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Ziesar Wolf reißt zwei Schafe mitten im Dorf
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Wolf reißt zwei Schafe mitten im Dorf
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15:20 14.02.2019
Karin Knape vor dem gerissenen Schaf auf ihrem Hofgrundstück in Gräben. Der Wolf hat den Verlorenwasserbach und einen Zaun überwunden. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Gräben

Manni und Mimi waren die Stars der Brandenburger Landpartie in Gräben. Jetzt sind beide tot. Die Kamerunschafe wurden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von Wölfen gerissen. Nicht irgendwo auf einer Weide oder in einem abgelegenen Stall, sondern auf einem eingezäunten Hof mitten in der Ortslage. So etwas hat es seit dem ersten Auftauchen der Wölfe in Gräben noch nicht gegeben.

Niemals damit gerechnet

Die Schafe gehörten zum Leben von Karin und Henry Knape, wie die Hühnerschar und die 20 Bienenvölker, die von dem Ehepaar auf seinem Wohngrundstück in der Hauptstraße gehalten werden. „Wir sind total beunruhigt. Niemals hätten wir damit gerechnet, dass sich ein Wolf Zugang zu unserem Besitz verschafft“, sagte Karin Knape der MAZ. Es gibt noch einen Grund, warum die Gräbener nach den Wolfsrissen die Öffentlichkeit suchen. Ihr Hof befindet sich nur etwa 50 Meter vom öffentlichen Spielplatz entfernt. Ein Thema, dass an diesem Freitag auch am Stammtisch der hofeigenen Kneipe Bienenkorb für Diskussionsstoff sorgen dürfte.

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Die Gemarkung Gräben gehört schon seit Jahren zum Aktionsradius der Fläming-Wölfe. Quelle: Pixabay

Etwas muss unternommen werden, sind sich die Knapes einig. Jetzt raten sie Eltern zu mehr Aufmerksamkeit, sollten sich ihre Kinder noch in der Dämmerung auf dem Spielplatz aufhalten. Von Panikmache kann keine Rede sein, doch ist lange bekannt, dass sich im Raum Görzke ein Wolfsrudel angesiedelt hat. Schon vor fünf Jahren berichtete die MAZ über einen Wolfsangriff auf ein Damwildgehege im benachbarten Dahlen. Im ebenfalls nicht weit entfernten Grebs riss ein Wolf mitten im Dorf ein Damwild-Kalb. Jüngste Meldung aus der Region: Schulkinder haben zwischen Hohenlobbese und Görzke aus einem Bus heraus ein Rudel mit zehn Wölfen gezählt.

Gutachter vor Ort

Zum ersten Riss bei Familie Knape kam es bereits in der vergangenen Woche, als die Besitzer die hochträchtige Zibbe Mimi mit durchgebissener Kehle vorfanden. Ein herbeigerufener Rissgutachter besah die Spuren, nahm Maße und Proben. „Es bestand kein Zweifel, dass ein Wolf der Verursacher war“, berichtet Karin Knape. In dieser Woche der zweite Vorfall auf dem Familiengrundstück. Am Mittwochabend hatte die Hausherrin noch bei Schaf Manni nach dem Rechten gesehen. Am Donnerstagfrüh fand sie den Bock ausgeweidet auf dem Boden liegen. Wieder muss sich ein Gutachter auf nach Gräben machen.

Amtsdirektor Norbert Bartels. Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Trauer ist groß. Jedes Jahr zur Brandenburger Landpartie öffnet Familie Knape ihren liebevoll gepflegten Hof, um Besucher über ihr Hobby, die Imkerei, zu informieren. Die Schafe Manni und Mimi waren immer dabei. Ob sich eine Neuanschaffung lohnt, ist noch nicht entschieden. Der Gutachter empfiehlt als Einfriedung einen Elektrozaun. Für die Knapes ein Unding. Sie fragen sich: „Wer schützt eigentlich den Menschen und seinen Besitz vor dem Wolf?“

Politik soll handeln

Zwar schloss sich die Gemeinde Gräben der Initiative für eine „Wolfsfreie Zone“ an, doch hat der Beschluss nicht mehr als Symbolcharakter. „Die Menschen wollen, dass die Politik endlich handelt, um die ungehinderte Ausbreitung der Art regulieren zu können“, ist Ziesars Amtsdirektor Norbert Bartels überzeugt. Die jüngsten Vorfälle in Gräben würden erneut zeigen, dass die Wölfe keine Scheu mehr vor den Menschen hätten, so Bartels. Der Verwaltungschef befürchtet, dass Wolfsrisse bei Nutztieren in den nächsten Wochen wieder zunehmen werden. Dann müssen die Rudel zusätzliche Nahrung für die diesjährigen Welpen auftreiben.

Von Frank Bürstenbinder