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Ziesar Wollin: Bank weg, Konsum weg, Post weg
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Wollin: Bank weg, Konsum weg, Post weg
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14:09 16.08.2019
Uwe Lindemann gehört zu den Stammkunden im Wolliner Dorfladen. Doch Ende September wird Dajana Siebert nach fast elf Jahren ihr Geschäft schließen. Quelle: Frank Bürstenbinder
Wollin

Uwe Lindemann gehört zu den Wollinern ohne Führerschein. Deshalb kauft er für sich und seine pflegebedürftigen Eltern im Dorf ein. „Lebensmittel, Getränke und alle wichtigen Dinge, die man im Alltag eben so braucht“, berichtet der Stammkunde im Tico-Kaufquell. Doch mit dem kurzen Weg zu den Regalen und an die Kasse ist es bald vorbei. Am 27. September schließt der ehemalige Konsum für immer seine Tür.

Schwere Entscheidung

Erst vergangenes Jahr hat die Brandenburger Bank ihre Geschäftsstelle in Wollin dicht gemacht. Jetzt eine erneute Zäsur vor allem für Leute ohne Auto, die Alten – und die Vergesslichen. Doch von denen allein kann Betreiberin Dajana Siebert nicht leben: „Die Entscheidung ist mir schwer gefallen. Es war auch eine schöne Zeit. Doch ich habe nur noch 20, vielleicht 30 Kunden am Tag. Das ist zu wenig. Um finanziell über die Runden zu kommen, gehe ich nebenbei kellnern und betreibe einen Catering-Service.“

Leute kaufen Kleinigkeiten

Seit 2009 hält sich die in Tieckow lebende Einzelhändlerin, die ihren Beruf einst bei Familie Melchert in Wusterwitz erlernte, mit dem einzigen Dorfladen zwischen Brandenburg und Görzke über Wasser. Mehrere hundert Artikel hat Tico Kaufquell auf rund 100 Quadratmeter Verkaufsfläche im Sortiment. Einige Regalmeter wurden schon wegen des rückläufigen Umsatzes reduziert. Die meisten Leute kaufen vor allem Kleinigkeiten. Nur wenn der Wolliner Bäcker Urlaub hat, wird es im alten Konsum etwas voller. Denn frische Brötchen gibt es dort auch.

Mit dem Dorfladen schließt auch die Postagentur. Quelle: Frank Bürstenbinder

Ans Aufhören hatte Dajana Siebert immer wieder mal gedacht. Doch jetzt wird es ernst. Für die Regale hat sich schon ein Abnehmer gefunden. Die Kühltruhen und andere Einrichtungsgegenstände werden sich im Internet wiederfinden. In der letzten Woche vor der Schließung gibt es den großen Ausverkauf. „Die Entwicklung ist bedauerlich, aber angesichts des heutigen Kaufverhaltens nachvollziehbar“, sagte Wollins neuer Bürgermeister Jens Haase der MAZ. Wie schon bei der Bankschließung ist die Kommune bei unternehmerischen Entscheidungen machtlos.

Aus für Postfiliale

Die Schließung des Dorfladens bedeutet auch das Aus für die Postfiliale. Dajana Siebert nimmt Retoursendungen an, verkauft Briefmarken, kümmert sich um Einschreiben und Pakete. Wie es mit diesen postalischen Dienstleistungen in Zukunft weitergeht, steht derzeit völlig in den Sternen. Eine Alternative ist nicht in Sicht. Dabei haben einmal über 700 Menschen aus Wollin und den Nachbarorten für den Erhalt der Agentur unterschrieben, als sich die Deutsche Post selbst mit dieser Sparvariante zurückziehen wollte.

Die Tage des Wolliner Dorfladens sind gezählt. Quelle: privat

Bank weg, Post weg, Konsum weg – statt gleichwertiger Lebensverhältnisse geht die Schere zwischen Land und Stadt immer weiter auseinander. Uwe Lindemann, Stammkunde im Tico-Kaufquell, muss seine Einkäufe in der Familie neu organisieren. Oder selbst in den Bus nach Brandenburg steigen. Dabei steht Wollin noch relativ gut da. Es gibt einen Bäcker, einen Fleischer, Grundschule, Kita, Arzt und Zahnarzt.

Von Frank Bürstenbinder

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