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Wusterwitz Behörden streiten um Asbestentsorgung – und Waldbesitzer müssen zahlen
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Behörden streiten um Asbestentsorgung – und Waldbesitzer müssen zahlen
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20:01 27.11.2019
Andreas Adel auf der neuen Streuobstwiese. Seinen Kiefernwald macht er mit Laubbäumen stabiler. Umso größer ist die Enttäuschung über die Behörden, wenn es um Hilfe nach illegalen Asbestablagerungen geht. Quelle: Frank Bürstenbinder
Altbensdorf

Andreas Adel nimmt seine Verantwortung als Waldbesitzer ernst. In den letzten drei Jahren hat der Altbensdorfer fünf Hektar mit Laubbäumen aufgeforstet, um die bislang reinen Kiefernbestände stabiler gegen Brände, Insekten und Trockenheit zu machen. Aus eigener Tasche und ohne Fördermittel.

Als weiterer Beitrag für die nächste Generation ist gerade eine Streuobstwiese in der Feldmark zwischen Altbensdorf und Neu Plaue hinzugekommen. Auf 7000 Quadratmetern hat Adel Obstbäume angepflanzt –43 Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen. Mittendrin Sitzstangen für Greifvögel. Alles ohne staatliche Zuschüsse.

Von Behörden enttäuscht

Um so mehr ist Adel von den Behörden und Institutionen enttäuscht, weil sie ihn mit einem Problem im Stich lassen, das so gar nicht in das offizielle Bild von Umwelt- und Naturschutz passt. Der private Waldbesitzer gehört zu den Betroffenen krimineller Machenschaften.

Rund zehn Tonnen Wellasbest in sogenannten Big Bags hatten Ganoven im Frühjahr in einen seiner Kiefernbestände bei Vehlen gekippt. Dort liegt das als Sonderabfall zu behandelnde Baumaterial bis heute.

An diesem Bild hat sich seit dem Frühjahr nichts geändert: Waldbesitzer Andreas Adel wird die Asbestsäcke in seinem Wald bei Vehlen nicht los. Quelle: Frank Bürstenbinder

Adel ist frustriert: „Keiner hilft. Die Behörden spielen sich gegenseitig den Ball zu.“ Dabei gibt es im Landeswaldgesetz eine klare Regelung. Danach ist die untere Forstbehörde zur Einsammlung herrenloser Abfälle und zur Übergabe an den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger verpflichtet – wenn kein anderer Verantwortlicher greifbar ist.

„Im konkreten Fall handelt es sich um gefährliche Abfälle, die nicht durch die Forstbehörde, sondern durch ein geeignetes Fachunternehmen eingesammelt und transportiert werden müssen“, teilte das Brandenburger Landwirtschaftsministerium der MAZ auf Nachfrage mit.

Tauziehen hinter den Kulissen

Das Problem: Mehrmalige Versuche der unteren Forstbehörde, die Entsorgung durch den Landkreis Potsdam-Mittelmark als zuständigen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger zu erwirken, sind gescheitert. Inzwischen gibt es hinter den Kulissen ein Tauziehen zwischen dem Land als oberste Abfallwirtschaftsbehörde und der Kreisverwaltung über den Umgang mit den asbesthaltigen Säcken im Gebiet der Oberförsterei Lehnin.

Diese Pakete voller Asbest wurden auf dem Bruchweg zwischen Fohrde und Hohenferchesar entdeckt. Au einem kommunalen Gelände bei Pritzerbe warten die Big Bags bis heute auf ihre Entsorgung. Quelle: Amt Beetzsee

Der Asbesthaufen im Wald von Andreas Adel ist kein Einzelfall.Auch das Amt Beetzsee sitzt bis heute auf den Big Bags, die von Unbekannten auf den Verbindungsweg zwischen Fohrde und Hohenferchesar gekippt haben. Der Umweltskandal betrifft weitere Flächeneigentümer bis in den Hohen Fläming. Doch der Landkreis stellt sich weiter quer, bemüht sogar einen Gutachter, um seine Nichtzuständigkeit zu untermauern.

Hannes Strunz, der den Landkreis als Entsorgungsträger vertritt, verteidigt die ablehnende Haltung Potsdam-Mittelmarks. „Für uns ist noch nicht erwiesen, ob es sich tatsächlich um herrenlose Abfälle im Sinne des Gesetzes handelt. Denn die polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. So lange bleiben es für den Landkreis illegale Ablagerungen mit der Chance, den sogenannten Störer doch noch zur Verantwortung zu ziehen.“

Auf Kosten der Gebührenzahler

Doch selbst für den Fall, dass den bislang ermittelten Tatverdächtigen die Asbestablagerungen nachgewiesen werden können, hat der Landkreis vorgesorgt. Für bestimmte Abfallarten in einer Menge von über zwei Tonnen fühlt sich der öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger nicht zuständig.

Das gilt auch für Asbest. „Dabei haben wir immer die Belange der Gebührenzahler im Blick. Denn die Allgemeinheit müsste am Ende alle Entsorgungsleistungen über höhere Gebühren bezahlen“, so Strunz. Für Waldbesitzer Adel ein schwacher Trost. Er bleibt allein mit dem Asbest in seinem Wald.

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Von Frank Bürstenbinder

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