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Potsdam Alexander von Humboldts Spuren in Potsdam
Lokales Potsdam Alexander von Humboldts Spuren in Potsdam
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23:09 12.09.2019
Alexander von Humboldt wirkte an verschiedenen Orten in Potsdam. Regelmäßig wohnte er im Stadtschloss. Die Straße vor seiner dortigen Wohnung heißt heute Humboldtstraße. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Alexander von Humboldt hat entlegenste Gegenden auf der Erde bereist. Er durchquerte den südamerikanischen Regenwald, die Weiten Sibiriens und stand auf einem der höchsten Berge der Welt. Doch: „Der Blick von der Glienicker Brücke wetteifert mit den schönsten Punkten der Welt“, sagte der Weltreisende.

Am Sonnabend ist der 250. Geburtstag des Weltreisenden

Immer wieder führte ihn sein Amt als Kammerdiener von gleich zwei preußischen Königen aus seiner Geburtsstadt Berlin über die Havel. Der Naturforscher hatte eine enge, aber ungewöhnliche Beziehung zu Potsdam. An diesem Sonnabend wäre der einstige Ehrenbürger der Stadt 250 Jahre alt geworden.

Dieses Porträt Alexander von Humboldts hängt im Schloss Charlottenhof. Der Maler Joseph Stieler schuf es 1843. Quelle: SPSG/ Gerhard Murza

Der Heimatforscher Gerhard Engelmann hat die Verbindungen Humboldts nach Potsdam gewissenhaft erforscht und bereits vor 50 Jahren zum 200. Geburtstag des berühmten Preußen in einem eigenen Bändchen des Potsdam-Museums veröffentlicht.

Darin lässt sich nachvollziehen, wie Alexander von Humboldts „Unleben“ als ständiger Begleiter des Königs zwischen den Residenzen aussah.

Potsdam bedeutete „ländliche Freuden“, Berlin war „öde und staubbedeckt“

In Potsdam fühlte er sich „in ländlichen Freuden“ wohl – ganz im Gegensatz zum „öden und staubbedeckten Berlin“ wartete hier das „herrliche Blüthenmeer“ von Sanssouci und eine „beruhigende herbstliche Milde der Luft“, wie durch Briefe belegt ist. Im Park Sanssouci weilte er oft im Schloss Charlottenhof und auch im Schloss Sanssouci.

Ländliche Freuden in Potsdam. Während der König die Schlösser im park Sanssouci bewohnte, stand Humboldt als Kammerdiener eine Wohnung im Gärtnerhaus der Römischen Bäder zu. Quelle: SPSG/Hans Bach

Eigene Räume waren ihm im Gärtnerhaus der Römischen Bäder und den Neuen Kammern zugewiesen. Die feuchten Räume taten ihm schlecht, er genoss deshalb das Privileg oft schon vor dem übrigen Hof am Ende des Sommers zurück in das Stadtschloss zu ziehen.

Forschen konnte er nur nachts, „wenn die störenden Feinde schlafen“

Doch das Leben im Gefolge von Könige Friedrich Wilhelm III. und ab 1840 von dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm IV. war zermürbend. Als Kammerdiener, Vorleser und Gesprächspartner nahm er fast täglich an Tafeln und Festen teil, kümmerte sich um Gäste des Hofes.

Doch durch den königlichen Dienst blieben ihm für die wissenschaftliche Arbeit nur die Nachtstunden, „wenn die störenden Feinde schlafen“. Karten und Bücher ließ er sich von seinem eigentlichen festen Wohnsitz in Berlin durch einen eigenen Kammerdiener bringen, um überhaupt arbeiten zu können.

Diese Büste Humboldts steht vor dem Humboldthaus des Astrophysikalischen Instituts Potsdam an der Sternwarte Babelsberg. Quelle: Peter Degener

Durch die Bindung an den Monarchen musste er stets bereit sein, die wissenschaftliche Arbeit ab- und nach Berlin oder Potsdam aufzubrechen. Da schreibt er dann in Briefen von einer „stöhrenden“ oder „bittren Reise“.

„Heute Sonntag von Berlin nach Potsdam, Dienstag nach Berlin zurück und abends wieder nach Potsdam“, notierte er 1851. Immerhin reiste er seit 1838 nicht mehr in der Kutsche über holprige Chausseen, sondern mit der bequemeren Eisenbahn.

