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Ziesar Truppenübungsplatz Altengrabow bekommt 500 Hektar Wald in Brandenburg dazu
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Truppenübungsplatz Altengrabow bekommt 500 Hektar Wald in Brandenburg dazu
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11:42 15.01.2020
Nicht nur schwere Artillerie ist auf dem Truppenübungsplatz unterwegs. Eine Spezialeinheit übt in Altengrabow den Antiterrorkampf. In diesem Jahr blickt das länderübergreifende Militärareal auf eine 125-jährige Geschichte zurück. Quelle: Frank Bürstenbinder
Altengrabow

Nach der Eingliederung der urbanen Außenstellung Rosenkrug mit 400 Hektar steht eine weitere Ausdehnung des länderübergreifenden Truppenübungsplatzes Altengrabow unmittelbar bevor. So läuft derzeit das formale Antragsverfahren für die Aufnahme von 500 Hektar Kiefernwald am südlichen Platzrand im Zipsdorfer Forst bei Reetz (Wiesenburg).

Bundeswehr kam 1994

Der erste Übungsbetrieb in Altengrabow begann schon 1891. Doch erst 1905 wurde das auf der westlichen Hochflämingfläche gelegene Manövergelände offiziell an das Militär übergeben. Die Bedeutung zeigt sich durch die neun Besuche, die Kaiser Wilhelm II. Altengrabow abstattete.

Schon im Ersten Weltkrieg diente der Truppenübungsplatz als Kriegsgefangenenlager. Ab 1939 war es auch Arbeitslager für die nahegelegene Munitionsfabrik. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges folgten erneut tausende Kriegsgefangene bis zu Befreiung 1945.

Nach Kriegsende machte das sowjetische Militär aus Altengrabow eine ihrer größten Garnisonen in der DDR. Ab 1983 wurden Mittelstreckenraketen stationiert. Nach dem Abzug des letzten russischen Soldaten 1994 übernahm die Bundeswehr den Standort, der seither modernisiert und ausgebaut wird.

Dass diese Bundesliegenschaft in die Verantwortung der Bundeswehr übertragen werden soll, sei inzwischen ausgemachte Sache, sagte der stellvertretende Platzkommandant Hauptmann Peter Blankenheim vor rund 200 Gästen beim Neujahrsempfang im Casino der Truppenunterkunft. Mit der schon lange geplanten Übergabe würde sich die Fläche des Truppenübungsplatzes Altengrabow auf rund 10 000 Hektar vergrößern.

Der stellvertretende Platzkommandant Hauptmann Peter Blankenheim. Quelle: Frank Bürstenbinder

Wie Blankenheim mitteilte, soll der so genannte Reichswald, der schon in den 1930er-Jahren von der Wehrmacht für eine spätere Erweiterung des Militärareals aufgekauft wurde, ausschließlich dem Lärmschutz dienen. Der Wald befindet sich auf dem Territorium des Landes Brandenburg, dass mit rund einem Drittel an der Gesamtfläche des Truppenübungsplatzes beteiligt ist.

Mit der bevorstehenden Erweiterung erlebt das Manövergelände die größte Ausdehnung in seiner Geschichte, die vor genau 125 Jahren als „Schießplatz Gloine“ begann. Zahlreiche Ortschaften und Siedlungen mussten zuvor weichen. Fast fünf Millionen Reichsmark wurden für Ankäufe ausgegeben. An die Anfänge und die bewegte Geschichte in Altengrabow will die Bundeswehr am 16. Mai mit einem Tag der offenen Tür erinnern.

Befreiung vor 75 Jahren

Es gibt noch ein weiteres historisches Datum vor dem der Truppenübungsplatz in diesem Jahr steht. Am 9. Mai gedenken Militär und zivile Öffentlichkeit der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Stalag XI A und des Kriegsendes vor 75 Jahren. Zuerst hatten im April 1945 Einheiten der 83. US Infanterie-Division Altengrabow erreicht, um westalliierte Gefangene in Sicherheit zu bringen. Im Mai folgte die Besetzung des immer noch mit sowjetischen und polnischen Kriegsgefangenen belegten Lagers durch die Rote Armee.

Die Panzerhaubitze 2000 ist mehrmals im Jahr auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow anzutreffen. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Heute ist Altengrabow zu einer festen Größe für den Übungsbetrieb der Bundeswehr, insbesondere für die Artillerie geworden“, sagte Hauptmann Blankenheim in seiner Neujahrsansprache. Der Offizier vertrat bei dem Festakt seinen erkrankten Vorgesetzten Eugen Poch. Erstmals stand die neue Loburger Ortsbürgermeisterin Gabriele Schmohl als Rednerin im militärischen Rampenlicht. Ihr Vorgänger Bernd Wünschmann, der noch als Lehniner Platzkommandant in Erinnerung ist, war zur Kommunalwahl im Jerichower Land nicht mehr angetreten. Kommunalpolitiker aus Potsdam-Mittelmark bleiben der Veranstaltung schon seit Jahren fern.

Mit Luftunterstützung

In diesem Jahr werden die Artillerieschießen im Mai beginnen. Dann auch wieder mit Luftunterstützung. Verbände der niederländischen Armee werden für drei Wochen erwartet. Außerdem diverse andere Einheiten sowie Spezialkräfte von Polizei und Zoll. 2019 kam erstmals ein Eurofighter über Altengrabow zum Einsatz, der mit seiner 27-Millimeter-Bordkanone auf Erdziele schoss. Auch Flugzeuge mit Übungsbomben waren dabei.

Jedes Jahr werden weitere Flächen auf Altmunition abgesucht. 2019 wurden 40 Tonnen Munitionsschrott entsorgt. Im Einsatz sind zwei zivile Räumfirmen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Der Ausbau der Infrastruktur geht auch 2020 und in den Folgejahren weiter. So soll in diesem Jahr endlich die Inbetriebnahme der neuen Feuerwache erfolgen. Eine neue Kfz-Geländelehrbahn soll entstehen. Eine zentrale Waffenkammer ist geplant. Die übende Truppe braucht neue Unterkunftsgebäude. Der Straßenbau und der Rückbau von nicht mehr benötigten Gebäuden geht weiter.

Eine Übersicht der Garnison Altengrabow zu DDR-Zeiten. Quelle: Frank Bürstenbinder

Nach zwei Dürrejahren hat der Brandschutz Priorität bei der Platzunterhaltung. „Wir legen weitere Brandschutzstreifen an, ertüchtigen Wege. Schon im März ist eine große Brandschutzübung geplant“, kündigte der stellvertretende Platzkommandant an. Auch in Altengrabow gibt es zahlreiche abgestorbene Bäume. Vertrocknete Kulturen müssen nachgepflanzt werden. Außerdem hat der Bundesforstbetrieb den Holzeinschlag vorerst eingestellt, um den angespannten Markt zu entlasten.

Von Frank Bürstenbinder

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