Schönste Scheune steht am Frauentor
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Ziesar Schönste Scheune steht am Frauentor
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Schönste Scheune steht am Frauentor
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17:20 18.04.2018
Denkmalgerecht saniert wurde die sogenannte Kita-Scheune, die einst zum Bardelebenschen Rittergut gehörte. Quelle: Rüdiger Böhme
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Ziesar

Mit dem Durchschneiden eines mit buntem Krepppapier geschmückten Bandes haben am Mittwoch Bürgermeister Dieter Sehm und Architektin Heidrun Fleege ein stadtbildprägendes Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Bardelebenschen Hofes am Frauentor seiner Bestimmung übergeben. Die sogenannte Kita-Scheune aus dem 19. Jahrhundert wurde im Rahmen der öffentlich geförderten Stadtsanierung einer umfassenden Restaurierung unterzogen.

Statik nicht mehr gefährdet

Das denkmalgeschützte Gemäuer mit seinen Feld- und Backsteinfassaden bekam seinen volkstümlichen Namen, weil es von der benachbarten Kita, die seit 2004 in einem ebenfalls sanierten Fachwerkhaus untergebracht ist, als Speicher genutzt wird. Dabei bleibt es auch in Zukunft. Dafür ist jetzt die Statik nicht mehr gefährdet.

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Fördermittel für Bahnhofstraße

Kern der einstigen Bardelebenschen Gutsanlage ist das aus dem 16. Jahrhundert stammende Fachwerkgebäude, das nach umfassender Sanierung seit 2004 als kommunale Kita „Regenbogen“ dient. Es ist der älteste Profanbau in der Stadt Ziesar.

Wirtschaftsgebäude und andere Aufbauten wie die sogenannte Kita-Scheune stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Die Gutsanlage wurde 2001 in die Denkmalliste eingetragen. 1945 war die Besitzerfamilie enteignet worden.

Die nächsten Schritte in der Stadtsanierung stehen inzwischen fest. Wie Amtsdirektor Norbert Bartels mitteilte, wurden Fördermittel für den Ausbau der Bahnhofstraße bewilligt. Ob mit dem Bau noch 2018 begonnen wird, ist derzeit nicht entschieden.

Die Zimmerei Timpe aus Lütte erneuerte große Teile des maroden Dachstuhls, bevor eine neue Eindeckung erfolgen konnte. „Nässeschäden wurden beseitigt, Fenster aufgearbeitet, Türen und Tor erneuert“, berichtet Architektin Fleege. Außerdem galt es Fehlstellen im Mauerwerk mit neuen Backsteinen zu ersetzen. Alle Mauern haben weitestgehend eine neue Verfugung erhalten. Auch der Fußboden wurde einer Sanierung unterzogen. Alles Bauleistungen, die die Firma Lo-Bau aus Rogäsen ausführte.

Sanierung nur mit Fördermittel möglich

„Ich freue mich, dass unserer Altstadt ein weiterer sanierter Mosaikstein hinzugefügt wurde“, sagte Bürgermeister Dieter Sehm in seiner Eröffnungsrede. Ohne Fördermittel aus dem Programm der Stadtsanierung hätte die Kommune die rund 195 000 Euro teure Investition allerdings nicht stemmen können, räumte das Stadtoberhaupt ein.

Die Scheune ist längst nicht so betagt wie die Kita, die sich im ältesten Haus der Stadt Ziesar befindet. Doch die beiden Gebäude bilden das heutige Tor, hinter dem sich eine platzartige Erweiterung eröffnet, an die zwei Wohngebäude und ein weiteres ehemaliges Wirtschaftsgebäude (Kleiderkammer) grenzen. „Wir sind in guter Hoffnung, dass der Eigentümer die alte Kleiderkammer einer Verjüngungskur unterziehen lässt“, sagte Bürgermeister Sehm. Die Immobilie gehört den Betreibern der Miteinander-Wohnstätte für behinderte Menschen, die sich am Ende des Frauentors befindet.

Bürgermeister Dieter Sehm und Architektin Heidrun Fleege durchschneiden das Band zur sanierten Scheune.. Quelle: Rüdiger Böhme

Die sanierte Kita-Scheune ist ein wichtiges Zeugnis aus der Blütezeit der einstigen Gutsanlage, die erst 1898 mit der Eingemeindung zum Stadtgebiet kam. Das Bardelebensche Rittergut ging 1861 in den Besitz der Familie Albrecht über, weshalb das Gebäudeensemble auch als Albrechtshof bekannt ist.

Eine behutsame Säuberung der Scheunen-Fassaden lässt die unterschiedlichen Baumaterialien wieder klar erkennbar werden. Der Ostgiebel zeigt sehr schön, wie ein Vorgängerbau aus Feldsteinen zu einem späteren Zeitpunkt mit Backsteinen vergrößert und mit einem Zahnfries als Schmuck ausgestattet wurde. Wann genau das geschah, ist unbekannt. Der Kultur- und Heimatverein übernahm die Aufgabe, die zahlreichen Gäste des Festaktes mit Kaffee, Kuchen und Bratwürsten zu bewirten.

Drei Baumaßnahmen abgeschlossen

Bürgermeister Sehm löste ein Monate altes Versprechen ein, das er nach Fertigstellung des Straßen- und Leitungsbaus „Frauentor“ im letzten Herbst gemacht hatte. „Wir wollten den Abschluss von drei Baumaßnahmen feiern. Und nun ist es soweit“, freute sich Sehm. Dazu gehört die abgeschlossene Sanierung der Mauer entlang der Straße am Frauentor, für die rund 25 000 Euro aufgewendet wurden.

Rund 395 000 Euro kostete der Straßenbau Frauentor samt Sonderbauwerk unter Federführung der Firma Grigat Bau Ziesar. Bei dem Sonderbauwerk handelt es sich bekanntlich um den Durchlass für den Steinbach, wodurch sich die Entwässerung für den südlichen Bereich der Altstadt verbessert hat.

Von Frank Bürstenbinder