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Ziesar Märkische Burg sorgt in Sachsen für Furore
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Märkische Burg sorgt in Sachsen für Furore
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15:53 05.02.2019
Die frisch restaurierte Burg Ziesar in einer Ausstellung im sächsischen Siebenlehn bei Dresden. Das Bild befindet sich im Eigentum der Stadt Ziesar. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Ziesar/Dresden

 Ein Gebirge voller schneeweißer und dunkelgrauer Wolken türmt sich über dem Bergfried auf. Die Sonne schickt Licht durch wenige himmelblaue Lücken hinab auf die in brauner und ziegelroter Farbe schimmernde Bischofsresidenz. Ostern 1930 trugen die Bäume noch keine Blätter. Dafür bestimmen frische Grüntöne, unterbrochen von gelben Binsen aus dem Vorjahr, das untere Drittel einer von Otto Altenkirch (1875-1945) festgehaltenen Szene. Diese zeigt einen Klassiker des berühmten Landschaftsmalers und Impressionisten. Doch was macht die Burg Ziesar in einem sächsischen Möbelhaus?

Zum Professor ernannt

Seine Geburtsstadt hat eine Straße nach ihm benannt. Otto Altenkirch wurde 1875 als sechstes Kind eines Sattlermeisters und dessen Ehefrau in Ziesar geboren. Er besuchte dort die Volksschule und begann 1889 in Berlin eine Lehre zum Dekorationsmaler.

Ab 1898 studierte Altenkirch in Berlin und Dresden Malerei, war Schüler von Eugen Bracht. Er war zunächst als freischaffender Künstler tätig, 1910 erfolgte seine Anstellung als leitender Hoftheatermaler in Dresden

Der sächsische König verlieh ihm 1917 den Professorentitel. 1920 zog Altenkirch von Dresden nach Siebenlehn, wo seine Hauptschaffenszeit als Maler begann. Er lebte mit seiner Frau Anna im Haus seines Schwiegervaters, wo er 1945 verstarb. Der Nachwelt hinterließ er rund 2300 Gemälde.

 

Eigentlich hat die imposante Ansicht vom berühmtesten Wahrzeichen der Stadt seinen Platz im Rathaus an der Wand hinter dem Schreibtisch von Bürgermeister Dieter Sehm. Jedes Jahr gibt die Stadt Ziesar ein bis zwei Gemälde aus ihrem Bestand in die Restaurierung nach Dresden. An der Elbe hat sich das Atelier Körber & Körber auf den Erhalt von Altenkirchs kulturellem Erbe spezialisiert.

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Die Bilder des in Ziesar geborenen Landschaftsmalers und Impressionisten Otto Altenkirch (1875-1945) begeistern Kunstinteressierte bis heute. Das zeigen zwei Ausstellungen in Sachsen.

Warum es für die Burg Ziesar höchste Zeit für eine Reise in die Werkstatt war, erläutert Altenkirch-Experte Frank Petrasch, der das Atelier vertritt. „Das Bild war extrem verschmutzt. Vier Wochen lang wurde jeder Quadratzentimeter mit in Lösungsmittel getauchten Ohrstäbchen gesäubert. Jetzt ist es wieder perfekt“, freut sich der Dresdner.

In der Otto-Altenkirch-Ausstellung im Bürgerzentrum Waldschänke Hellerau. Quelle: Frank Bürstenbinder

Mit Einverständnis aus Ziesar wurde das Gemälde vor seiner Rückführung nach Brandenburg zusammen mit elf anderen gerade restaurierten Gemälden zu einer Otto-Altenkirch-Ausstellung vereint. Und zwar in Siebenlehn, in der Kunstlounge eines Einrichtungsgiganten an der Autobahn 4. „Seit 13 Jahren zeigen wir den Siebenlehnern für ein Wochenende Bilder aus Ziesar oder privatem Besitz, die in Altenkirchs Wahlheimat noch nicht zu sehen waren“, sage Petrasch der MAZ. Er konnte Hausleiter Swen Thyssenhusen und den Bürgermeister der Stadt Großschirma, Volkmar Schreiter, für die Idee begeistern. Die Siebenlehner kommen in Scharen, denn der gebürtige Ziesarer Altenkirch ließ sich 1920 in ihrer Kleinstadt bis zu seinem Tod 1945 als Maler nieder.

Jedes Jahr nach Ziesar

Ebenfalls an der Freiberger Mulde zu sehen war das 1926 entstandene Gemälde „Feldweg Buckauer Kirchenheide“, das wie die „Burg Ziesar“ in Kürze in seine Heimat zurückkehren wird. So wie es auch der Künstler tat, der trotz seines neuen Lebensmittelpunktes jedes Jahr seiner Vaterstadt einen Besuch abstattete. In der Regel um die die Osterzeit. So entstand 1933 ein weiteres in der Kunstlounge ausgestelltes Ölgemälde von der Burg, das sich allerdings in Privatbesitz befindet.

Bis heute geschätzt

Rund um Dresden ist Otto Altenkirch bis heute eine große Nummer unter den Spätimpressionisten. Im restaurierten Schloss des einstigen Odol-Fabrikanten Karl August Lingner wurde der Maler erst 2018 mit einer großen Ausstellung geehrt. In nur sechs Wochen kamen 5000 Besucher. Bei Auktionen erzielen seine Bilder schon mal fünfstellige Preise. Vor wenigen Tagen öffnete das Bürgerzentrum Waldschenke Hellerau nördlich von Dresden eine Kabinettausstellung mit Altenkirch-Bildern, die vor allem das ehemalige Hellergut und den Dresdner Heller als beliebte Motivregion des Künstlers zeigen.

Eine andere Variante der Burg Ziesar aus dem Jahr 1933. Das Gemälde befindet sich in Privatbesitz. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Ich war beeindruckt von der Ausstellung im Lingner-Schloss. Deshalb kam die Idee auf, Bilder von Altenkirch auch in unserer Waldschenke zu zeigen. Ein privater Kunstsammler hat das Anliegen des Vereins sofort unterstützt“, berichtet Mathias Schmidt vom Trägerverein des Bürgerzentrums. Die Resonanz war überwältigend. Zum Einführungsvortrag von Diplomrestauratorin Maria Körber waren 70 Plätze vorgesehen. Am Ende wurden es 130 Zuhörer, der Rest musste vor der Tür verharren.

Dauerausstellung geplant

Und was passiert mit dem Teil des Gemäldeschatzes, der sich im Eigentum Ziesars befindet? „Derzeit wird die Einrichtung einer Dauerausstellung in der Burg vorbereitet. Auf diese Weise sollen die restaurierten Altenkirch-Bilder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ich hoffe, dass wir im Mai die Eröffnung begehen können“, kündigte Bürgermeister Sehm gegenüber der MAZ an.

Von Frank Bürstenbinder