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Ziesar Leben retten durch Stromschlag
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Leben retten durch Stromschlag
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15:52 26.03.2019
Oliver Otto (r.) und Kevin Kujat stellen den Defibrillator vor. Der Schockgeber ist ab sofort bei jedem Einsatz dabei. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Wenzlow

Anne ist umgekippt. Einfach so, auf der Straße. Zwei Ersthelfer sind zufällig in der Nähe. Nach einem vergeblichen Ansprechen ist für Sven Fredersdorf und Steffen Fischer schnell klar: Keine Atmung, kein Herzschlag. Die Frau ist bewusstlos! Jetzt muss alles ganz schnell gehen. Einer ruft die 112 an. Der andere schnappt sich einen Defibrillator, wie er deutschlandweit an 20 000 öffentlichen Stellen angebracht ist.

Gerät gibt Anweisungen

Falsch machen können die beiden freiwilligen Feuerwehrleute nichts. Sie folgen nur den lautstarken Anweisungen des Gerätes. Auf dem entkleideten Oberkörper werden zwei Elektroden geklebt. Der tragbare Lebensretter, den jeder Laie bedienen kann, analysiert die Herzfunktion von Anne. Kammerflimmern! Die Aufforderung aus dem Defibrillator kommt prompt. Die orangefarbene Schocktaste soll gedrückt werden. Dann würden 750 Volt durch das Herz von Anne fließen und den Muskel anregen wieder normal zu schlagen.

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Soweit die Theorie. Denn Anne ist nur eine Übungspuppe. Der nagelneue Defibrillator kam nicht wirklich zum Einsatz. Die beiden Elektroden blieben verpackt, denn nach jedem Einsatz müssen sie gewechselt werden. „Wichtig nach jedem Schock: Ihr müsst die Person zweimal beatmen und 30 Herzdruckmassagen machen, um das Blut zurück in die Organe zu pumpen“, erklärte Kevin Kujat den Kameraden aus Wenzlow und Wollin bei einer Einweisung in die Neuanschaffung.

Sven Fredersdorf (l.) und Steffen Fischer üben ihre Rolle als Ersthelfer. Quelle: Frank Bürstenbinder

Kujat gehört der Wenzlower Feuerwehr an. Beruflich ist er für den Promedica-Rettungsdienst in Ziesar im Einsatz. Mit lebensbedrohlichen Situationen kennt der Retter sich aus. Deshalb übernimmt er auch die Ausbildung am Gerät, dass über den Feuerwehrverein mit Hilfe von Sponsoren angeschafft werden konnte. Oliver Otto von der Firma Medizintechnik Morschek aus Grüningen übergab den Defibrillator in dieser Woche an die freiwilligen Feuerwehrleute. Die Firma wird in den nächsten Jahren die Wartung übernehmen.

Auf dem Einsatzfahrzeug

Der Schockgeber gehört ab sofort zur Ausrüstung des Löschfahrzeuges, das vorrangig als erstes Fahrzeug bei Unfällen auf der Autobahn unterwegs ist. An Bord verlastet ist dort nämlich auch der hydraulische Rettungssatz, mit dem eingeklemmte Personen aus Wracks befreit werden. „Der Defibrillator ist eine sinnvolle Ergänzung für unsere Ersthilfe. Spielt das Herz verrückt, zählt jede Minute. Wir sind in der Regel vor dem Rettungswagen und dem Notarzt am Unfallort und können den Defibrillator bei Bedarf sofort zum Einsatz bringen“, meint Wenzlows Löschgruppenführer Holger Vieweg.

Immer mehr Defis

Zusammen mit der Kreisverwaltung soll demnächst besprochen werden, welche zusätzlichen Aufgaben die Feuerwehr bei lebensbedrohlichen Situation in Wenzlow und Umgebung künftig übernehmen kann. Zur Ausrüstung der Wenzlower Kameraden gehören bereits drei Ersthelfer-Rucksäcke. Zum Inhalt gehören unter anderem Beatmungsbeutel, die eine künstliche Beatmung von bewusstlosen Personen erleichtert. Auch andere Feuerwehren haben sich inzwischen sogenannte Defis angeschafft, um im Notfall Leben durch Stromschläge retten zu können. Dazu gehören zum Beispiel Fohrde und Marzahne. Im Kützkower Gerätehaus ist seit kurzem ein Schockgeber vorhanden, falls es im Dorf bei einem Menschen zu einem plötzlichen Herzstillstand kommen sollte.

Von Frank Bürstenbinder