Ein zerrissenes Leben zwischen den preußischen Hauptstädten

Über die Jahre leistet er in diesem „Mühlradtreiben“ und „unglücklich zerrissenen“ Leben Erstaunliches. Den ersten Band seines Hauptwerks „Kosmos“ unterzeichnet er 1844 im Stadtschloss, die Schlussbemerkung des zweiten Bands schreibt er in 1847 in Sanssouci.

In der Kuppel des Alten Rathauses wurde Alexander von Humboldt am 21. Oktober 1849 die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen – obwohl er nie echter Einwohner war. Quelle: Peter Degener

Die Stadt dankte es ihm und verleiht ihm kurz nach seinem 80. Geburtstag die Ehrenbürgerschaft – noch vor seiner Geburtsstadt Berlin und obwohl er nie als Einwohner geführt wurde. In der Kuppel des Alten Rathauses wird der Ehrenbürgerbrief am 21. Oktober 1849 feierlich überreicht. Für die „unerwartete Ehre“ bedankte Humboldt sich in einem Schreiben, das heute im gleichen Gebäude – im Potsdam-Museum – zu sehen ist.

Humboldt sprach auch vor den Stadtverordneten – mit einer Forderung

„Durch die Huld zweier edler Monarchen ist mir, 22 Jahre lang, die Freude geworden, mit wenigen Unterbrechungen als ihr Mitbürger zu leben, und in einer anmuthig geschmückten Natur die Anregungen zu finden, deren keine lebendige Darstellung des ewigen Waltens physischer Kräfte entbehren darf“, schrieb er.

Auf den Tag genau zwei Jahre später nutzte er auch sein Recht in der Stadtverordnetenversammlung zu sprechen – und forderte den Ausbau des Schulwesens, „um den Zustand der ärmeren Volksklassen“ zu verbessern.

Das Potsdamer Humboldt-Gymnasium ist nach Alexander und seinem Bruder Wilhelm benannt. Quelle: Varvara Smirnova

Vieles in Potsdam trägt heute Humboldts Namen

Vieles in Potsdam trägt heute den Namen „Humboldt“, wobei oft zugleich das Brüderpaar Wilhelm und Alexander gemeint ist. So ist das Gymnasium ebenso nach beiden Humboldts benannt, wie die Havelbrücke und der dahinterliegende Humboldtring.

Die Humboldtbrücke über die Havel in Potsdam. Quelle: Julian Stähle

Doch auch Alexander allein wurde explizit im Stadtbild geehrt. Schon 1870 – nur wenige Jahre nach seinem Tod 1859 – wurde die Straße von der Langen Brücke entlang des Stadtschlosses zum Alten Markt nach ihm benannt.

Auf dieser Seite des Schlosses befand sich auch seine Dienstwohnung, aus deren Fenstern er den Blick auf die Havel genoss und regelmäßig zu Spaziergängen auf den Brauhausberg aufbrach.

Spaziergänge auf dem „Potsdamer Chimborazo

Humboldt nannte die Anhöhe in Erinnerung an seine Besteigung des damals höchsten bekannten Bergs der Welt seinen „Potsdamer Chimborazo“. Die Humboldtstraße verschwand nach dem Abriss der Stadtschlossruine und existiert erst seit dem Jahr 2013 wieder.

Das Humboldthaus ist das Hauptgebäude der Babelsberger Sternwarte und wurde explizit nach Alexander von Humboldt als Autor des „Kosmos“ benannt. Quelle: Peter Degener

Im 20. Jahrhundert wurde auch das Hauptgebäude der Sternwarte in Babelsberg nach dem Autoren des „Kosmos“ benannt. So spannen sich Alexander von Humboldts Spuren nicht nur um die Erdkugel, sondern bis zu den Sternen und führen ihn bis heute immer wieder nach Potsdam zurück.

Sonderführung und Vortrag zum 250. Geburtstag Alexander von Humboldts

An diesem Sonnabendlädt die Stiftung Preußische Schlösser & Gärten (SPSG) um 14 Uhr zu einer Sonderführung durch das Schloss Charlottenhof und die Römischen Bäder ein. „Herzlichen Glückwunsch, Weltenbummler“ heißt es am 250. Geburtstag Humboldts. Die Spurensuche im Refugium des preußischen Königs beginnt an der Schlosskasse von Charlottenhof. Anmeldung unter 0331/96 94 200 oder per Mail unter info@spsg.de.

Am 1. Oktoberum 18 Uhrwird der Historiker Tobias Büloff im Potsdam-Museum am Alten Markt einen Vortrag über Alexander von Humboldt als Ehrenbürger der Stadt halten.

Von Peter Degener

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