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Wusterwitz Im Sarg von Ritter Kalbutz regt sich was
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Im Sarg von Ritter Kalbutz regt sich was
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18:03 08.08.2019
Der von Wilhelm Götze geschnitzte Ritter Kalbutz samt einem Sarg, der es in sich hat. Das Schnitzwerk gehört zum Nachlass des Wusterwitzer Originals. Nach ihm wurde vor 15 Jahren die Grundschule benannt. Quelle: Frank Bürstenbinder
Wusterwitz

Seit über 300 Jahren ist er tot. Doch bei dem berühmt-berüchtigten Ritter Kalbutz aus Kampehl regt sich noch was. Und zwar unterhalb seiner ebenfalls nicht verwesten Gürtellinie. Ein Wunder? Nein. Hinter der Auferstehung des besten Stücks am Ritter steckt der Wusterwitzer Puppenspieler und Holzschnitzer Wilhelm Götze (1871-1954).

Erbe wird wach gehalten

Der Kultur- und Heimatverein Wusterwitz kümmert sich um das Erbe von Wilhelm Götze und hält die Erinnerung an den überregional bekannten Marionettenspieler und Holzschnitzer wach. Götze ist vor 65 Jahren gestorben und fand auf dem Friedhof von Wusterwitz Dorf seine letzte Ruhestätte. Eine Gedenktafel erinnert an ihn.

Seit 15 Jahren trägt die Wusterwitzer Grundschule den Namen Wilhelm Götzes. Einige seiner Schnitzwerke und Puppen sind im Heimatmuseum über der Touristen-Information zu sehen. Kontakt hatten die Wusterwitzer zur Götze-Tochter Margarete, die vor 25 Jahren in Premnitz verstarb. Sie war das letzte Familienmitglied, die bei ihrem Vater eine artistische Ausbildung genoss.

Der erste öffentliche Auftritt der Familie Götze geht auf das Jahr 1895 zurück. 1918 gründete Wilhelm Götze die „Universal-Künstler-Truppe“, die mit einem Wohnwagen und fünf Kindern über Land zog. Ab 1930 ließ sich der Künstler auf seinem gekauften Grundstück am Wusterwitzer See nieder.

Der weit über die Grenzen seines Heimatdorfes hinaus bekannte Künstler machte sich einen Spaß aus der schaurigen Legende um den mutmaßlichen Mörder Kalbutz. Götze schuf ein Modell des ehemaligen Gutsherren in seinem mit weißen Tüll ausgeschlagenen Sarg. Scheinbar ein harmloses Mitbringsel, das aus einem Souvenirshop stammen könnte. Doch Eingeweihte kennen den Stift unter dem Sargboden – und dessen pikante Wirkung.

Marlies Gohlke zeigt den von Wilhelm Götze geschnitzten Ritter Kahlbutz. Quelle: Frank Bürstenbinder

Wird der Stift gedrückt, schießt es dem hölzernen Kalbutz wie Viagra in die Lenden. Es ist nicht zu übersehen: der Mann, der zu Lebzeiten elf eheliche Kinder zeugte und bei seinen Dienstmägden das Recht der ersten Nacht einforderte, hat es noch drauf. Die Überlieferungen um den Meineid des Ritters war für den mit viel schwarzem Humor gesegneten Holzschnitzer Götze eine willkommene Vorlage für eines von zahllosen Schnitzwerken, die die Jahrzehnte unbeschadet überstanden haben.

Teile vom Nachlass übergeben

Große Augen machten die Mitglieder des Wusterwitzer Kultur- und Heimatvereins beim jüngsten Besuch von Angela Kösling aus Pritzerbe in ihren Vereinsräumen. Sie ist die Enkelin von Puppenvater Götze. Nach dem Original ist vor 15 Jahren die Wusterwitzer Grundschule benannt worden. Kösling übergab den Heimatfreunden Teile aus dem Nachlass ihres Großvaters: „Ich weiß diese Erinnerungen in Wusterwitz in guten Händen.“

Angela Kösling (l.) bei der Übergabe von Teilen aus dem Nachlass ihres Großvaters Wilhelm Götze an den Wusterwitzer Heimatverein. Quelle: privat

Neben dem teilmechanisierten Ritter Kalbutz gelangte mit dem Besuch der Götze-Enkelin auch das über 100 Jahre alte Original-Trikot von Wilhelm Götzes Tochter Margarete (1908-1994) in die treuen Hände der Wusterwitzer Heimatfreunde. Schon mit fünf Jahren trat Margarete mit einer Kautschuknummer bei den Vorstellungen des Götze-Clans auf. „Bis auf einige Mottenlöcher ist das Trikot gut erhalten. Trikot und Ritter sollen bald ihren Weg ins Heimatmuseum über der Tourismus-Info finden“, teilte Vereinschronistin Marlies Gohlke mit.

Noch nie gezeigt

Nicht minder groß war das Erstaunen über elf Schmalfilmrollen aus dem Götze-Nachlass, die noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Die 8-Millimeter Streifen sollen laut Aufschrift bei den zahlreichen Auftritten der Götzes, die als fahrendes Volk über Land unterwegs waren, entstanden sein. Andere Filme sollen in Wusterwitz gedreht worden sein. Möglicherweise erweisen sich die Agfa- und Kodak-Schatullen als Schatz für die Heimatgeschichte.

Elf Filmrollen aus dem Besitz von Wilhelm Götze gehören jetzt zum Bestand des Wusterwitzer Heimatvereins. Die Filme aus der Vorkriegszeit wurden noch nie öffentlich gezeigt. Quelle: Frank Bürstenbinder

Problem: Der von Enkelin Angela Kösling ebenfalls übergebene Projektor der tschechischen Marke Meolux erwies sich als nicht betriebsbereit. Deshalb konnte das Geheimnis um die Götze-Filme bislang nicht gelüftet werden. Wer den Heimatfreunden mit Technik oder mit Fachkenntnissen zum Laufbildprojektor helfen kann, ist herzlich willkommen. Sollte der Verein die Filme erschließen, können sich die Heimatfreunde eine öffentliche Vorführung in der Kulturscheune vorstellen.

Von Frank Bürstenbinder

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