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Ziesar Wolf reißt Mutterschaf Lämmer aus dem Bauch – und kehrt am Abend zurück
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Wolf reißt Mutterschaf Lämmer aus dem Bauch – und kehrt am Abend zurück
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17:36 06.03.2019
Die überlebenden Lämmer schmiegen sich an ihre tote Mutter. Quelle: privat
Rottstock

Ein Wolf hat in der Nacht zu Dienstag allem Anschein nach auf einer Weide in Rottstock bei Gräben (Potsdam-Mittelmark) gewütet. Er riss einem hochträchtigen Mutterschaf den Bauch auf und zog zwei Lämmer heraus. Alle drei Tiere überlebten den Angriff nicht.

Noch am selben Abend kehrte der Wolf offenbar zurück – und machte sich an einem der toten Tiere zu schaffen. Die Kadaver lagen noch auf der Wiese, weil kurz zuvor ein Gutachter den Fall aufnahm.

Nach Angaben von Besitzer Heiko Wallbaum hatte das Raubtier zuvor drei weitere Mutterschafe getötet. Zwei zehn Tage alte Lämmer verschwanden außerdem von dem Grundstück. Die Weide liegt mitten im Dorf und ist zu drei Seiten eingezäunt, auf der Rückseite verläuft die gut zwei Meter breite Buckau. Für einen Wolf sei der Bach kein Hindernis, so Heiko Wallbaum.

Wolf auf Heiko Wallbaums Wildkamera bei Rottstock. Quelle: privat

Neugeborene Schafe überlebten

Noch eine zu Herz gehende Tragödie spielte sich auf der Weide ab: Eines der Mutterschafe hatte offenbar kurz vor dem Angriff noch zwei Lämmer zur Welt gebracht. Diese müssen versteckt vor dem Wolf in einem Verschlag gelegen haben. Am Dienstagmorgen fand Heiko Wallbaum die beiden neugeborenen Lämmer neben ihrer toten Mutter. „Wir versuchen jetzt, die beiden mit der Flasche groß zu ziehen“, sagt der 45-jährige selbstständige Tischlermeister.

Wolf tötet auf einer Weide mitten in Rottstock Mutterschafe und reißt ungeborene Lämmer aus dem Bauch. Quelle: privat

Er spricht von einem Schaden von 1200 bis 1500 Euro. Die Schafe gehören zur Gastwirtschaft, die Andrea Haug-Wallbaum betreibt. „Wir werden die Schafe jetzt abschaffen, wir haben dem Wolf nichts mehr entgegenzusetzen“, sagt Heiko Wallbaum resigniert. Er ist auch Jäger. „Ich habe Wildkameras im Wald platziert und ständig sind darauf Wölfe zu sehen.“

Alle Kadaver weisen seinen Angaben nach Kehlbisse auf, die typisch für Wolfsangriffe sind. Zudem sind die Bäuche ausgeweidet. Am Nachmittag hat sich der Rissgutachter in Rottstock angekündigt. Von den beiden toten Lämmern, die der Wolf dem trächtigen Schaf aus dem Bauch gerissen hatte, existieren ebenfalls Fotos. Diese sind jedoch zu schockierend für eine Veröffentlichung.

„Der Jäger schießt keine Mutter von zwei frischgeborenen Jungtieren während der Schonzeit“, sagt Heiko Wallbaum verbittert. „Der Jäger würde dafür seinen Jagdschein verlieren.“

„Politischer Schaden nicht mehr messbar“

Zur Wolfsproblematik hat sich jetzt auch Elard von Gottberg, Vorstandsvorsitzender der Fiener Agrargenossenschaft Ziesar, geäußert. Der studierte Landwirt warnt eindringlich vor den politischen Auswirkungen der Thematik Wolf.

Elard von Gottberg, Vorstandsvorsitzender der Fiener Agrargenossenschaft Ziesar. Quelle: Marion von Imhoff

Besonders im Frühjahr „haben wir Weidetierhalter Respekt vor dem Wolf“. In dieser Zeit kommen die Jungtiere zur Welt. „Wir haben keine Schafhalter mehr in der Umgebung von Ziesar.“ Und Elard von Gottberg weiter: „Wir reden hier über ein weiches politisches Thema, ein hausgemachtes Problem. Wir machen uns natürlich Gedanken über die echten politischen Fragen im Land, wenn wir so ein Thema nicht zufriedenstellend gelöst bekommen. Die Verdrossenheit über dieses permanente Dauerthema ist erheblich und der politische Schaden ist überhaupt nicht mehr messbar, der hat eine Größe erreicht, die sehr zu einer Politikverdrossenheit beiträgt.“

Kreisbauernchef schockiert

Zu dem Rottstocker Wolfsangriff auf Mutterschafe äußert sich am Nachmittag auch Jens Schreinicke, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark. „Was bei diesem Wolfsangriff passiert ist, ist herzzerreißend. Das geht selbst mir unter die Haut und ich kann sonst sogar bei Schlachtungen zusehen“, sagt der Kreisbauernchef. „Der Fall zeigt deutlich, wie grausam diese Angriffe sind“, so Schreinicke weiter.

Von Marion von Imhoff

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