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Ziesar Glienecker retten Wald vor immer mehr Müll
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Glienecker retten Wald vor immer mehr Müll
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14:42 09.10.2019
Geschafft: Die Teilnehmer am Glienecker Waldputz vor einem der am Sammelplatz abgeladenen Müllberge. Die Jagdpächter hatten zu der Gemeinschaftsaktion rund um die Ortslage aufgerufen. Quelle: Frank Bürstenbinder
Glienecke

„Es ist einfach nur eklig. Unsere Handschuhe können wir gleich mit entsorgen. Das macht wütend, aber einer muss es ja tun.“ Steffi Utermark und Uta Grewatsch sammeln benutzte Babywindeln vom Boden auf, die Unbekannte am Wegesrand entsorgt haben. Dabei hätten die beiden Frauen aus Glienecke (Potsdam-Mittelmark) an einem Sonnabendvormittag besseres zu tun, als den Wald aufzuräumen: „Einkaufen oder renovieren zum Beispiel.“

Tonnenweise Müll und Unrat haben Jäger und Waldbesitzer in einer Gemeinschaftsaktion aus den Wäldern rund um Glienecke (Amt Ziesar) geholt.

Doch die illegale Müllentsorgung hat in der Gemarkung so viele Schmuddel-Ecken hinterlassen, dass an die 40 Einwohner aus Glienecke und Grebs für ein paar Stunden Haus und Hof mit Feld und Flur tauschten. „Leider haben die Umweltsünden einiger Zeitgenossen wieder deutlich zugenommen. Die Abfallmenge kann ein Einzelner von uns nicht aus der Welt schaffen. Deshalb haben wir zu einer Gemeinschaftsaktion aufgerufen“, sagte Sebastian Janthur, Vorsitzender der Jagdpächtergemeinschaft Glienecke, der MAZ.

Aktiver Umweltschutz

Die Reaktion folgte prompt. Jäger, Waldbesitzer, Erwachsene und Kinder, Männer und Frauen schlossen sich der Umweltaktion an. „Wir reden nicht nur über Klima und Umwelt. In Glienecke wird gehandelt“, freute sich auch Ortsvorsteher Matthias Laube. Weil viele fleißige Hände und dutzende Müllsäcke allein nicht ausreichen, machten viele Glienecker ihre privaten Fuhrparks mobil. Sie stellten Anhänger, kamen mit Autos, Traktoren und Multicar.

Jede Menge Kabelisolierungen wurden eingesammelt. Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Gemarkung Glienecke samt dem bewohnten Gemeindeteil Grebs erstreckt sich nördlich und südlich der Autobahn 2. Außerdem führt die Landstraße 93 durch die Glienecker Ortslage. Der Verdacht, dass vor allem Auswärtige aus großen Städten ihren Müll auf dem Lande entsorgen, hält sich zwar hartnäckig, doch die abgelegenen Fundorte lassen eher auf Verursacher mit guten Ortskenntnissen schließen.

Die Müllbergung war teilweise recht beschwerlich. Quelle: Frank Bürstenbinder

Ein paar hundert Meter westlich von Grebs ist es zum Beispiel eine ehemalige und inzwischen mit Kiefern bewachsene Kiesgrube, in der sich immer wieder Abfälle ansammeln. Deren Beräumung war ein Schwerpunkt der Freiwilligen, die mit viel Körpereinsatz die steilen Hänge der Grube bewältigen mussten, um an den Müll heranzukommen. Das Ausmaß der Umweltverschmutzung war erschreckend.

Viele Kabelreste, Altölbehälter und Benzinkanister

Etliche Behälter mit Altöl, Benzinkanister, Feuerlöscher und Altreifen wurden zwischen Bäumen emporgeschleppt. Der Hänger hinter dem John-Deere-Schlepper von Marcel Simon füllte sich rasch. Immer wieder kamen Säcke mit Restmüll zu Tage. Autobatterien, Well-Asbest und Fahrzeugteile sammelten sich an. Auffällig auch die Unmengen an Kabelisolierungen ohne Kupferadern.

Sauerei am Wegesrand zwischen Glienecke und Grebs. Quelle: Frank Bürstenbinder

An anderen Stellen in der Gemarkung sah es nicht besser aus. „Man findet so ziemlich alles, was die Leute zu Hause nicht mehr gebrauchen können. Verrückt wird es aber, wenn Laub in Plastiksäcken in den Wald geschmissen wird“, berichtet Jagdpächter Robert Fritsch aus eigener Reviererfahrung.

Auch der Multicar von Daniel Buchholz erreichte den Sammelplatz mit einer vollen Ladung. „Ich bin selbst Waldbesitzer und ärgere mich immer wieder über neuen Müll. Deshalb stelle ich mein Fahrzeug gern zur Verfügung“, sagte der Glienecker.

Mittagessen als Dankeschön

Was nach der mehrstündigen Sammelaktion auf dem zentralen Abladeplatz landete, überraschte selbst die Initiatoren von der Pächtergemeinschaft, die sich mit einem Mittagessen und Getränken bei den Teilnehmern bedankte. „Es ist Wahnsinn. Mit einem solchen Ausmaß hat wohl niemand von uns gerechnet“, staunte Vorsitzender Janthur.

Mehrere Tonnen nach Materialart getrennte Abfälle haben die Glienecker aus der Landschaft geholt. Darunter allein an die 50 Altreifen. Was die jüngste Abfallbilanz des Landkreises Potsdam-Mittelmark bestätigt, wonach die illegale Entsorgung von Altreifen im vergangenen Jahr um zehn Prozent zugenommen hat.

 

Von Frank Bürstenbinder

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