Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ziesar Wochenmarkt: Ohne Fleischer rollt der Euro nicht
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Wochenmarkt: Ohne Fleischer rollt der Euro nicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:47 26.07.2019
Nanda Kuldeep baut jede Woche seinen Bekleidungsstand auf dem Wochenmarkt in Ziesar auf. Quelle: Frank Bürstenbinder
Ziesar

Vor der geöffneten Rathaustür hängen Damenblusen wie an einem Waschtag in der Sonne. Der Apothekenadler schaut auf Klapptische voller Schuhe in Kompaniestärke. Schaufensterersatz auf dem Straßenpflaster. Autos haben Parkverbot. Orgelpfeifen gleich sind vor einer Hauswand Staubsauger einer bekannten Unkaputtbar-Marke aufgereiht. Es ist Markttag in Ziesar.

Publikumsmagnet fehlt

Viel ist nicht los auf dem Breiten Weg. Händler warten im Schatten der Fassaden auf Kundschaft. Es kann die Hitze oder die falsche Uhrzeit sein. Bernd Birmuski (65) glaubt den Grund für das ruhige Geschäft an diesem Mittwoch zu kennen. Ein wichtiger Publikumsmagnet fehlt. Das Fleischerauto aus Ferchland ist diesmal nicht dabei. Die auch im Brandenburger Umland bekannte Landfleischerei von Carsten Pietrzak hat gerade Betriebsferien.

Bernd Birmuski aus Parey an der Elbe verkauft Salben für geschundene Gelenke. Quelle: Frank Bürstenbinder

Obwohl Ziesar mit derzeit drei Supermärkten bei Lebensmitteln mehr als überversorgt ist, stehen die Leute regelmäßig Schlange, um sich mit frischer Wurst von der Elbe einzudecken. Kommt der mobile Fleischer nicht, kostet das den Händlern, die noch durchhalten, Umsatz. Ohne Frühstücksfleisch, Schlackwurst und Sülze aus handgemachter Produktion macht sich das überwiegend ältere Stammpublikum rar.

Birmuski muss von seinem Stand nicht leben. Der aus Parey an der Elbe stammende Rentner verkauft seit Jahren in dem Fienerstädtchen Salben, die Balsam für geschundene Gelenke sein sollen – Murmeltier, Teufelskralle und Ringelblume sei Dank. Eine Kundin kauft gleich zwei Büchsen: „Hat unser’m Vater immer geholfen.“

Halbes Jahr Garantie

Der Pareyer hält dem Wochenmarkt in Ziesar zwar die Treue, doch der Bauernmarkt in Hohenseeden oder die Burger Fußgängerzone verschaffen ihm einen vielfachen Umsatz. Auch lange Heizkörperbürsten hat Birmuski dabei: „Die gingen mal richtig gut. Aber inzwischen sind alle Kunden versorgt.“ Als Händler ist er breit aufgestellt. Bei ihm gibt es auch gebrauchte Vorwerk-Staubsauger, die er höchst persönlich regeneriert: „Warum wegwerfen? Ich gebe ein halbes Jahr Garantie.“

Vor dem Rathaus gibt es eine Auswahl an Sommerblusen und Kleider für die Damen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Sein Nachbar auf dem Breiten Weg ist der gebürtige Inder Nanda Kuldeep (52). Der Mann mit dem fliegenden Kleiderladen ist sonst auf dem Wochenmarkt in Brandenburg-Nord zu finden. Sogar in Luckenwalde verkauft er Hemden, Jogginganzüge, Basecaps und Sommerkleider. Auch Kuldeep, der vor 28 Jahren nach Deutschland einwanderte, freut sich über jeden Kunden: „Das Geschäft ist schwierig in Ziesar, aber ich komme gerne wieder.“

Unter freiem Himmel

Am Eingang zum Wochenmarkt haben Landsleute von Kuldeep einen Schuhladen unter freiem Himmel aufgebaut. Hin und wieder schauen Frauen durch die Reihen, die Männer winken eher ab, wenn sie von den Verkäufern angesprochen werden. Ein aus Fernost stämmiges Pärchen, das seine Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, versucht sein Glück mit dem dritten Textilstand. Die Frau trägt einen Reishut zum Schutz gegen die erbarmungslose Sonne, die über dem Breiten Weg immer mehr an Höhe gewinnt.

An Schuhen mangelt es auf dem Wochenmarkt nicht. Dafür an Kundschaft. Quelle: Frank Bürstenbinder

Gegen Mittag wird zusammengepackt. Bevor sich der Wochenmarkt auflöst, hat das Amt Ziesar die Standgebühren kassiert. Die sind mit 2,50 Euro je angefangenen Frontmeter sowie 1,50 Euro für jeden aufgestellten Kleiderständer moderat. „Übers Jahr läppert es sich für die Stadt. Wir freuen uns über jeden Händler, der Ziesar ansteuert“, sagte Ordnungsamtschefin Eva Friedrich der MAZ.

Eine soziale Funktion

Im Hochsommer hält sich das Interesse der Anbieter traditionell in Grenzen. In dieser Woche blieb nicht nur das Fleischer-Auto aus. Auch der beliebte Hähnchen-Grill wurde vermisst. Bürgermeister Dieter Sehm verweist auf die lange Tradition des Wochenmarktes in Ziesar : „Ich sehe auch eine soziale Funktion. Handel und Wandel sind ein guter Grund, dass sich Leute auf der Straße treffen. Außerdem macht der Markt das Stadtbild bunter.“

 

Von Frank Bürstenbinder

Autofahrer müssen sich auf Umwege einstellen. Im Bereich der Anschlussstelle Wollin wird die Fahrbahn erneuert. Der Landesbetrieb lässt unter Vollsperrung arbeiten.

26.07.2019

Jung und voller Tatendrang: Kim Ole Daniels ist neuer Ortsvorsteher in Benken. Dort findet jetzt ein Generationswechsel statt. Gleichwohl die verdiente Vorgängerin ein Problem noch nicht lösen konnte.

25.07.2019

Am Grüninger Ortseingang macht sich eine Weide immer breiter. Laster schlagen ständig Äste ab. Entstanden ist ein grünes Tor zur Autobahn, das für Gesprächsstoff sorgt.

26.07.2019