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Ziesar Der Arzt, der durchs Feuer geht
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12:01 21.11.2018
Der Allgemeinmediziner Wolfgang Hammer wird vor dem Betreten der Übungsanlage auf seinen Gesundheitszustand getestet. Quelle: privat
Wollin

 EKG unauffällig? Lungenfunktion bestens? Machen die Augen mit? Wer Atemschutzgeräteträger ist, kommt an einer Untersuchung bei ihm nicht vorbei. Wolfgang Hammer ist der Mann, der seit rund 30 Jahren Feuerwehrleuten die Tauglichkeit bescheinigt – oder den Daumen senken muss. Kameraden von Treuenbrietzen bis Pritzerbe treten alle drei Jahre bei dem Facharzt für Allgemeinmedizin an. Bei dringendem Bedarf auch außerhalb der Sprechzeit.

Regelmäßige Untersuchungen

Einsätze unter schwerem Atemschutz können belastend sein. Die Kameraden in den Angriffstrupps treffen auf Hitze, Rauch und Feuer. Sie müssen sich deshalb regelmäßig auf ihre weitere Eignung untersuchen lassen.

Voraussetzung ist eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung gemäß G 26.3. Das Ergebnis ist bis zum 50. Lebensjahr drei Jahre lang gültig. Außerdem müssen Atemschutzgeräteträger einmal in zwölf Monaten einen Übungslauf im FTZ absolvieren.

Die Übungsanlage für Atemschutzgeräteträger gehört zu den wichtigsten Ausbildungseinheiten im Feuerwehrtechnischen Zentrum. Jeden Sonnabend schicken Feuerwehren ihre Kameraden nach Beelitz-Heilstätten zum Training.

Nur wer fit ist, wird für die belastenden Einsätze der Angriffstrupps zugelassen. G 26.3 nennt sich der medizinische Eignungstest im Vorschriftendeutsch. Doch kürzlich drehten Brandschützer aus dem Amt Ziesar den Spieß um. Sie schickten ihren Doc aus seiner Wolliner Praxis zum schweißtreibenden Übungslauf in das Feuerwehrtechnische Zentrum (FTZ) nach Beelitz-Heilstätten. Ein Geschenk zum 70. Geburtstag. Verrückt?

Doktor Wolfgang Hammer, wie ihn seine Patienten kennen. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Ich war überrascht. Aber ich wollte da schon immer mal hin, um mir selbst ein Bild von den Belastungen für die Kameraden zu machen“, sagte Hammer der MAZ. Nur bei der theoretischen Unterweisung sollte es nicht bleiben. Als bisher ältester Teilnehmer in der Geschichte des 2003 eröffneten FTZ absolvierte der promovierte Mediziner die Atemschutzstrecke, die sonst Feuerwehrleuten vorbehalten ist, die einige Jahrzehnte jünger sind als er selbst. Dazu tauschte Hammer den weißen Arztkittel mit der schweren Einsatzkleidung: Jacke, Hose, Stiefel, Helm, Handschuhe – und Pressluftatmer.

Arzt ist durchtrainiert

Vor dem Gang in die Übungsanlage musste der Arzt seine eigene Fitness unter Beweis stellen. Dazu gehörte die Schinderei auf der durch das Eigengewicht angetriebenen Endlosleiter. Zweimal neun Meter waren zu Erklettern. Auch auf dem Laufband (230 Meter) und auf dem Ergometer (2,2 Kilometer) wurden Blutdruck und Puls überwacht. Für den 70-jährigen Probanden gab es trotz Atemschutz keinen Grund aufzugeben. Hammer hält sich privat mit Joggen, Schwimmen, Tennis und Skifahren fit. Das Alter sehen ihm seine Patienten nicht an. FTZ-Mitarbeiter Gerold Preuß berichtet: „So mancher 20-Jähriger kommt nicht an die medizinischen Werte von Doktor Hammer heran. Die Untrainiertheit in der jungen Generation ist ein generelles Problem bei der Suche nach neuen Atemschutzgeräteträgern.“

Die Wärmebildkamera zeigt Wolfgang Hammer (M.) im Kriechgang der Übungsanlage, begleitet von zwei Feuerwehrleuten. Quelle: privat

Dann wurde es ernst für den Feuerwehr-Doc. Begleitet von Benjamin Ewers aus Steinberg und Christoph Wegener aus Buckau stieg Hammer in die Atemschutzstrecke. Das bedeutet bei völliger Dunkelheit und eingehüllt in Disco-Nebel 62 Meter hoch und runter kriechen. Zu durchqueren war ein Hitzeraum, in dem mollige 85 Grad auf die Übenden losgelassen werden. Dann waren da noch vier Ventile abzuschiebern – wie in einer echten Industrieanlage. Alleingelassen blieb das Trio nicht. Per Wärmebildkamera wurden alle Bewegungen den Betreuern in der Zentrale übermittelt. Auch Puls und Blutdruck blieben unter Beobachtung. Über Sprechfunk hielt der Trupp Kontakt zur Außenwelt.

Viel Schweiß vergossen

Gute 30 Minuten dauerte der kräftezehrende Ausflug in die Welt der Atemschutzgeräteträger, von denen es im Landkreis rund 1200 gibt. Einmal in zwölf Monaten muss jeder der speziell ausgesuchten Kameraden erfolgreich den Übungslauf in dem vom Landkreis betriebenen FTZ absolvieren. Wolfgang Hammer wird das schweißtreibende Geburtstagsgeschenk nicht so schnell vergessen: „Ich war nass, wie aus dem Wasser gezogen. Hut ab vor allen Feuerwehrleuten, die sich dieser besonders schweren und gefährlichen Aufgabe stellen. Deren Einsatz müsste viel mehr gewürdigt werden.“

 

Von Frank Bürstenbinder

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