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Wusterwitz Wusterwitz spricht über die Rückkehr der Ausflugsdampfer
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Wusterwitz spricht über die Rückkehr der Ausflugsdampfer
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11:56 09.04.2019
Ein Ausflugsdampfer hat am Anlegesteg des Strandgartens in Wusterwitz festgemacht. Doch die goldenen Zeiten der Personenschifffahrt auf dem Wusterwitzer See sind lange her. Quelle: privat
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Wusterwitz

Sollen wieder Ausflugsdampfer nach Wusterwitz fahren? Eine kleine Sensation schlug Heinz Kretschmer auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung vor. Im Rahmen der Einwohnerfragestunde bat der Wusterwitzer die Abgeordneten über einen Grundsatzbeschluss nachzudenken. So sollen die Volksvertreter zunächst ein politisches Bekenntnis ablegen, ob die Wiederaufnahme einer Personenschifffahrt überhaupt gewünscht ist.

Fraktionen sollen beraten

„Es wäre schön, wenn wir als Gemeinde an alte Traditionen des Ausflugsverkehrs anknüpfen könnten. Für den Tourismus wäre Wusterwitz eine Bereicherung“, begründete Kretschmer seinen Vorstoß. Unter den Kommunalpolitikern brach kein spontaner Jubel aus. Zu viele Fragen sind ungeklärt. Doch immerhin griff Bürgermeister Ronald Melchert die Idee auf. Er forderte die Fraktionen in der Gemeindevertretung auf, sich über Ausflugsschiffe nach Wusterwitz eine Meinung zu bilden.

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Heinz Kretschmer möchte wieder Ausflugsdampfer nach Wusterwitz holen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Jürgen Engel von den Freien Bürgern und Bauern zeigte sich von Kretschmers Idee durchaus angetan: „Keine Fraktion wird wohl etwas dagegen haben.“ Dennoch sieht Engel durchaus die Probleme, wie andere Gemeindevertreter auch. Dabei geht es neben einer barrierefreien Steganlage um die Brückendurchfahrtshöhe und Wassertiefe der so genannten Fahrt. Ein schmaler Wasserarm, der den Wusterwitzer See mit dem Kleinen Wendsee und den anderen Havelgewässern verbindet. „Ich würde es gut finden, wenn das klappt. Doch die Frage nach einem Steg ist offen“, meinte Norbert Tilegant von den Linken.

Reeder winkt ab

Heinz Kretschmer geht jedenfalls von einem unternehmerischen Interesse bei Schiffseignern aus. Bevor über Details geredet werde, müsse jedoch ein politischer Grundsatzbeschluss her. Ob dieser noch vor den Kommunalwahlen am 26. Mai zustande kommt, ist höchst ungewiss. Ein Dämpfer kommt von der Nordstern Reederei in Brandenburg. Eigentümer Lars Jahnke sagte der MAZ: „Tatsächlich wäre Wusterwitz für uns ein interessantes Ziel. Nach einer Ortsbegehung und Vermessung muss ich jedoch passen. Momentan kommt kein Schiff für eine Durchquerung der Fahrt in Frage. Sie sind entweder zu hoch oder die Motorisierung ist für die Länge der Strecke zu gering. Heikel kann es bei Begegnungsverkehr werden“, so Jahnke.

Ob diese kommunale Steganlage für ein Ausflugsschiff ausreichend ist, dürfte fraglich sein. Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Fahrt bildet mit dem Kleinen Wendsee und dem Wusterwitzer See eine sogenannte „sonstige Binnenwasserstraße des Bundes“, die vom Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg verwaltet wird. „Dort gelten andere Standards für die Unterhaltungspflicht. Zwar wurden im Winter die Uferzonen hergerichtet, aber eine Vertiefung oder gar ein Ausbau der Fahrt steht derzeit nicht auf dem Plan“, sagte Heiner Schäfer vom WSA-Brandenburg auf Nachfrage.

Durchfahrt kann heikel sein

Bootsführer, wie Helmut Paul vom Wusterwitzer Sportfischerverein, beklagen seit langem eine zunehmende Verschlammung des Wasserarms. Offiziell ist eine Mindestwassertiefe von 90 Zentimeter angegeben. Anderes Problem bei hohem Wasserstand: Die Fahrt wird überspannt von der Straßenbrücke zwischen Wusterwitz und Kirchmöser sowie einer Eisenbahnbrücke auf der Strecke zwischen Berlin und Magdeburg.

Von Frank Bürstenbinder