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung für den Um- und Ausbau der Wusterwitzer Kita „Schwanennest“ kamen ausgerechnet im Amtsgebiet ansässige Firmen zu kurz. „Wir wurden erst gar nicht angeschrieben und zu einem Angebot aufgefordert“, kritisiert Uta Lenz, deren Firma auch den Dachgeschossausbau über der Touristen-Information realisierte. Doch am meisten ärgern sich die drei Betriebsinhaber über die fragwürdigen Argumente, die auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung als Begründung für die Nichtbeteiligung an der Kita-Ausschreibung herhalten mussten.

Beschränkte Ausschreibung

Peter Krumrey vom Fachdienst Bauen und Wohnen hatte auf Nachfrage von Lothar Ohge (Die Linke) gesagt: „Es ist nicht so, dass wir keine Wusterwitzer Firmen wollen. Man kann 30 Firmen beteiligen oder die, deren Leistungsfähigkeit man kennt. Vor Ort sehe ich keine Firma, die die Kapazität hat.“ Für Maurermeister Peijan ein Unding. Denn die beschränkte Ausschreibung war im Sommer erfolgt. Die Umbauarbeiten für ein neues Raumkonzept sind erst vor kurzem angelaufen. Und der rund 150 Quadratmeter große Anbau steht erst für 2019 an. „In der Zeit hätten wir andere Aufträge umorganisieren können“, sagte Peijan der MAZ. Ob ihre Firmen bei der Auftragsvergabe eine Chance gehabt hätten, steht auf einem anderen Blatt. Was die Kritiker wurmt ist der Schatten, der auf ihren guten Ruf fallen könnte.

Die Kulturscheune in Wusterwitz gehört zu den sichtbaren Ergebnissen der Ortskerngestaltung. Der aufwendigen Umbau lag in den Händen der Firma LO-Bau. Quelle: Claudia Nack

Auch die Bemerkung von Amtsdirektorin Ramona Mayer auf der Gemeindevertretersitzung, sie möge kein Hoflieferantentum, kam bei den Firmenchefs nicht gut an. Die Hauptbauleistungen im Wert von rund 152 000 Euro werden nun von einer Wolliner Firma realisiert. Eine Premnitzer Firma übernimmt die Elektroarbeiten. Immerhin bleiben die Tischlerarbeiten in Wusterwitz. Für die Gewerke Putz, Trockenbau und Maler wurden ebenfalls unter Verzicht einer öffentlichen Ausschreibung Firmen angeschrieben. Das gesamte Bauvolumen für die Kita-Erweiterung beträgt weit über 400 000 Euro. In den schon laufenden Innenarbeiten kommen 75 000 Euro Fördergeld aus dem Kreisentwicklungsbudget zum Einsatz.

Zur Chefsache erklärt

Und was sagt Bauamtsleiterin Monika Bothe zur Kritik an der Vergabepraxis? Nicht viel. Denn per Dienstanweisung machte Amtsdirektorin Mayer den Kita-Ausbau zur Chefsache. Wofür die Verwaltungschefin gegenüber der MAZ „gewichtige Gründe“ angab. Ein merkwürdiger Umgang mit einer Fachfrau, die sich vorwerfen lassen musste nicht ausgelastet zu sein. Nach der erfolgreichen Klage gegen ihre Änderungskündigung ist Bothe seit dem 19 . November wieder mit voller Stundenzahl im Dienst. Der Kita-Ausbau ist für sie trotzdem tabu. Rechtlich sei die beschränkte Ausschreibung nicht zu beanstanden, meinte die Bauamtsleiterin. Sie selbst hätte eine öffentliche Ausschreibung bevorzugt. Einmal weil Fördermittel im Spiel sind. Und zweitens weil es in einer Hochpreisphase besser ist eine möglichst große Anzahl an Angeboten auf dem Tisch zu haben. Der Vorteil ortsansässiger Firmen liegt in ihrer Nähe, was für die Preiskalkulation nicht unerheblich ist. Amtsdirektorin Mayer verteidigt dagegen die Angebotsaufforderungen an ausgewählte Firmen: „Es ist alles ordnungsgemäß gelaufen. Früher hatten ortsansässige Betriebe mehr Leute und damit mehr Kapazitäten.“

Von Frank Bürstenbinder