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Ziesar So bitter ist die Bilanz der Dürre
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar So bitter ist die Bilanz der Dürre
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06:21 02.03.2019
Elard von Gottberg im Stall der Fiener Agrargenossenschaft Ziesar.
Elard von Gottberg im Stall der Fiener Agrargenossenschaft Ziesar. Quelle: Marion von Imhoff
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Ziesar

Die Fiener Agrargenossenschaft Ziesar eG stellt sich breiter auf und zieht so aus dem Dürrejahr 2018 deutliche Konsequenzen. Eine davon: Am 1. Mai geht eine Bio-Tochter GmbH des landwirtschaftlichen Unternehmens an den Start. Wegen zusätzlicher Förderung der Biobranche wird das für das Unternehmen attraktiv.

Auch drei Photovoltaik-Projekte in Autobahnnähe und auf eigenen Gewerbeflächen kündigte Vorstandsvorsitzender Elard von Gottberg für 2019 an. Dritte Konsequenz ist der Produktionsschwerpunkt im Pflanzenbau auf Mais. Die Zahl der Milchkühe reduzierte der Betrieb bereits von 700 im Jahr 2016 auf 470. Waren vor dem Mangeljahr 38 Männer und Frauen in der Fiener Agrargenossenschaft beschäftigt, sind es jetzt nur noch 30.

Millionen Euro für Öko-Branche

Das Land Brandenburg zahlt Öko-Landwirten in diesem Jahr knapp 30 Millionen Euro zusätzliche Förderung. Das teilte Irene Kirchner, Referatsleiterin für ökologischen Landbau, mit. 2017 betrug die Summe noch 27,5 Millionen Euro für 685 Betriebe.

Für Öko-Ackerbau etwa gab es 16,4 Millionen Euro zusätzlicher Förderung und für Dauergrünland 10,1 Millionen Euro. „Pro Jahr erhöht sich die Summe um rund 2 Millionen Euro, weil sich immer mehr Betriebe auf Öko-Landbau umstellen“, so Irene Kirchner.

„Wir müssen starke Schritte einleiten, um einem möglichen weiteren Dürrejahr so gut es geht begegnen zu können.“ 1,5 Millionen Euro Schaden brachte das Dürrejahr dem Agrarunternehmen bezogen auf die durchschnittlichen Erträge in der Region. „Das ist ein Ertragsausfall von 70 Prozent.“ 250.000 Euro, also ein Sechstel der Summe kamen als Dürrehilfe vom Land. „Darüber sind wir sehr froh. Wir wissen, dass das nicht selbstverständlich war.“

Kostensparende Produktion

Eine weitere Konsequenz der Dürre ist eine nun möglichst kostengünstige Produktion: „Wir planen einen deutlich reduzierten Einsatz von Dünger und Pflanzenschutz. Wir beginnen moderat mit der Düngung. Kommt eine Wärmewelle und die große Frühsommertrockenheit, dann ist es richtig gewesen. Bei ausreichend Regen im März und April könne „nachgebessert“ werden.

„Dünger und Pflanzenschutz kosten sehr viel Geld und dieses Geld ernten wir nicht wieder zurück.“ Zudem seien durch den fehlenden Regen 2018 noch hohe Düngewerte im Boden vorhanden.

Vier schwierige Jahre

2018 war das vierte schlechte Jahr in Folge für den Betrieb und die Milchviehhalter generell: „2015, 2016 hatten wir die Milchkrise mit dem Verfall des Milchpreises, 2017 gab es eine verregnete und damit auch schlechte Ernte und 2018 die Dürre.“

Auch jetzt „ist der Milchpreis mit 33 Cent nicht gut und liegt unter dem Selbstkostenpreis“, sagt Elard von Gottberg. Fünf Cent mehr wären nötig, um Plus-Minus-Null rauszugehen. „Wir müssen aber ja auch mal die Verluste der vergangenen vier Jahre zurückverdienen.“

Februar war zu warm und zu trocken

Mit Sorge blickt der Agrarunternehmer auf den zu warmen und zu trockenen Februar zurück. „Wir können nicht noch einmal ein solches Jahr wie 2018 gebrauchen; wir brauchen ein gutes Jahr jetzt. Die Investitionen sind aufgeschoben, die Futtermittelreserven verbraucht, die Liquidität äußerst angespannt.“

2000 Hektar Ackerland und 600 Hektar Grünland bewirtschaftet die Fiener Agrargenossenschaft. Elard von Gottberg prophezeit, dass angesichts des Niederschlagdefizits irgendwann Flächen aufgegeben werden: „Das wird kommen, weil Pflanzen darauf einfach vertrocknen.“ Die Folge? „Fallende Bodenpreise.“

Zufrieden mit Wintersaat

Eine gute Nachricht hat der Landwirt indes doch: Das Wintergetreide stehe prima.

Mais komme mit der Trockenheit noch relativ gut zurecht. Zudem sei es ein klassisches Futtermittel in der Milchviehhaltung. Von 600 Hektar wird die Maisanbaufläche auf 900 Hektar ausgedehnt. „Das hört der eine oder andere ungern.“ Der Betrieb baut zwar alle Früchte noch an.

Rapsanbau ist fraglich

„Allerdings steht der Rapsanbau auf der Kippe.“ Es war zu trocken in der Zeit der Aussaat und der Betrieb erntete zuvor zu wenig Raps. Zudem fehle die Rapsbeize. Das ist dem Saatgut beigefügter insektizider Schutz vor Schädlingen, den die EU verboten hat.

Zum Viehbestand gehören 1700 Tiere, neben den 470 Milchkühen, 420 Mutterkühe plus Nachzucht von 800 Tieren. Um das Futter abzudecken „kaufen wir derzeit viel Getreide als Kraftfutter dazu, weil wir zu wenig davon geerntet haben.“ Im März beginnen die Abkalbungen. „Da haben wir Weidetierhalter Respekt vor dem Wolf. Wir hatten 2018 zwölf gerissene Kälber.“

Von Marion von Imhoff