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Wusterwitz So geht es nach der Abwahl der Amtsdirektorin weiter
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz So geht es nach der Abwahl der Amtsdirektorin weiter
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16:33 08.10.2019
Die Abwahl von Amtsdirektorin Ramona Mayer fand in geheimer Wahl statt. Sechs Mitglieder des Amtsausschusses stimmten für eine Trennung, zwei Mitglieder waren dagegen. Quelle: Jacqueline Steiner
Amt Wusterwitz

Wie weiter nach der turbulenten Abwahl von Ramona Mayer? Wer soll die Lücke der Amtsdirektorin füllen? „Wir schauen nach vorn. Dabei wollen wir alle Mitarbeiter der Verwaltung und der kommunalen Einrichtungen mitnehmen“, sagte der Amtsausschussvorsitzende und Wusterwitzer Bürgermeister Frank Geue der MAZ auf Nachfrage.

Die Sitzung des Amtsausschusses fand in der völlig überfüllten Kulturscheune statt. Über 150 zum teil sehr aufgebrachte Bürger verfolgten die Abwahl der Verwaltungschefin.

Gut 24 Stunden nach der Trennung von der einstigen Verwaltungschefin gab es am Dienstag im Anschluss an die Sprechzeit der Verwaltung eine Personalversammlung mit den Bürgermeistern der drei amtsangehörigen Gemeinden Wusterwitz, Bensdorf und Rosenau. Neben Frank Geue sind das Jens Borngräber und Rolf Geelhaar.

Verwaltungsmitarbeiter sollen keine eine Nachteile fürchten müssen

„Wir haben den Mitarbeitern erläutert, dass wir uns eine vertrauensvolle Zusammenarbeit wünschen. Wenn jeder an seinem Platz seine Aufgaben erledigt, gibt es auch keinen Stillstand. Außerdem soll niemand Nachteile befürchten müssen, nur weil man gegen eine Abwahl der Chefin unterschrieben hat. Jetzt geht die Arbeit erst richtig los“, so Geue. Die Trennung von der Amtsdirektorin soll sich auf die Abarbeitung der laufenden Bürgeranliegen nicht negativ auswirken.

Vor der Kulturscheune solidarisierten sich Bürger mit Ramona Mayer. Quelle: Jacqueline Steiner

Nichtsdestotrotz ist die Verwaltungsspitze aktuell ausgedünnt. Ramona Mayer darf ihre ehemaligen Diensträume schon nicht mehr betreten. Ihre Stellvertreterin Diana Hoffmann, der am Montag bei der Verlesung der offiziellen Abberufung in der Kulturscheune die Tränen in den Augen standen, hat einen zweiwöchigen Urlaub angetreten. Deshalb führt die zweite Stellvertreterin Monika Bothe derzeit die Geschäfte in der August-Bebel-Straße.

Stelle wird ausgeschrieben

Die Kommunalaufsicht Potsdam-Mittelmark will bis zum 11.Oktober Aufklärung über das weitere Vorgehen im Amt Wusterwitz. Dabei geht es insbesondere um eine Nachfolgeregelung an der Spitze der Amtsverwaltung. „Der Amtsausschuss wird sich in einem nächsten Schritt über eine Stellenausschreibung verständigen“, sagte Geue, der spätestens für Januar oder Februar 2020 auf eine Neubesetzung hofft.

Wieder ein Fachbereich Bauen

Ziemlich klare Vorstellung hat die Mehrheit des Amtsausschusses über die innere Organisation der Verwaltung. So sollen die von Ramona Mayer aufgelösten Strukturen wieder hergestellt werden. So soll es unter anderem wieder einen Fachbereich Bauen und Ordnung unter Leitung von Monika Bothe geben. Die einstige Amtsdirektorin hatte Bauangelegenheiten bekanntlich dem von ihr geleiteten Fachbereich Zentrale Verwaltung unterstellt.

Treffen mit Feuerwehren

Um vertrauensbildende Maßnahmen sind die Abwähler von Ramona Mayer auch gegenüber den Feuerwehren bemüht. Das Amt ist Träger des Brandschutzes. So ist für den 16. Oktober ein Arbeitstreffen des Amtsausschusses mit den Ortswehrführern und der Amtswehrführung geplant.

