Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ziesar Auf Treibjagd im Wolfsland
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Auf Treibjagd im Wolfsland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:51 02.12.2019
Die Strecke wird gelegt. Zwei Stück Damwild und zwölf Wildschweine erlegten die Jäger bei der Ansitzdrückjagd der Pächtergemeinschaft Glienecke-Grebs. Über 40 Jagdhelfer trieben den 75 Schützen das Wild zu. Quelle: Frank Bürstenbinder
Grebs/Glienecke

Die aufgebrochenen Tierkörper dampfen noch in der kalten Novemberluft. Die Strecke ist gelegt, wie die Jäger sagen. Mit dem Signal „Jagd vorbei“ gilt ihre Ehrenbezeugung auf dem Grebser Festplatz einem Schaufler, einem Kalb und zwölf Wildschweinen, die auf Fichtengrün gebettet, die erlegte Beute bilden.

Eine Gesellschaftsjagd ist der Höhepunkt einer Pächtergemeinschaft im Jagdjahr. Wochenlange Vorbereitungen gehen dem Treiben voraus.

Jagdleiter Sebastian Janthur ist zufrieden, doch nicht alle Erwartungen an die Ansitzdrückjagd haben sich erfüllt. Nur zwei Stück Damwild stehen auch im Vorfläming für eine abnehmende Population. Rehwild hat der Vorsitzende der Pächtergemeinschaft Glienecke-Grebs bis auf Ausnehmen erst gar nicht freigegeben, um den Bestand zu schonen.

Nicht allein im Wald

Schwarzwild ist da. 2018 liefen den Jägern sogar 18 Stück vor die Flinte. Doch es hätte in diesem Jahr noch magerer kommen können. Jäger und Treiber zwischen Glienecke, Steinberg und Gräben sind schon lange nicht mehr allein.

Eine von vier Jagdhelfergruppen mit Treiberführer Dieter Hausmann (r.). Quelle: Frank Bürstenbinder

„Fünf Wölfe im Treiben!“ Was die ersten Jäger von ihren Ansitzen melden, lässt Jagdleiter Janthur nicht in Jubel ausbrechen. Denn wo die streng geschützten Raubtiere sind, macht sich das Wild rar. Doch zunächst müssen die Hundeführer gewarnt werden. Wem sein vierbeiniger Gefährte lieb und teuer ist, lässt ihn lieber an der Leine. Die ersten beiden Wölfe seines Lebens erblickt Mathias Laube aus Glienecke: „Sie waren etwa 100 Meter von mir entfernt.“

Krach machen

Auch die Treiber werden daran erinnert, dass sie in Wolfsland vorrücken. „Niemand muss Angst haben. Lauft langsam, aber macht Krach. Schlagt mit Holz an die Bäume“, schärft Janthur den Jagdhelfern ein. Die über 40 Treiber haben eine wichtige Aufgabe. Sie sollen den Jägern das Wild aus seinen Dickungen zutreiben. Ohne Treiber keine Strecke, weiß jeder Absolvent einer Jagdschule.

Nachbarn jagen auch

Rund 1800 Hektar bejagbare Fläche nördlich und südlich der Autobahn umfasst das Gebiet der Pächtergemeinschaft Glienecke-Grebs. Am Wochenende konzentriert sich die Ansitzdrückjagd ausschließlich auf die südlich gelegenen Wälder, die in vier Bereiche aufgeteilt sind. Auch bei den Nachbarn in Gräben und Steinberg wird zur gleichen Zeit zur Jagd geblasen. Ein Vorteil, wenn man insbesondere dem Schwarzwild revierübergreifend zu Leibe rücken will. Dabei kann das Jagdglück mal bei der einen, mal bei der anderen Seite liegen.

Siegfried Falk aus Bücknitz war bei der Treibjagd dabei, kam aber nicht zum Schuss. Quelle: Frank Bürstenbinder

Treiberführer Dieter Hausmann aus Wusterwitz lässt seine Leute in breiter Reihe vorrücken. Keine Schonung, kein Stangenwald wird ausgelassen. Sie steigen über umgefallene Bäume, kämpfen sich durch kniehohes Gras, stolpern über Wurzeln. Die Jagdhelfer rufen „Hohoho!“ und „Hophophop!“ Mit dabei der erst 14-jährige René Ranke aus Brandenburg. „Die Jagd ist eine spannende Sache. Einmal hätte mich fast ein Wildschwein umgerissen“, berichtet der Schüler.

Begegnung mit Wild

Der Lärm zeigt Wirkung. Ein weißes Damwildkalb stürmt hochflüchtig an den Treibern vorbei. „Albino von rechts!“, ruft jemand. Dann wieder: „Hase nach hinten!“ Rehwild wird gesichtet. Nur Schwarzwild ist hart an der Autobahn zwischen Boecker Unterführung und Glienecker Brücke nicht dabei. Rund neun Kilometer sind die Treiber unterwegs, bis sie wieder am Grebser Festplatz eintreffen.

Hackepeter und Erbsensuppe

Dort läuft schon das Schüsseltreiben, wie das gemeinsame Mittagessen in der Jägersprache heißt. Fleißige Helfer sind unter anderem Marina Janthur sowie Ralf und Andy Schindelhauer, die sich um die Erbsensuppe auf offenem Feuer kümmern. Schon zum deftigen Frühstück sorgen Jägerfrauen für bergeweise Hackepeterbrötchen und Schmalzstullen.

Jagdleiter Sebastian Janthur (r.) gratuliert Christian Fatke aus Bücknitz zu seinem Jagderfolg. Ein Damhirsch lief dem Jäger wenige Minuten vor dem Ende des Treibens vor die Flinte. Quelle: Frank Bürstenbinder

Auf einem Hochsitz wartet Siegfried Falk aus Bücknitz drei Stunden auf den perfekten Moment. Doch der Waidmann kommt diesmal nicht zum Schuss. Wem das Jagdglück nicht hold ist, tröstet sich mit außergewöhnlichen Anblicken. Immer wieder wird von einem weißen Damhirsch berichtet. Aber den würde keiner der rund 70 Jäger erlegen wollen. Das bringt Unglück, so der Aberglaube.

Schaufler zum Abschluss

Einer kommt doch noch zum Schuss des Tages. Nur wenige Minuten vor dem Jagdsignal „Hahn in Ruh“ kann Christian Fatke einen vor seinem Ansitz vorbeiziehenden Damhirsch erlegen. Zusammen mit den anderen erfolgreichen Jägern nimmt der Bücknitzer beim Legen der Strecke die Glückwünsche von Jagdleiter Janthur entgegen, der ihm den traditionellen Schützenbruch auf dem abgenommenen Hut überreicht. Insgesamt wurden von Jägern und Treibern elf Wolfssichtungen gemeldet.

Von Frank Bürstenbinder

Dicht gedrängt schlängelten sich die Besucher des kleinen Köpernitzer Weihnachtsmarktes in der Mitte des Dorfes am Samstag aneinander vorbei. Die MAZ hat auch vorbeigeschaut.

01.12.2019

Überall soll Freude sein: Zahlreiche Weihnachtsmärkte locken am Wochenende in den Hohen Fläming. Speziellen Genuss gibt es beim Markttreiben in Niemegk.

28.11.2019
Bad Belzig Bad Belzig/Görzke - So klingt der Advent

Mit einer Hand voll Konzerten wird auf die Weihnachtszeit eingestimmt. Der Fläming-Gymnasium Bad Belzig bestreitet den Auftakt. Die MAZ gibt einen Überblick.

28.11.2019