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Ziesar Ehemann leistet Hilfe im Wald – und wird bestraft
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Ehemann leistet Hilfe im Wald – und wird bestraft
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17:33 02.07.2019
Antje und Thomas Wöhling aus Tucheim fühlen sich von der Forstbehörde zu Unrecht an den Pranger gestellt. Dabei wollten sie einfach nur eine Runde laufen. Quelle: Frank Bürstenbinder
Görzke

Diesen Ausflug ins Grüne werden Antje und Thomas Wöhling nicht so schnell vergessen. Der Spaziergang in der Dahlener Heide kostete dem Ehepaar aus Tucheim am Ende ein Bußgeld von 128,50 Euro. „Wir wurden behandelt wie Schwerverbrecher“, beklagen sich die beiden Naturfreunde, die für ihre Filmaufnahmen aus der heimischen Tier- und Pflanzenwelt überregional bekannt sind. Was ist passiert?

Es ging nach eigenen Angaben nicht um neues Bildmaterial, als die Wöhlings am Ostermontag ihr Auto ordnungsgemäß auf dem Wanderer-Parkplatz an der L 95 bei Dangelsdorf abstellten. Mit einem kleinen Fußmarsch an der frischen Luft wollte Antje Wöhling die ambulante Reha unterstützen, die sie zu diesem Zeitpunkt nach einer Operation am Wadenbein absolvierte.

Zu starke Schmerzen

Die Wöhlings wanderten vom Parkplatz auf dem breiten Waldweg in nördliche Richtung auf Dahlen zu. Am Anfang kann die in Genthin als Schwimmmeisterin tätige Tucheimerin gut mithalten. Doch als das Ehepaar von einem Nebenweg aus den etwa zwei Kilometer langen Rückweg antreten will, kann Antje Wöhling nicht mehr. Zu sehr schmerzte die mit acht Schrauben in ihrem linken Knöchel befestigte Metallplatte.

Auf diesem Wanderer-Parkplatz bei Dangelsdorf stellten die Wöhlings ihr Auto ab. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Weil meine Frau nicht mehr laufen konnte, entschloss ich mich das Auto vom Parkplatz nachzuholen. Einen Rettungswagen zu rufen, erschien mir unverhältnismäßig. Der wird an anderer Stelle viel wichtiger gebraucht. Außerdem funktioniert dort kein Handy“, berichtete Thomas Wöhling der MAZ. Als Wöhling seine Frau vom Nebenweg zum Wagen auf dem Hauptweg führte, hatte der Görzker Revierförster Thomas Schmidt den Toyota schon entdeckt und fotografiert. Zu einer persönlichen Begegnung kam es nicht.

Post von der Bußgeldstelle

Mit der Feststellung durch den Revierförster ging alles seinen behördlichen Gang. Von der Zentralen Bußgeldstelle des Landesbetriebs Forst Brandenburg kam Post. Thomas Wöhling wurde wegen unbefugten Befahrens des Waldes zur Anhörung aufgefordert. Schriftlich schildert er der Bußgeldstelle das Dilemma mit seiner Frau. Die Behörde bittet daraufhin Revierförster Schmidt um eine Stellungnahme zum weiteren Vorgehen.

Der Revierförster blieb bei seiner Meinung. Er hält ein Verwarngeld für erforderlich. „Wir hatten die höchste Gefahrenstufe 5. Deshalb hat niemand mit dem Auto im Wald etwas zu suchen. Das ist keine böse Absicht, sondern wichtigste Regel für alle Personen. Gleichbehandlung ist mir wichtig“, sagte der Revierförster der MAZ. Außerdem zweifelt Schmidt die Version der Wöhlings vom nachgeholten Auto an. Er glaubt, dass die Tucheimer ohne Absprache mit der Waldbesitzerin neue Filmaufnahmen machen wollten, was die Wöhlings vehement abstreiten.

Wem wird geglaubt?

Der zuständige Oberförster Jörg Dechow in Lehnin kennt zwar den Einzelfall nicht, stellt jedoch auf Nachfrage klar: „Wenn es um Erste Hilfe geht, ist diese zu leisten.“ Knackpunkt für die Forstbehörde ist jedoch, wie glaubhaft diese Hilfeleistung dargestellt wird. „Wer entgegengesetzt der Einbahnstraße fährt, muss der Polizei auch einen überzeugenden Grund nennen“, so Dechow. Die Wöhlings haben das Bußgeld inzwischen bezahlt, sehen sich jedoch zu Unrecht an den Pranger gestellt: „Wir wollten keineswegs in den Wald fahren.“

Kaum mehr lesbar ist dieses Verbotsschild an der Einfahrt zum Weg. Quelle: Frank Bürstenbinder

Auf Nachfrage räumte Ziesars Amtsdirektor Norbert Bartels mit dem Irrglauben auf, dass es sich bei dem betreffenden Waldweg um einen öffentlich gewidmeten Weg handelt. „Es gibt in unseren Gemeinden keine gewidmeten und im Straßenkataster aufgeführten Waldwege. Damit entscheidet die Forstbehörde über die Befahrungsregeln.“ Am Eingang zum Wanderer-Parkplatz Dangelsdorf muss man schon ganz genau hinschauen, um ein völlig verwittertes Verbotsschild mit der nur noch zu erahnenden Aufschrift „Außer Forstfahrzeuge“ zu entziffern.

Von Frank Bürstenbinder

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