Abwahlbegehren gegen Geue

Überschattet wird ein Neuanfang ohne Ramona Mayer von einem Aufruf zur Abwahl des Wusterwitzer Bürgermeisters Frank Geue, der in Personalunion Vorsitzender des Amtsausschusses ist. Unmittelbar nach der Abwahl der Verwaltungschefin wurden am Montagabend in der überfüllten Kulturscheune Flugblätter mit der Forderung nach Neuwahlen verteilt. Namentlich nicht aufgeführte Vertrauensleute eines „Bürgerbegehrens für die Abwahl des amtierenden Bürgermeisters“ werfen dem Gemeindeoberhaupt gebrochene Wahlversprechen und Täuschung der Wähler vor.

Geue: Vertrauensverhältnis war gestört

Das angekündigte Abwahlbegehren tue ihm persönlich weh, sagte Geue der MAZ. Doch wenn die Bürger gewollt hätten, dass in Wusterwitz nach den Kommunalwahlen alles so bleiben soll, wie es ist, hätte er die Stichwahl gegen Ronald Melchert nicht gewonnen, ist der neue Bürgermeister überzeugt. Er halte die Trennung von der Amtsdirektorin unverändert für richtig, weil das Vertrauensverhältnis in einem „erheblichen Maße“ gestört gewesen sei.

Vorwürfe an Amtsdirektorin

Lange hatten Bürger vergeblich bei den sechs Initiatoren des Abwahlverfahrens die Gründe für eine Trennung eingefordert. Erst bei der aufgeheizten Einwohnerfragestunde nach der Abstimmung verlas Geue einige der Vorwürfe in Richtung Amtsdirektorin.

Ramona Mayer (r.) und die stellvertretende Amtsdirektorin Diana Hoffmann auf der Abwahl-Sitzung. Quelle: Jacqueline Steiner

So habe sie keine Klärung für die jahrelangen Trinkwasserverluste in Rosenau herbeigeführt. Dies habe den Amtshaushalt 160.000 Euro gekostet. Ihre Gegner machen die abgewählte Verwaltungschefin auch für die Schäden im Abwassernetz der Brawag durch Abwässer aus Wusterwitz und Bensdorf verantwortlich. Die Brawag hat Forderungen von rund 370.000 Euro aufgemacht, mit denen sich das Amt an den Reparaturen beteiligen soll. Aktuell laufen Verhandlungen, um eine drohende deutliche Anhebung der Abwasserpreise durch eine Absenkung der Forderungen zu erreichen. Mit Zwischenrufen und Gesten wehrte sich die bereits abgewählte Amtsdirektorin gegen die Vorwürfe.

Diskussion über Kosten

Ins Spiel gebracht wurden auch die Verteuerungen bei den Kita-Anbauten in Wusterwitz und Bensdorf. Eine erstes Ausschreibungsverfahren für Wusterwitz war von Ramona Mayer ohne Vergabe beendet worden. Im zweiten Anlauf bekam ein ortsansässiges Architekturbüro den Auftrag. Jetzt machen die Abwähler die ehemalige Verwaltungschefin verantwortlich für Mehrkosten von rund 200.000 Euro. Das gleiche Büro begleitete die Arbeiten in Bensdorf, die 70.000 Euro teuer als ursprünglich geplant wurden.

Dicht gedrängt saß das Publikum in der Kulturscheune. Quelle: Jacqueline Steiner

Zusammen mit diesen Gründen und weiteren Vorwürfen über falsche Aussagen und nicht sachgerechte Zuarbeiten sei der Amtsausschuss zu der Überzeugung gelangt, dass die Amtsdirektorin zu keiner Verhaltensänderung bereit und somit auch an der weiteren Amtsausübung nicht interessiert sei, heißt es in dem von Geue vorgetragenen Schreiben, das beim aufgebrachten Publikum jedoch als unglaubwürdig ankam. Für die Abwahl stimmten in geheimer Wahl sechs Amtsausschussmitglieder. Zwei Mitglieder votierten dagegen, darunter der ehemalige Wusterwitzer Bürgermeister Ronald Melchert, der von Anfang an Widerstand gegen die Abwahlpläne angekündigt hatte.

Von Frank Bürstenbinder

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