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Ziesar Wurfzeit: Bald 20 Wölfe mehr im Landkreis
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Wurfzeit: Bald 20 Wölfe mehr im Landkreis
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15:37 01.04.2019
Elard von Gottberg aus Ziesar hat das erste Kalb des Jahres an den Wolf verloren. Quelle: Marion von Imhoff
Amt Ziesar

„Die Saison für Wolfsrisse ist eröffnet.“ Nur noch bitteren Spott hat Elard von Gottberg nach Angriffen auf den Rinder-Nachwuchs des Jahrgangs 2019 übrig. Der Vorstandsvorsitzende der Fiener Agrargenossenschaft Ziesar musste am Wochenende das erste neugeborene Kalb abschreiben. „Ich bin so sauer und wütend. Auf den Weiden gehen die Dramen der Vorjahre weiter. Und die Politik tut bis jetzt leider nichts“, beklagt sich der Landwirt gegenüber der MAZ.

Nicht ernst genommen

Dicke Luft auch bei Tierhalter Günter Tietz im benachbarten Steinberg. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war es der Wolf, der sich an seiner Fleischrinderherde vergriffen hat. Am Sonnabend fand er auf einer Koppel nur noch ein paar abgenagte Knochen von einem 55-Kilo-Kalb. Das Muttertier hat ihr Junges offenbar verteidigt. Die Kuh wies Verletzungen am Ohr auf, ihr Kopf war blutverschmiert. Was den Landwirt am meisten ärgert: „Der ehrenamtliche Wolfsbeauftragte war der Meinung, dass hinter dem Riss des Kalbes mein eigener Hund stecken könnte. So viel Unsinn ist nicht mehr auszuhalten. Die Sorgen der Tierhalter werden immer noch nicht ernst genommen.“

Bilder von gerissenen Kälbern werden wohl auch in diesem Jahr die Runde machen. Viele Viehweiden sind nicht wolfssicher genug. Quelle: privat

Ein dritter Vorfall vom Wochenende betrifft kein Rind, sondern wieder einmal ein Schaf. Aufgefressen wurde Thorsten, ein Schafbock aus dem Streichelzoo des Ausflugsrestaurants „Neue Mühle“ vor den Toren Brandenburgs. Die Betreiber fanden nur noch den abgenagten Kadaver. Und es kommt noch dicker. Befürchtet jedenfalls Horst Battig aus Görzke. Der erfahrene Jäger, der am ersten Wolfsmanagementplan für das Land Brandenburg mitgewirkt hat, verweist auf die bevorstehende Wurfzeit.

Etwa Ende April wird sich bei den fünf bis sechs nachgewiesenen Wolfsrudeln in Potsdam-Mittelmark Nachwuchs einstellen. Weil das Weibchen vier bis sechs Junge zur Welt bringt, dürfte es im Frühjahr um die 20 junge Wölfe mehr geben. Mit diesem Zuwachs erhöht sich die Zahl der Wölfe im Landkreis insgesamt auf etwa 70 bis 80. Entsprechend hoch ist der Nahrungsbedarf. Erwachsene Wölfe haben einen Fleischbedarf von rund vier Kilo am Tag. Für im Jahr geborene Welpen setzen Experten ein Nahrungsbedarf von 50 Prozent an. In den ersten Wochen ernähren sie sich nur von der Muttermilch.

Maximum festlegen

Battig, der die Hegegemeinschaft Nonnenheide/Hagelberg im Hohen Fläming leitet, hält es für dringend geboten ein Maximum an Individuen festzulegen. „Zwei bis drei Rudel mit insgesamt 30 Wölfen würde man kaum merken. Aber in Potsdam-Mittelmark und in ganz Brandenburg haben wir längst den günstigsten Erhaltungszustand überschritten“, ist der Weidmann überzeugt. Was passiert, wenn die Wölfe sich unkontrolliert vermehren, weiß der Leiter der Hegegemeinschaft aus eigener Erfahrung.

Schwarzwild bildet große Rotten

Im Hohen Fläming ist die Damwildstrecke zusammengebrochen. Vor der Rückkehr des Wolfes wurden jährlich gut 600 Stück Damwild erlegt. Im letzten Jahr waren es nur noch rund 180. Die Hoffnung der Artenschützer, dass der Wolf dazu beiträgt den Schwarzwildbestand zu reduzieren, habe sich dagegen nicht erfüllt. Die Wildschweine würden zu ihrem Schutz große Rotten bilden und die Wildschäden nur vergrößern, sagte Battig.

Druck auf Weidetierhaltung

Geben Wald und Acker nicht genügend Wildtiere her, verstärkt sich der Druck auf die Weidetierhaltung. Battig hofft auf eine für Mai angekündigte Konferenz der Umweltminister der Bundesländer, die den Weg von der Feststellung des günstigsten Erhaltungszustands in Deutschland bis hin zur Schutzjagd in den Revieren aufzeigen könnte.

Von Frank Bürstenbinder

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