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Wusterwitz Für die ersten Kita-Kinder gab es nur ein Außenklo
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Für die ersten Kita-Kinder gab es nur ein Außenklo
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14:52 20.04.2018
In der Touristen-Information hält der Heimat- und Kulturverein die Erinnerung an die Geschichte der Kinderbetreuung wach. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Wusterwitz

Kita-Leiterin Kerstin Tennigkeit und ihre 18 Kolleginnen gehören zwar nicht zu den Erzieherinnen der ersten Stunde, doch das komplette Team hat seinen Platz in der neuen Sonderausstellung des Heimat- und Kulturvereins Wusterwitz. Mit einer Foto-Tafel beteiligt sich die kommunale Einrichtung, in der heute um die 150 Mädchen und Jungen betreut werden, an der Exposition, die in dieser Woche in der Touristen-Information eröffnet wurde. Die Ausstellung erinnert an über 70 Jahre Kinderbetreuung in Wusterwitz – von der Krippe bis zum Vorschulalter.

Privatleute halfen aus

Vereinsvorsitzender Hans-Georg Apfel dankte in seiner Eröffnungsrede allen Mitwirkenden, die eine öffentliche Erinnerung an so viele Jahre der Kinderbetreuung erst möglich gemacht hätten. Darunter waren neben den fleißigen Vereinsmitgliedern zahlreiche Privatleute, die zum Beispiel mit Spielzeug und anderen Alltagsgegenständen aushalfen.

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Kita-Sitzgruppe in der Wusterwitzer Sonderausstellung Quelle: Frank Bürstenbinder

Denn aus vergangenen Kita-Zeiten, die von zahlreichen Umzügen und Bautätigkeiten geprägt waren, ist nicht viel an Inventar übrig geblieben. Eine bunt lackierte Sitzgruppe aus DDR-Zeiten hat die Jahre überstanden und schmückt nun den Ausstellungsraum im Erdgeschoss der Touristen-Information. Auf dem roten runden Tisch liegt ein Bummi-Heft aus den 1960er-Jahren. Wusterwitzer steuerten Puppenhäuser, Bücher, Roller, Holzspielzeug und Autos bei, wie sie vor der Wende in jeder Kita zu finden waren.

Fotos als Erinnerung

Noch mehr Erinnerungen werden beim Betrachten der zahlreichen Fotos wach, die von den Vereinsmitgliedern in langer Arbeit zusammengetragen wurden. Hans-Georg Apfel erinnert sich zum Beispiel noch an den Bau der 1981 errichteten Kita in der Rosa-Luxemburgstraße. „Bei den Wänden handelt es sich um Betonplatten zweiter Wahl mit etlichen Beschädigungen, die vor Ort ausgebessert wurden.“ Inzwischen ist der Flachbaukomplex umfassend saniert, doch platzt das Objekt wegen des aktuellen Kindersegens aus allen Nähten. Eine geplante Erweiterung ist von Fördermitteln abhängig.

Das Interesse zur Eröffnung der Wusterwitzer Ausstellung war groß. Quelle: Frank Bürstenbinder

Daran war 1946 nicht zu denken, als in zwei Räumen eines Hofgebäudes in Wusterwitz Dorf die erste von der Kommune betriebene Kindereinrichtung an den Start ging. Es gab nur ein Außenklo. Eltern, die schlachteten, mussten die Schulküche bedenken. Dort wurde für alle Kinder gekocht. „Heute sind Frühstück und Vesper für die Kinder kostenfrei. Das bezahlt die Gemeinde“, erinnerte Marlis Gohlke vom Heimat- und Kulturverein bei der Eröffnung. Mit der Ausstellung solle jenen Menschen gedacht werden, die immer für die Wusterwitzer Kinder da waren, sagte Gohlke bei der Eröffnung der Exposition.

Die Erinnerungen an die Kinderbetreuung können zu den Öffnungszeiten der Touristen Information besichtigt werden. Diese nehmen zwar nur einen Raum ein, ergänzen aber die Dauerausstellung des Vereins zur Wusterwitzer Geschichte im Obergeschoss.

Von Frank Bürstenbinder